Die Polizei Dortmund zählt jeden Tag eine Messerattacke

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Messerattacken sind Alltag in Dortmund. Im Schnitt musste die Polizei Dortmund 2019 jeden Tag ausrücken, weil jemand zum Messer gegriffen hatte, um eine Straftat zu verüben - 350 Mal.

Dortmund

, 17.01.2020, 15:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahl von 350 Messerattacken bezieht sich auf die Zeit von Januar bis November 2019. Der Dezember ist noch nicht erfasst. Dabei sind alle Fälle aufgenommen, die sich im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Dortmund ereignet haben, das auch Lünen umfasst.

Nicht in allen Fällen fließt Blut, wenn bei einem Überfall, einem Raub oder einer Nötigung ein Messer als Tatwaffe eingesetzt wird. Aber sehr oft ist das eben doch der Fall.

Hier nur einige der heftigeren Beispiele aus dem vergangenen Jahr: Im November wird ein 21-jähriger Mann in Hörde schwer verletzt. Im August erleidet ein 41-jähriger Mann am Borsigplatz schwere Verletzungen. Der schlimmste Fall ereignete sich im Juli, als eine 21-jährige Frau in Lütgendortmund mit 70 Messerstichen getötet wird.

Noch fehlen Vergleichszahlen

Wie viele Menschen durch Messer bei den 350 Fällen wie schwer verletzt oder gar getötet wurden, könne man derzeit noch nicht sagen, sagte Peter Bandermann von der Pressestelle der Polizei auf Nachfrage. Hier laufe die statistische Auswertung noch.

Man könnte den Eindruck haben, dass Täter immer schneller zum Messer greifen. Ob das stimmt, lässt sich allerdings nicht überprüfen. Es fehlen die Vergleichszahlen aus den Vorjahren, denn: Erst seit dem 1. Januar 2019 zählt die Polizei in Nordrhein-Westfalen jedes bei einer Straftat eingesetzte Messer.

Küchemesser beliebte Waffen

Laut Bandermann setzten die mutmaßlichen Täter in Dortmund und Lünen in 91 Fällen Messer ein, die durch das Waffengesetz verboten sind. Dazu gehören zum Beispiel Fall- und Springmesser, Butterflymesser und Faustmesser. Das Waffengesetz verbietet es, solche Messer bei sich zu haben. Wer es dennoch tut, macht sich strafbar.

In 239 Fällen - und damit in den meisten Fällen - wurden Küchen- oder Taschenmesser als Tatwaffen eingesetzt. In den restlichen 20 Fällen waren es Stichwaffen wie Brieföffner, Scheren oder Schraubendreher, die zur Waffe wurden. 2019 stellte die Dortmunder Polizei außerdem 309 Messer sowie Hieb- und Stoßwaffen wie Dolche, Degen oder Teleskopschlagstöcke sicher.

Landesweit 6827 Fälle

„Täter verwendeten Stichwaffen nicht allein bei Raubüberfällen, sondern auch, um sich während einer Auseinandersetzung in einem Streit durchzusetzen oder zu verteidigen“, berichtete Bandermann. Landesweit wurden übrigens im vergangenen Jahr 6827 Fälle registriert, bei denen ein Messer als Tatwaffe eingesetzt wurde.

Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange warnt vor den schwerwiegenden Folgen einer Straftat mit einem Messer: „Wer in einer Auseinandersetzung ein Messer einsetzt, kann schnell und ungewollt die Kontrolle verlieren und für sehr schwere Verletzungen oder sogar ein Tötungsdelikt verantwortlich sein.“

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