Die New York Times lobt Dortmund

Stabiler Standort

2014 ließ die New York Times Dortmund düster aussehen. Ein neuer Artikel zeigt Dortmund als stabilen Standort, der dank vieler Produktionsjobs Populismus kleinhält. Ein positiver, aber unvollständiger Blick.

DORTMUND

, 27.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Die New York Times lobt Dortmund

Der Autor des New-York-Times-Artikels hat unter anderem den Pumpenhersteller Wilo besucht.

Der Artikel von Juni 2014 in der New York Times (NYT)' type='' href='http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/dortmund/44137-Dortmund~/Neonazi-im-Stadtrat-New-York-Times-berichtet-ueber-Dortmunds-Neonazis;art930,2404456 nannte hohe Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität und viele Einwanderer im Zusammenhang mit Dortmund. Die Stadt sei „ein heruntergekommenes früheres Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie“, schrieb die Chefkorrespondentin des renommierten Blattes. Anlass für den Text war der Einzug der Parteien Die Rechte und AfD in den Rat gewesen.

Populistische Stimmungen 

Ein vergangene Woche erschienener Artikel' type='' href='https://www.nytimes.com/2017/09/21/business/german-election-jobs.html nimmt Deutschland vor der Wahl in den Blick. Die These des NYT-Wirtschaftskorrespondenten für Europa, Jack Ewing: In Deutschland seien „Hochburgen“ mit Produktionsjobs in Industrie und Handwerk ein „Bollwerk“ für Kanzlerin Angela Merkel und gegen den Populismus. Durch das Job-Angebot hätten Städte wie Dortmund weitgehend verhindert, dass die Arbeiter-Klasse für populistische Stimmungen empfänglich ist.

Ewing räumt indes ein, dass sich erst am (nun vergangenen) Wahlsonntag zeige, inwieweit Deutschland rechte Stimmungen eingrenzen könne. Das Ergebnis der rechtspopulistischen AfD ist bekannt. Es liegt in Dortmund immerhin unter dem Bundesschnitt.

Dortmund dient Ewing als Beispiel für eine Stadt, die sich nach dem Verlust tausender Kohle- und Stahl-Jobs wieder aufgerappelt und neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Durch Politik und unternehmerischen Einfallsreichtum habe die Stadt Jobs etwa in der Halbleiter-Branche und der Logistik geschaffen – zudem sei ein Kern an Jobs in der Produktion erhalten geblieben. Die Arbeitslosigkeit, schreibt Ewing, sei im vergangenen Jahrzehnt „drastisch“ gesunken und sinke weiter.

Vorzeigeunternehmen kommen vor

Gut weg kommen in dem Text Dortmunds frühere und aktuelle Politiker beispielsweise dafür, schon 1985 den Technologiepark eröffnet zu haben. Dort sitzt der Halbleiter-Hersteller Elmos, dessen Chef Anton Mindl in der NYT „die frühe Investition in die richtigen Industrien“ lobt. Elmos hat der Korrespondent ebenso besucht wie den Pumpenhersteller Wilo, zudem das erfolgreiche Datenanalyse-Unternehmen Rapidminer. Dass in dem Text Vorzeigeunternehmen vorkommen, ist kein Zufall: Die Wirtschaftsförderung hatte die Kontakte vermittelt – und freut sich natürlich über das sehr positive Dortmund-Bild des Artikels.

Dieser vermittelt den Eindruck, Dortmund habe nach wie vor sehr viele Arbeitsplätze in der Produktion. Was auch nicht falsch ist: Fast jeder Fünfte (18,4 Prozent) arbeitet laut Industrie- und Handelskammer in diesem Bereich. Wenngleich der NYT-Autor auf den aktuell drohenden Stellenabbau bei Thyssenkrupp eingeht, lässt er hingegen außer Acht, dass auch zuletzt viele Produktionsjobs weggefallen sind. Bei Hoesch Spundwand und Profil (HSP) und Thyssenkrupp Industrial Solutions etwa; Ende des Jahres schließt der Bagger-Hersteller Deilmann-Haniel Mining Systems.

Unvollständiges Bild

Das Bild des NYT-Artikels von Dortmund, so positiv es auch ist, bleibe unvollständig und sei nicht differenziert genug, sagt denn auch Jutta Reiter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die neu entstandenen Jobs hätten längst nicht immer die Menschen bekommen, die einst ihre Industriejobs verloren. Und: „Viele neue Jobs haben eine ganz andere Lohnstruktur, mit der die Leute nicht mehr zufrieden sind.“

In der Logistik, in Callcentern, im großen Dortmunder Dienstleistungssektor generell finden viele Menschen Arbeit, ja – aber zu deutlich geringeren Löhnen, als sie früher in der Industrie gezahlt wurden, sagt Jutta Reiter. Auch dass es viele Befristungen und Leiharbeiter gibt, und dass viele Jobs nicht mehr nach Tarif entlohnt werden, dazu steht in dem NYT-Text nichts, wie Reiter bemängelt. Und, sagt sie: „Wir haben eine verdammt hohe strukturelle Arbeitslosigkeit.“

Der These des NYT-Korrespondenten, dass Städte wie Dortmund durch ihre Jobstruktur ein Bollwerk gegen Populismus bieten, mag Reiter auch nicht folgen: Die Bundestagswahl habe doch in mehreren Dortmunder Stadtteilen mit vielen Stimmen für die AfD gezeigt, dass es viele wohl auch wirtschaftlich unzufriedene Menschen gibt.

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