Die Bezirksvertretung hat entschieden: Die Platane im Kaiserquartier wird gefällt

rnNach Anwohnerprotesten

Die Entscheidung ist gefallen: Am Dienstag stimmte die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost dafür, die Platane an der Wismarer Straße zu fällen. Der Ärger der Anwohner bleibt.

Dortmund

, 12.12.2018, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Tag danach war Rainer Gorecki noch verärgert. „Es ist unfassbar“, sagte er. Gorecki wohnt im Stadtquartier Ost neben einer Brachfläche. Auf der steht die Platane, die in den vergangenen Monaten so viele Menschen bewegt hat und die bald gefällt wird. Gorecki habe bis zum Ende gehofft, dass der Verstand über Geld siege. „Das ist aber nicht passiert.“

Im Juli sind die Ideen für das Gebiet bekannt geworden. Investor Eric Schmidt plant den Bau von zehn Gebäuden inklusive 130 Mietwohnungen, einer neuen Rewe-Filiale sowie einer Tiefgarage mit 220 Stellplätzen. Anwohner und Baumfreunde wollten die Platane retten, sie haben Unterschriften gesammelt, eine Facebook-Seite eingerichtet und sich mit der Politik, dem Investor und der Architektin auseinandergesetzt. Auch in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) am Dienstagnachmittag haben beide Seiten gesprochen, bevor die Bezirksvertreter ihr einstimmiges Urteil abgaben.

Umzäunung als Lösung?

Diejenigen, die die Jahrzehnte alte Platane erhalten wollten, und diejenigen, die eine Fällung befürworteten, hatten viel zu diskutieren. Rainer Gorecki wollte den Baum behalten. Wegen seiner Bedeutung für die Umwelt und weil er sich nicht recht vorstellen konnte, dass die Belastung durch Schadstoffe im Boden des ehemaligen Güterbahnhofs so enorm sei, dass der Baum nicht auch durch eine Umzäunung hätte gerettet werden können.

Ein anderer Anwohner hielt in der Einwohnerfragestunde einen Vortrag, in dem er sich für die Erhaltung des Baumes aussprach. Er habe das Gefühl, sagte er, dass Politiker durch ihre Entscheidungen Lebensräume und Grünflächen zerstörten. Bezirksvertreter Achim Hoefer (FDP/KE) wollte das so nicht stehen lassen: „Wir diskutieren hier über einen Baum“, sagte er. „Wir sollten das nicht in einen Klassenkampf ausarten lassen.“ Christiane Gruyters (Grüne) versicherte im Namen aller Bezirksvertreter: „Hier ist keiner, der sich diese Entscheidung leicht macht.“

Investor will viel Geld für den Boden in die Hand nehmen

Investor Eric Schmidt sagte noch vor der Abstimmung in der BV-Sitzung: „Wir nehmen viel Geld in die Hand, um zwei Meter tief in den Boden zu gehen.“ Dadurch solle jeder Rest von kontaminiertem Boden entfernt werden. Dieser Plan hätte nicht mit gleichzeitigem Erhalt der Platane umgesetzt werden können. Architektin Regina Bieber sprach zudem über das Verkehrskonzept, den Bau der Tiefgarage, die mit Platane in der Form gar nicht hätte gebaut werden können, und über den öffentlich zugänglichen Spielplatz, der anstelle der Platane entstehen solle.

„Hier ist keiner, der sich diese Entscheidung leicht macht.“
Christiane Gruyters (Grüne)

Vieles davon hatten Teilnehmer eines Runden Tisches eine Woche vor der BV-Sitzung schon gehört. Da kamen alle Beteiligten zusammen, um zu diskutieren. Carsten Wember (SPD) hatte gehofft, dass an diesem Abend eine Kompromisslösung gefunden werden könne. Das passierte aber nicht.

Unter Punkt 11.11 auf der Tagesordnung war es dann soweit. In der Beschlussvorlage stand: „Die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost nimmt die Entscheidungen der Verwaltung, eine Befreiung zur Beseitigung der im Bebauungsplan festgesetzten Platane zu erteilen, zur Kenntnis und stimmt diesen zu.“

Grüne sagen: „Wir wollen keinen kontaminierten Boden schützen“

Bezirksbürgermeister Udo Dammer bat die Bezirksvertreter um Abstimmung – und alle Hände gingen hoch. Die Entscheidung für die Fällung der Platane war einstimmig. Auf der entsprechenden Facebookseite „Kaiserbaum“ ernten auch die Grünen Kritik für ihr Abstimmungsverhalten. Fraktionsvorsitzende Christiane Gruyters aber sagte zu einem möglichen Erhalt der Platane: „Wir können uns nicht vorstellen, kontaminierten Boden zu schützen.“

Regina Bieber nahm die Entscheidung pro Fällung „sehr positiv“ auf. Investor Eric Schmidt freute sich unmittelbar nach dem Beschluss, dass dieser einstimmig ausgefallen ist. „Ich fand den demokratischen Weg sehr gut – von der Bürgerinfo bis zum runden Tisch.“ Er versprach, dass auf dem Baugelände genug Platz sein werde, um neue Bäume wachsen zu lassen.

Termin noch nicht klar

Anwohnerin Monika Hoch-ten Cate schaut von ihrer Wohnung direkt auf die Platane. Wenn sie gefällt wird, möchte sie das nicht mit ansehen. Und in den kommenden drei Jahren, wenn die Bauarbeiten für die Häuser und den neuen Rewe laufen, wolle sie viel Zeit außerhalb Dortmunds verbringen. „Der unternehmerische Ansatz beim Thema Platane hätte früher klar sein müssen“, sagt sie im Hinblick auf die Tiefgarage, die nun durchgebaut werden kann. Mit Platane wäre das nicht gegangen. „Ich hatte aber den Eindruck, dass es am Ende eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema gegeben hat.“

Wann die Platane nun tatsächlich gefällt wird, ist noch nicht klar. Die entsprechende Genehmigung ist noch nicht erteilt. Die vorbereiten Bauarbeiten jedenfalls sollen schon zeitnah beginnen. Rainer Gorecki wird die Arbeiten beobachten und vor allem die Nachpflanzungen im Auge behalten. Sein Ärger aber wird wohl noch etwas bleiben.

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