Die Übermacht der Bekleidungsstände: So steht es um den Wochenmarkt in Mengede

rnWochenmarkt Mengede

Die Anzahl an Bekleidungsständen auf dem Markt in Mengede steigt. Die Lebensmittelstände werden weniger - und mit ihnen schrumpft die Kundenanzahl. Das soll sich ändern, sagt die Stadt.

Mengede

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Fast verloren wirken die Obst- und Gemüse-, Fisch- und Metzgereistände am Mittwochmorgen auf dem Wochenmarkt in Mengede. Zusammen mit einem Bäckerei- und einem Blumenstand umrahmen sie die großen Stände mit Bekleidung, Wäsche, Schmuck und Gürteln, die dicht aneinander gedrängt stehen. Zwischen den Lebensmittelständen klaffen Lücken.

„Mensch ist das leer dieses Jahr“, ruft eine Bekleidungshändlerin einer anderen zu. Die gebrummelte Antwort ist nicht zu verstehen. Ob sie mit „leer“ den Markt selbst oder die wenigen Kunden meint, die an den Ständen entlang schlendern? „Es ist beides“, meint Detlef Hofstetten, der für die Bäckerei Heidrich aus Essen verkauft.

Detlev Hofstetten: „Früher brauchten wir fünf Verkäufer, jetzt bin ich alleine“

Seit 20 Jahren steht er zwei Mal pro Woche in Mengede hinter der Brotauslage. „Es gibt hier einfach immer weniger Publikum und deshalb auch weniger Händler“, sagt Detlef Hofstetten. Samstags laufe der Verkauf noch „ganz gut“, mittwochs sehe es schlecht aus - auch wenn Stammkunden weiterhin kommen. „Man muss sich einfach mal vor Augen führen: Früher hatten wir so einen Ansturm, dass wir fünf Verkäufer brauchten, jetzt bin ich alleine.“

Die Übermacht der Bekleidungsstände: So steht es um den Wochenmarkt in Mengede

Während die Bekleidungsstände mitten auf dem Markt stehen, finden sich die Blumen- und Lebensmittelstände außen. © Carolin West

Problematisch sei, dass man vieles, was früher markttypisch war - vor allem frische Lebensmittel und Backwaren - heutzutage auch in einigen Supermärkten bekomme. Stattdessen breiten sich auf dem Markt nun Bekleidungsstände aus, während die Lebensmittelstände weniger werden. „Der Markt ist insgesamt kleiner geworden“, sagt Detlef Hofstetten.

Auf dem Markt gibt es genauso viel Kleidung wie Lebensmittel

Zahlenmäßig sind Bekleidungs- und Lebensmittelstände derzeit auf Augenhöhe: Es gibt jeweils acht. „Ich habe gerade erst wieder gehört, dass es hier auf dem Markt nur noch Klamotten gibt“, sagt Birgit Schachtsieck. Als Inhaberin der Boutique La Via an der Siegburgstraße hat sie den gegenüberliegenden Wochenmarkt seit elf Jahren genau im Blick.

Eine Konkurrenz für die Bekleidungssgeschäfte seien die Stände zwar nicht, aber mit der Veränderung des Marktangebotes habe sich dennoch auch für sie etwas geändert. „Früher sind viele für den Markt hierher gekommen“, erzählt Birgit Schachtsieck. „Und das haben auch wir im Einzelhandel gemerkt: Hier war die Hölle los.“

Viele Händler kommen nicht mehr

Die ausbleibende Kundschaft wirke sich auch auf das Angebot aus, so Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch. „Die Händler müssen ja auch ihr Geld verdienen“, sagt er. Vor allem die Lebensmittelstände haben es schwer, seit es alles im Supermarkt gebe, bestätigen Birgit Schachtsieck und Wilhelm Tölch den Eindruck von Detlef Hofstetten. „Von einigen Händlern weiß ich aber auch, dass sie aus Gesundheits- oder Altersgründen nicht mehr kommen“, erklärt Birgit Schachtsieck. „Unter anderem ein Gemüsehändler, bei dem früher alle Schlange standen.“

Und dass die Kundenanzahl nicht unbedingt steigt, wenn das Angebot weiter an Attraktivität verliere, sei logisch. Im Gegensatz zum Markt in der Innenstadt sei der Mengeder Markt fast wie ein „Trödel“, so Birgit Schachtsieck. „Und dabei bin ich eigentlich Marktkäuferin. Das ist wirklich schade.“

Hat die Stadt eine Lösung für den Markt?

Eine Lösung oder ein Konzept, wie der Markt wieder attraktiver könnte, gibt es derzeit nicht. Allerdings ist Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch im Gespräch mit der Stadt. „Es soll erarbeitet werden, was wir ändern können“, sagt er. „Schließlich ist das Ordnungsamt der Stadt für die Vergabe der Stände zuständig. Im Moment können wir aber nur abwarten.“

„Aufgrund unbesetzter Planstellen und zahlreicher personeller Ausfälle kann derzeit die qualitative und quantitative Betreuung der Wochenmärkte nur sehr eingeschränkt erfolgen“, erklärt Stadtpressesprecher Maximilian Löchter auf Anfrage. Deshalb komme es derzeit zu Qualitäts- und Attraktivitätsverlusten beispielsweise bei der Zusammensetzung eines Wochenmarktes. „Wir bitten dies zu entschuldigen“, sagt Maximilian Löchter weiter. „Alle Beteiligten sind bestrebt, diese Situation wieder kundenfreundlicher zu gestalten.“

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