In der Kolumne „Klare Kante“ hatte unser Autor Ulrich Breulmann über den Zustand von Dortmunds Straßen geklagt. Die Resonanz unserer Leser war riesig. Wir bringen einige Auszüge.

Dortmund

, 13.09.2018, 18:18 Uhr / Lesedauer: 4 min

Lesermeinungen erreichen uns zu vielen unserer Themen, doch selten so viele wie auf die Kolumne. Mehr als 20 Leserbriefe haben uns alleine per Mail erreicht, auch über die Sozialen Netzwerke Twitter und Facebook meldeten sich Leser.

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Günter Beimdick schreibt: „Es ist nicht zu fassen, wie unsere Straßen seit Jahren nicht mehr ordnungsgemäß repariert werden. Die Vermutung kommt auf, dass dahinter die Absicht besteht, die Straßen solange nur zu flicken, bis eine Grundsanierung erforderlich wird, an der dann die Anlieger kostenmäßig beteiligt werden. Das Befahren der Straßen ist für Autofahrer eine Zumutung, für Fahrradfahrer, die den Schlaglöchern und den schlecht reparierten Stellen ausweichen müssen, ist es sogar im höchsten Maße gefährlich. Der Oberbürgermeister ist ja auch Fahrradfahrer und sollte einmal durch die Nebenstraßen des Stadtbezirks Hombruch fahren.“

„Es ist einfacher, Schilder aufzustellen“

Dass hinter der langsamen Reparatur der Straßen Absicht der Stadt stecken könnte, vermutet auch Volker Kathoff: „Meiner Meinung nach besteht seitens der Stadt Dortmund wenig Interesse an der Sanierung der Straßen. Es ist einfacher und billiger, Schilder mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 oder sogar 20 km/h aufzustellen. Gleichzeitig werden Geschwindigkeitskontrollen eingeführt. Ergebnis: Schilder sind billiger als eine Sanierung und man kassiert noch laufend Geld durch die Geschwindigkeitskontrollen.“

„Flickarbeiten haben miese Qualität“

Auch Wilfried Raschke begibt sich auf Ursachensuche: „Ein Grund für den schlechten Straßenzustand ist mit Sicherheit auch die miese Qualität der Flick-Arbeiten: Eine Schüppe voll Teer, dreimal draufgetreten, ab zur nächsten Reparatur. Dass dann an den Rändern dieser Flicken überall Zwischenräume sind, die nach dem nächsten Frost wieder aufbrechen – wer prüft das schon? Auf einem Stück des Schulweges eines großen Gymnasiums wurde jüngst auf einem Zwischenstück, auf dem etwa zehn Löcher waren, etwa die Hälfte geflickt – das größte Loch wurde nur mit Sand (!) gefüllt. Es käme die Stadt langfristig sicher billiger, wenn es die kleinen Reparaturen die Bürger selber machen ließe. Man müsste nur das nötige Material zur Verfügung stellen. Wenn wir uns selber um die kleinen Reparaturen kümmern müssten und dürften, kümmerten wir uns auch. Dann entstehen gar nicht erst Mondlandschaften. Ich stelle meine Gartenlaube gerne für entsprechende Gerätschaften zur Verfügung.

„Das Fahren ist ein Slalom“

Ähnlich sieht es Anto Stjepic: „Ich wohne in Wambel und ich sehe in der letzten Zeit, dass die Straßen einfach nicht oder kaum instand gehalten werden. Die Löcher werden mit Kaltasphalt zugemacht und nach ein paar Monaten ist da wieder ein Loch. Das Fahren (Auto oder Fahrrad) ist ein Slalom, um die Schlaglöcher zu umgehen. Schön ist es, wenn man nach Holland fährt. Perfekte Straßen! Wie machen die Holländer das? Ja, selbst in Kroatien sind die Straßen besser! Ärgerlich ist die Aussage, dass die Mittel für den Straßenbau einfach nicht abberufen werden. Das deutet einfach auf unfähige Leute hin. (...) Für so ein wohlhabendes und reiches Land ist das echt beschämend. Na ja, wir sind nicht mal in der Lage einen Flughafen zu bauen … Was soll man da erwarten?

„Selbst zu Fuß ein Balanceakt“

Viktoria Koppelmann nennt ein Beispiel aus ihrem Ortsteil: „In Lindenhorst wohnen wir seit 1984. In dieser Zeit habe ich noch nie erlebt, dass die Friesenstraße oder die Belle-Alliance-Straße, die es wirklich sehr nötig haben, komplett saniert wurden. Wie üblich nur Flickenteppiche. Vor allem die Belle-Alliance-Straße in Höhe des Spielplatzes ist schlimm. Selbst ein Befahren mit Fahrrad oder zu Fuß ist ein Balanceakt. (…) Die Stadt ist nur gut darin, dann Schilder mit der Aufschrift „30 … Straßenschäden“ aufzustellen. Was nicht nötig ist, wenn man sein Auto mag!“

„Ein einziger Flickenteppich“

Thomas Saake schaut auf die Innenstadt: „Nach den beiden Artikeln über die Lärmbelästigung im Kreuzviertel und Kuithanstraße habe ich einmal bewusst die Strecke Kreuzstraße über die Kuithanstraße abgefahren. Diese beiden Straßen, über die die tonnenschweren Schwerlaster fahren müssen, sind ein einziger Flickenteppich. Schlecht repariert. Große und kleine Löcher ohne Ende. Bodenerhebungen. Bodensenkungen. Eine in der Mitte gerissene Oberfläche. (…) Ich könnte noch dutzende Stellen in Dortmund aufzeigen, deren Straßenbelag die Bezeichnung katastrophal verdient. (z.B. Beurhausstraße/Ecke Friedrichstraße.) Aber dazu reicht der Platz in der Zeitung nicht.

„Symbole der Verwahrlosung sind auch Signale der sozialen Gewalt“

Dieter Duwensee betrachtet das Problem grundsätzlich und weitet den Blick auf die Gesellschaft aus. Er schreibt: „Die Straßen und Schulen sind Zustandsmerkmale einer Gesellschaft. Besonders in NRW sieht es aus wie 1989 in Halle Saale. Eine Umkehrung der Verhältnisse. Wir Ruhris haben scheinbar ein dickes indolentes Fell. Aber die Symbole der Verwahrlosung sind auch Signale der sozialen Gewalt, dieser Umstand ist kausal. Hier tanzen die Ratten des Unrechts, der Armut und der Kriminalität. Die Reichen haben immer auch die besseren Straßen, auch hier bei uns. Die Konsequenzen melden sich undifferenziert mit Wut und Hass. Und hinterher will es niemand gewusst haben. Immer die gleiche böse Leier.

„Schläge schlagen auf die Wirbelsäule durch“

Aus einer ganz anderen Perspektive, der des Rollstuhlfahrers, hat sich Günther Beyer gemeldet. „Ich bin Rollstuhlfahrer seit drei Jahren und benutze Krankenfahrdienste und den Behindertenfahrdienst der Stadt Dortmund um von A nach B zu kommen. (…) Während der Fahrten durch Teile des Stadtgebietes gibt es mittlerweile kaum eine Straße, die nicht von extremen Vertiefungen (Löchern) und Absätzen (geflickte Stellen) übersät ist. Die Schläge können nur schlecht durch die Federungen und Stoßdämpfer der jeweiligen Fahrzeuge absorbiert werden und schlagen dann voll auf die Wirbelsäule durch. Hier fallen mir besonders die Saarlandstraße und die Kreuzung Ophoff ein. Die für die Straßen in Dortmund verantwortlichen Politiker sollten einmal in einem Rollstuhl sitzend mit dem Behindertenfahrdienst für 30 Minuten durch Straßen in Dortmund gefahren werden.“

„Gestalten statt verwalten“

Konsequenzen fordert Hartmut H. Biesel: „Es ist absurd und im Sinne der Stadt und seiner Bürger grob fahrlässig, mögliche Fördermittel für den Straßenbau nicht abzurufen. Es ist an der Zeit, die Verantwortlichkeit für diesen Zustand zu personifizieren. In der Wirtschaft wird ein Führungsverantwortlicher, der seinen Aufgaben nicht gerecht wird, von seiner Position entbunden. Ich lese immer wieder von der Leiterin des Tiefbauamtes, Sylvia Uehlendahl, was alles schwierig und nicht zu leisten ist. Die Herausforderung in dieser Position ist es aber, Lösungen zu finden und keine Ausreden. Und dann bitte den Bereich umbenennen, von Verwaltung in Gestaltung.“

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