Die Toten von der Schwarze-Brüder-Straße: Spektakulärer Fund in der City

Ausgrabungen

Bei Bauarbeiten in der Dortmunder Innenstadt haben Archäologen besondere menschliche Überreste gefunden. Doch die Skelette in der Schwarze-Brüder-Straße geben auch viele Rätsel auf.

Dortmund

, 02.08.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die unscheinbare Schwarze-Brüder-Straße in der Dortmunder City - hier vor den Bauarbeiten zu sehen - barg viele Jahrhunderte lang ein dunkles Geheimnis.

Die unscheinbare Schwarze-Brüder-Straße in der Dortmunder City - hier vor den Bauarbeiten zu sehen - barg viele Jahrhunderte lang ein dunkles Geheimnis. © Robin Albers (Archiv)

Hier spielen Kinder auf dem kleinen Wasserspielplatz, trinken Dortmunder einen Kaffee bei der Kette „Coffee Fellows“ oder entspannen Passanten auf den Parkbänken am Platz von Hiroshima - lange Zeit nicht wissend, dass sie dabei auf einem alten Grab sitzen.

Bei den Bauarbeiten von DEW21, die unter der Schwarze-Brüder-Straße in der City aktuell neue Leitungen verlegt, wurden menschliche Knochen gefunden. Archäologen vermuten, dass sie einem alten Grab entstammen, das zur Propsteikirche gehörte.

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Das selbst sei aber erstmal nicht ungewöhnlich, heißt es aus der städtischen Denkmalbehörde. „Denn mit der Christianisierung seit Karl dem Großen erfolgten die Bestattungen meist auf den, an die Kirchen angrenzenden, Kirchhöfen beziehungsweise hinter den Klostermauern“, schreibt die Stadt in einer Mitteilung.

Bald stellte sich jedoch heraus, dass unter der Erde nicht - wie zunächst angenommen - nur ein paar Zähne und Schädelteile lagerten. Stattdessen legte das Team von LQ Archäologie die Skelette von 19 Menschen frei, die hier einst bestattet wurden.

Einige der Knochen, die Archäologen bei Bauarbeiten in der Schwarze-Brüder-Straße gefunden haben.

Einige der Knochen, die Archäologen bei Bauarbeiten in der Schwarze-Brüder-Straße gefunden haben. © LQ Archäologie

Menschen wurden gemeinsam bestattet

An den gut erhaltenen Skeletten ist zu erkennen, dass die Menschen nicht in Einzelgräbern bestattet wurden. Das war auch nicht so wichtig damals, schreibt die Stadt: „Wichtig für die Verstorbenen war allein der Verbleib im Kirch- oder Klosterhof, denn dieser war in die gottesdienstlichen Feiern mit einbezogen und die Reliquien entfalteten hier ihre Wirkung.“

Doch wer sind die Verstorbenen? Es könnten Mönche des Bettelordens gewesen sein oder die Gründerväter des Dominikanerklosters, das an dieser Stelle lag. Aber auch Nicht-Angehörige des Klosters könnten hier beerdigt worden sein. Das war spätestens seit Beginn des 14. Jahrhunderts erlaubt - und ein gutes Geschäft für Klöster.

Wer waren die Toten?

Die Ausgrabungen sind inzwischen abgeschlossen, die Fernwärmeleitungen von DEW21 wurden in der Schwarze-Brüder-Straße verlegt. Doch die Fragen nach Alter, Herkunft, Geschlecht oder Todesursache der Bestatteten sind weiterhin ungeklärt.

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Analysen und naturwissenschaftliche Untersuchungen sollen diese Fragen nun klären. Dafür werden unter anderem die Zähne der Verstorbenen untersucht, die Auskunft über die Ernährung und die Herkunft der Menschen geben können.

Die Stadt Dortmund hat die Ausgrabungen in der Schwarze-Brüder-Straße zum Denkmal des Monats August erklärt.

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