Die Schule immer im Blick

KEMMINGHAUSEN Einmal Kemminghauser - immer Kemminghauser: Helmut Adden kann sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen. Am Gretelweg 15 lebt er mit Ehefrau Regina, und hier arbeitet er. In unmittelbarer Nähe, am Stoppelheck 7, hat er seine Kindheit und Jugend verbracht.

04.07.2007, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Evinger Bezirksvorsteher ist im «zivilen» Leben seit 1986 Hausmeister der Herder-Grundschule. Das Gebäude kennt er in und auswendig, denn in der damaligen Volkschule hat der SPD-Politiker die 7. und 8. Klasse besucht. In seiner Werkstatt hängen alte Erinnerungsfotos neben noch älteren Kameras - eines der wenigen Hobbys, für das er sich Zeit nimmt.

Wohnen und arbeiten am selben Ort. Das hat nicht nur Vorteile. Um 7.15 Uhr steht Adden parat. Vor 22 Uhr kommt er selten zur Ruhe. Sein ganzer Stolz: An «seiner» Schule ist Vandalismus ein Fremdwort. Er hat alles im Griff.

Aber im Herbst 2009 ist Schluss. «Dann bin ich 65 und habe fünfzigeinhalb Jahre gearbeitet,» sagt er. «Das schafft heute kaum noch einer.» Dann muss er auch seine Hausmeisterwohnung aufgeben, doch er wird ganz in der Nähe bleiben, da ist er sicher.

Die Schulen, der Sportplatz und die Kirche prägen den Gretelweg. Hier ist ein ständiges Kommen und Gehen. «In unserer Siedlung ist das hier die Sammelstraße, die anderen wie Wassermann-, Nixen- und Hänselweg sind reine Wohnstraßen. Aber sagen Sie bloß nicht Märchensiedlung», mahnt der Evinger Bürgermeister, «die ist auf der anderen Seite am Dornröschenweg.»

1956 hat Helmut Addens Vater eine Entscheidung getroffen, die das Leben seines Sohnes maßgebend beeinflusste. Von Carolinensiel im hohen Norden zog es die Familie nach Dortmund. «Hier gab es Arbeit, auf der Zeche und auf der Kokerei.»

Auch wenn er im Krabbenpulen noch immer unschlagbar ist - Eving ist seine Heimat. Der sechsfache Großvater schmunzelt: «Mehr noch, der Stadtbezirk ist mein Hobby. Vielleicht liegt es daran, dass ich politisch in den vergangenen Jahren vieles mit entschieden und verändert habe.»

Lehre im Konsum

Im Laden 150 - einen Steinwurf von seiner jetzigen Wirkungsstätte entfernt - hat der junge Helmut Adden damals im «Konsum» seine kaufmännische Lehre gemacht. Das Haus am Hänselweg steht nicht mehr, doch die Kontakte sind geblieben. Helmut Adden kennt die Menschen in seinem Viertel, die in den Hochhäusern und die, die mit viel Liebe und Einsatz ihre schmucken Eigenheime gebaut haben. «Es sind überwiegend Bergleute», sagt er.

Gibt es denn gar nichts, was er vermisst? Helmut Adden muss lange überlegen. «Doch. Weil hier am Gretelweg relativ wenige Wohnhäuser sind, werden wir nicht verkabelt.» Selbst ans Postministerium hat sich der Radiofreak gewendet - vergeblich. Petra Frommeyer

Morgen berichten wir über den Rübezahlweg.

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