Die wahnsinnige Party-Nacht von Dortmund

Meisterfeier ohne Ende

Vor dem Stadion eine Schlägerei unter gewalttätigen "Ultras", acht Festnahmen, ein riesiges Verkehrschaos in der Stadt - doch die Polizei ist mit den feierenden BVB-Fans zufrieden. Die Meisterspieler selbst feierten erst in einer Pizzeria, dann in den Clubs. Wir ziehen Bilanz der wahnsinnigen Party-Nacht von Dortmund.

DORTMUND

22.04.2012, 12:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der irre Meistertag begann für die Dortmunder Polizei schon vor dem Bundesligaspiel problematisch, als es vor dem Signal Iduna Park zwischen Dortmunder und Gladbacher Ultras zur Sache ging. "Wir hatten die Lage jedoch schnell im Griff", sagte Polizei-Einsatzleiter Peter Andres gegenüber unserer Redaktion. Es war die einzige größere Schlägerei, schwere Zwischenfälle sollte es bis zum Morgen nicht mehr geben. Während des Spiels im Stadion gab es Fußball pur - und anschließend Ekstase ohne Ende. Das, was nach dem Spiel passierte, nennt die Polizei "Dynamik" - und kann damit den grenzenlosen Jubel in der Meisterstadt nur unzureichend beschreiben. Vor der "Lenzstube" auf der Hohen Straße blockierten rund 100 Fans die Fahrbahn. Sie hatten einen Grill angezündet und wollten sich eine Meister-Wurst gönnen. Worte statt Waffen halfen weiter, um den Stau aufzulösen: "Die mussten wir wegsprechen", sagte Andres über die Taktik. Höllisch aufpassen mussten Autofahrer auf dem Borsigplatz: Bereits wenige Minuten nach dem Start eines bunten Autokorsos waren auch Kinder kreuz und quer im Kreisverkehr unterwegs. Mit euphorisierten Fans stoppten die Kleinen viele Autos. Sitzblockaden mitten auf der Fahrbahn wurden zum Ritual. Die Polizei ließ es geschehen. Nach rund 30 Minuten trat die Polizei dann auf die Bremse und leitete den Verkehr ab. Nicht um den Fans den Spaß zu verderben, sondern aus Sicherheitsgründen. Ein Unfall mit einem Kind hätte schwere Folgen haben können - für die Unfallbeteiligten selbst und für die Polizei, die daneben gestanden hätte. Fröhlich feierten die Fans vom Borsigplatz auch ohne Korso-Chaos weiter. Großen Fahnen hingen in den Fenstern. Günter Domscheit, der seit 1959 am Borsigplatz wohnende Hausmeister des Spar- und Bauvereins, stieg zweimal auf einen Glockenturm eines alten Mehrfamilienhauses und läutete ein bis zum Korso am 13. Mai dauerndes Festgefühl ein. Vom Alkoholkonsum bis zum Verkehrschaos erfüllte die vorgezogene Meisterfeier alle Erwartungen der Polizei. "Aber acht Festnahmen sind äußerst wenig. Das ist wie bei einem normalen Spiel", lautet die Bilanz des Polizeidirektors Peter Andres. Das Wetter spielte der Polizei in die Hände: Um 2.45 Uhr fegte starker Regen die Straßen leer.

Und das Meister-Team? Gegen 23 Uhr waren Klopps Kicker mit Frauen und Freundinnen nach und nach beim BVB-Stamm-Italiener „Piazza Navona“ in der Gartenstadt eingetroffen. 40 Fans hatten Wind vom Party-Ort bekommen und bejubelten jeden einzelnen ihrer Helden. BVB-Kapitän Sebastian Kehl war der Erste, Kevin Großkreutz der Letzte.

Für einige Spieler ging die Party anschließend in die Verlängerung - in den Clubs der Stadt. In der Jubelnacht war das bevorstehende DFB-Pokalfinale ganz weit weg, es zählte nur der Moment. Und der war für die Spieler genauso großartig wie die erste Meisterkrönung vor zwölf Monaten.

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