Die Suche nach den Tätern der Diebstähle im Mai ist schwierig – und der Anblick traurig

rnOstfriedhof

Sieben große Figuren und Tafeln aus Metall sind im Mai vom Ostfriedhof gestohlen worden. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist die Suche nach den Tätern eine schwierige Angelegenheit.

Kaiserstraßenviertel

, 24.08.2018, 18:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Polizei schrieb von „skrupellosen Tätern“, die unterwegs gewesen waren und auf einen Beutezug der „besonders verwerflichen Art“ gegangen sind. Am 16. Mai hatte die Polizei eine Mitteilung herausgegeben, in der sie von großen Diebstählen auf dem Ostfriedhof schrieb.

Es gab keine weiteren Taten in der letzten Zeit

Mehrere Statuen und andere Gegenstände aus Bronze sind in der Nacht vom 7. auf den 8. und dann noch einmal zwischen dem 11. und 14. Mai gestohlen worden. Die Polizei siedelte die Höhe des Sachschadens im fünfstelligen Bereich an. Wenige Tage später, zwischen dem 18. und 22. Mai, waren zwei weitere Grabstätten betroffen.

Sieben große Gegenstände aus Metall sind im Mai gestohlen worden. Das vermutlich einzig Gute daran: „In letzter Zeit sind der Friedhofsverwaltung keine weiteren Diebstähle gemeldet worden“, erklärt Ulrich Heynen, stellvertretender Leiter der Dortmunder Friedhöfe, auf Anfrage.

Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft

Auch der Polizei liegen keine weiteren Diebstahl-Anzeigen vor, wie Sprecherin Nina Vogt im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt. Für die Vorfälle aus dem Mai gestalten sich die Ermittlungen schwierig, die Täter sind noch nicht gefunden. Der Fall liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. „Oft werden die Taten nicht sofort bemerkt, sodass es zu einem Verzug von Stunden oder Tagen kommt“, sagt Nina Vogt.

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Diebstähle Ostfriedhof

Auf dem Ostfriedhof in der Innenstadt-Ost ist es im Mai zu Diebstählen gekommen. Sieben Statuen und Platten aus Metall fehlen seitdem auf der historischen Anlage.
24.08.2018
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Auf dem Grab von Ida Blomberg und der Familie Kampmann saß diese Frau aus Bronze.© Stadt Dortmund
Seit dem Diebstahl sieht es hier so aus.© Michael Nickel
Auch das Grab der Familie Klöpper war Ziel der Diebe.© Stadt Dortmund
Zum Vergleich: So sieht es hier mittlerweile aus.© Michael Nickel
Die Metalplatte auf dem Grab der Familie Meyer fehlt seit Mai.© Stadt Dortmund
Am Grab der Familie Pape sitzt diese Frau seit Mai nicht mehr.© Stadt Dortmund
Die hellen Stellen auf dem Grab lassen noch erahnen, dass es hier früher anders aussah.© Michael Nickel
Reste haben die Diebe noch auf dem Grab gelassen...© Michael Nickel
Auch diese Frau sitzt nicht mehr dort, wo sie eigentlich saß: auf dem Grab der Familie Röttger.© Stadt Dortmund
Die Täter gingen wenig zimperlich vor.© Michael Nickel
Das Metallschild, das auf die Ruhestätte der Familie Rübenkamp hinweist...© Stadt Dortmund
... ist nicht mehr da.© Michael Nickel
Diese Figur am Grab der Familie Tilmann haben die Täter auch mitgehen lassen.© Stadt Dortmund

Zwar könne die Polizei ausschließen, dass es sich um Einzeltäter oder Gelegenheitsdiebe handelt. Ebenso könne sie davon ausgehen, dass die Täter die schweren Statuen und Platten mit einem Transportfahrzeug weggebracht haben. Zudem handele es sich wohl um reisende Täter, die ihre Beute bei einem Händler ihres Vertrauens loswerden – und das nicht unbedingt in Dortmund.

„Das ist eine Katastrophe“

Katja Freese wohnt seit knapp zwei Jahrzehnten am Ostfriedhof, sie geht hier regelmäßig spazieren. Die Diebstähle haben sie aufgebracht: „Das ist sehr dreist“, sagt die Autorin, während sie die Wege auf dem Friedhofsgelände entlang läuft und auf die Gräber schaut, auf denen bis vor wenigen Wochen noch lebensgroße Figuren, Engel oder Tafeln standen.

Heike Wulf ist unter anderem freiberufliche Lese- und Literaturpädagogin. Sie bietet regelmäßig Führungen durchs Kaiserstraßenviertel an und macht dabei auch Station auf dem Friedhof. „Die Diebstähle sind eine ziemliche Katastrophe“, sagt sie. „Hier findet sich die Geschichte unserer Stadt wieder. Mit solchen Diebstählen wird die Kulturgeschichte Dortmunds zerstört.“ Denn auf den Grabsteinen stehen Namen wie Hoesch, Klönne, Schüchtermann, Davidis oder Brinkhoff. Männer, Frauen und Familien, die die Geschichte der Stadt geprägt haben.

Eine hohe Dunkelziffer bei kleineren Diebstählen

Spaziert man über die parkähnliche Anlage, sieht man auf einigen Gräbern Tonfiguren, wo früher noch welche aus Metall standen. An einer anderen Stelle fehlen zwei Schalen. Das können Fälle von Diebstahl sein, es können aber auch Verluste sein, die bei Aufräum- oder Grünarbeiten entstanden sind. Jeden einzelnen Fall nachzuvollziehen, ist so gut wie unmöglich.

Die Suche nach den Tätern der Diebstähle im Mai ist schwierig – und der Anblick traurig

Katja Freese ist Anwohnerin. Sie steht vor einem Grab, auf dem bis vor drei Monaten noch eine lebensgroße Metallfigur stand. © Michael Nickel

Bei kleineren Diebstählen sei allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen, wie Nina Vogt von der Polizei und Ulrich Heynen von den Friedhöfen übereinstimmend berichten. „Dieses Jahr liegen uns keine solcher Meldungen vor“, sagt Heynen. Erste Anlaufstelle für Betroffene sei das jeweilige Büro auf einem der städtischen Friedhöfe, von hier aus verweisen die Mitarbeiter dann an die Polizei weiter. „Wir können es Dieben nur so schwer wie möglich machen“, sagt er. So versuchen die Friedhöfe, „zusammen mit der Polizei und dem Service- und Präsenzdienst, vermehrt Kontrollgänge und Kontrollfahrten auf dem Ostfriedhof durchzuführen“.

Verhindern kann man diese Diebstähle nie

Vollständig verhindern lassen sich Diebstähle nie, da alle städtischen Friedhöfe öffentlich und damit dauerhaft zugänglich für Fußgänger sind. „Für den Ostfriedhof gilt“, so Heynen, „dass ab dem Dienstende der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Anlage nur noch durch Gewerbebetriebe befahren werden kann. Die zugelassenen Betriebe verfügen über einen Schlüssel für die Fahrtore.“ So werden die großen Eingangstore zwar verschlossen, aber ein unüberwindbares Hindernis sind sie nicht.

Heike Wulf jedenfalls hofft, dass Anwohner und Spaziergänger sensibilisiert werden und Augen und Ohren offen halten. Damit sich solche Polizeimeldungen wie aus dem Mai nicht wiederholen.

1876 wird der Ostfriedhof als zweiter kommunaler Friedhof gegründet. 1811 war bereits der Westenfriedhof entstanden – der heutige Westpark. Die vielen historischen Grabstätten und Kunstwerke liegen auf einer 16 Hektar großen Fläche, die sich zwischen Robert-Koch-Straße und den Bahngleisen im Süden erstreckt. Seit 1998 finden auf dem Ostfriedhof wieder Beisetzungen statt.
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