Neue Ausstellung: 140 Dortmunder erklären mit Alltagsgegenständen ihre Stadt

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In der Ausstellung „Mein Dortmund. Eingetütet, ausgepackt und ausgestellt“ haben über 140 Dortmunder ihre persönlichen Verbindungen zur Stadt ausgestellt. Zwei Objekte sind sehr skurril.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 11.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die zerpflückte Ledertasche, die in einer Vitrine des Museums für Kunst und Kulturgeschichte ausgestellt wird, ist eine Leihgabe von Rainer Klein. Der hat 40 Jahre lang mit psychisch kranken Dortmundern gearbeitet, im Rahmen seiner Tätigkeit für die Diakonie - und zwar stets mit der ausgestellten Aktentasche an der Hand.

Damit wurde das Stück Zeuge von großen Neuerungen in 40 Jahren der psychiatrischen Versorgung wie etwa dem Schaffen von betreuten Wohngemeinschaften in Hörde in den 80er-Jahren. Rainer Klein möchte mit seiner Leihgabe vor allem eins ausdrücken: „Das ‚verrückte Dortmund‘ gehört in die Stadt und nicht weg von der Stadt.“ Diese symbolische Aussage ist sein geleisteter Beitrag zur neuen Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Eröffnungsfeier wurde wegen Coronavirus-Krise abgesagt

„Mein Dortmund. Eingetütet, ausgepackt und ausgestellt“ heißt die Ausstellung des MKK, die am Freitag (13.3.) um 18:00 Uhr eigentlich mit einer Feierlichkeit von Oberbürgermeister Ullrich Sierau eröffnet werden sollte. Dem hat die aktuelle Coronavirus-Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zeitlich eröffnet wird trotzdem, der Sekt bleibt aber im Kühlschrank.

Über 140 Dortmunder hatten dem Museum im vergangenen Jahr eine Leihgabe überreicht. In eigens vom Museum angefertigten Tüten, die an über 140 Stationen in Dortmund verteilt wurden, sollten die Bürger nach Lust und Laune diejenigen persönlichen Gegenstände eintüten, die sie mit ihrer Stadt Dortmund verbinden.

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Dabei herausgekommen ist ein Rundgang in vier Etagen, der einen Museumsgang mit ganz anderer Perspektive ermöglicht. Von Sportstücken (BVB!) über selbst hergestellte Plastiken und Bilder mit Dortmunder Motiven bis hin zu skurrilen Objekten wie der Psychiatrie-Tasche bekommt man als Besucher einen Eindruck von Dortmund, der nicht kuratorisch verschönert wurde sondern direkt aus der Wahrnehmung der Alltagsmenschen stammt.

In der Kombination mit den klassischen Kunstobjekten der Dauerausstellung - der Dortmunder Rundgang führt quer durchs Museum und ergänzt die Standard-Stücke auf interdisziplinäre Weise - wird das Museum auch für weniger kulturinteressierte Besucher interessant und bringt sie vielleicht dazu, neben dem Blick auf das BVB-Trikot gleich noch einen auf ein klassisches Gemälde zu werfen.

Ein Schlagloch als Sinnbild für Dortmund

Ein ganz besonderes Stück hat auch Barbara Meese mitgebracht:

Die B1, die nach und durch Dortmund führt, ist für sie untrennbar mit dem Stadtbild verbunden. Um diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen, hat sie einfach ein Stück Straße mitgebracht, ein Schlagloch, um genau zu sein. „Für mich macht Dortmund diesen Kontrast aus zwischen den vielen grünen Alleen und der grauen B1. Das ist doch, was Dortmund ist.“

Barbara Meese hat ein Stück B1, genauer gesagt ein Schlagloch, mit zur Ausstellung gebracht.

Barbara Meese hat ein Stück B1, genauer gesagt ein Schlagloch, mit zur Ausstellung gebracht. © Daniel Reiners

Dr. Jens Stöcker, Leiter des MKK, sieht mit der Ausstellung die Möglichkeit zu zeigen, was ein Museum abseits von klassischer Kunst und Kultur alles sein kann. „Bisher fehlte uns als Museum in Dortmund der Link zur Alltagswelt. Wir stellen Kunst und Kultur von der Frühzeit bis in die 50er-Jahre aus, aber der aktuelle Bezug zu Dortmund fehlte uns immer. Mit der neuen Ausstellung haben wir jetzt ein Update geschaffen.“

Er lädt jeden dazu ein, ab Freitag (13.3.) den Vier-Stockwerke-Rundgang selbst zu absolvieren und dabei die Vielfältigkeit der Stadt durch die Brille ihrer Bewohner zu erleben. Das ausgestellte Schlagloch mag dabei vielleicht sogar dem einen oder anderen Autofahrer bekannt vorkommen.

Die Ausstellung „Mein Dortmund. Eingetütet, ausgepackt und ausgestellt.“ des Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist vom 13. März bis Frühjahr 2021 frei begehbar.
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