Seit fast 20 Jahren ist das rechtsextreme „Blood & Honour“-Netzwerk in Deutschland verboten. Der militante Ableger „Combat 18“ besteht weiter und begeht Straftaten in NRW. Viele in Dortmund.

Dortmund

, 01.04.2019, 12:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Gewalttaten und illegaler Waffenbesitz: Die Mitglieder der rechtsextremen Vereinigung „Combat 18“ begehen schwere Straftaten.

„Combat“ heißt Kampf. Die Ziffern 1 und 8 stehen für die Positionen der Anfangsbuchstaben im Vor- und Nachnamen Adolf Hitlers im Alphabet: Die 18 bedeutet Adolf Hitler. Combat 18 ist ein klares Bekenntnis zum Kampf für eine nationalsozialistische Ideologie – und ein Ableger der im Jahr 2000 vom Bundesinnenminister verbotenen „Blood & Honour“ (Blut und Ehre)-„Division Deutschland“.

Combat-18-Mitglieder haben beste Kontakte zur Partei „Die Rechte“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und als Partei zugleich unter dem Schutzschirm der Demokratie steht.

Thema im Terrorismusabwehrzentrum

Harmlos sind die Netzwerke nicht: Die Blut-und-Ehre-Division und ihre ebenfalls verbotene Jugendorganisation „White Youth“ (Weiße Jugend) sind im Visier des „Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrums zur Bekämpfung des Rechtsextremismus/-terrorismus“. Auf eine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ im Bundestag antwortete die Bundesregierung, dass das Zentrum zwischen April 2017 und Januar 2019 „21 Vorgänge thematisiert“ habe. Die Bundesregierung erkennt eine „abstrakte Gefährdung“. Eine Einstufung, die auch für politische Salafisten gilt.

Viele Combat-18-Tatorte in Dortmund

In Dortmund war die Gefahr in den vergangenen Jahren nicht abstrakt, sondern konkret. Aus einem Bericht der nordrhein-westfälischen Landesregierung an das Parlament geht nach einer Anfrage der Grünen hervor, dass die meisten der seit 2009 erfassten und von Combat-18-Mitgliedern begangenen Straftaten im Städtevergleich in Dortmund begangenen worden sind.

Verfassungsschutz und Innenministerium listen 14 Tatort-Städte mit insgesamt 84 Straftaten auf. 38 davon wurden in Dortmund begangen. 19 in Köln. Weitere Tatorte sind Duisburg, Hamm, Lippstadt, Marl, Mönchengladbach, Recklinghausen und Waltrop. Immer wieder geht es um Gewalt, Drogen und Waffen.

Schießtraining in Deutschland und im Ausland

Combat 18 steht für den bewaffneten Kampf. Die Landesregierung berichtet von zwölf Schießtrainings seit dem 5. Dezember 2015 im europäischen Ausland, an denen „C18“-Mitglieder teilgenommen haben, darunter Tschechien und Bulgarien, und verweist zusätzlich auf einen Bericht an den Deutschen Bundestag: Demnach soll es fünf Schießtrainings auch in Deutschland gegeben haben.

Am 24. September 2017 hatten Spezialkräfte der Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) Fahrzeuge von Combat-18-Mitgliedern durchsucht, nachdem diese in Tschechien den Einsatz von Waffen trainiert und anschließend die deutsch-tschechische Grenze passiert hatten.

Symbol der SS

Dortmund war in den Jahren 2009, 2010, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 mehrfach ein Tatort, an dem militante Nazis zugeschlagen haben. Und Dortmund ist der Ort, an dem sich die Mitglieder dieser Gruppe gern öffentlich in Szene setzen. Darunter: Robin Schmiemann. Am 3. Oktober 2018 posierte er auf einer Nazi-Demonstration am Nordmarkt im Combat-18-T-Shirt. An seiner Seite: Der Führungskader der in Dortmund gegründeten Nazi-Partei „Die Rechte“ samt Gefolge.

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Auf Schmiemanns Hals prangt eine Tätowierung: Sie zeigt zwei gekreuzte Stabhandgranaten – das Symbol einer Einheit der nationalsozialistischen, verbrecherischen SS.

Schüsse in einem Supermarkt

Robin Schmiemanns Bezug zu Waffengewalt und Drogen zeigte sich 2007 im Stadtteil Brechten im Dortmunder Norden: Um seine in einem Drogengeschäft entstandenen Schulden begleichen zu können, wollte er einen Supermarkt überfallen. Er eröffnete das Feuer auf einen Marokkaner und verletzte ihn lebensgefährlich. Die Justiz verurteilte den Neonazi zu acht Jahren Haft. Im Gefängnis baute er einen Briefkontakt zu der NSU-Terroristin Beate Zschäpe auf.

In NRW sollen sich weniger als zehn C18-Mitglieder aufhalten. Wie Terroristen verhalten sie sich extrem konspirativ. Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz beobachtet sie und die Entwicklung ihrer Gewaltbereitschaft „intensiv“. Laut Bericht der Landesregierung an das Parlament „ist bei den Anhängern von einer Waffenaffinität und individuellen Gewaltbereitschaft auszugehen.“ Auch ausländische Nachrichtendienste haben Combat 18 im Visier.

Die Kontakte militanter Nazis zur Partei „Die Rechte“ und nach Dortmund

Demonstration von Neonazis gegen ein Verbot. Drei Kinder stellen sich unerschrocken vor Rechtsextremisten. Das Bild stammt aus August 2018. © Peter Bandermann

Noch ein Bezug zu Dortmund

Einzelne und ehemalige Mitglieder der verbotenen „Blood & Honour“-Division und ihrer Jugendeinheit sind laut Bundesregierung in der NPD und bei „Die Rechte“ aktiv oder „verfügen über Kontakte zu Parteimitgliedern“.

Dazu zählt Robin Schmiemann. Seine Nazi-Kameraden aus dem 2012 verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ (NWDO) sind teilweise in „Die Rechte“ übergegangen. Trotz NWDO-Verbots durch das NRW-Innenministerium sind die ehemaligen Mitglieder weiter gemeinsam aktiv.

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