Die Westfalenhalle wurde für drei Stunden zur Traumfabrik

rnMusik von Hans Zimmer

„The World of Hans Zimmer“ brachte mit großem Orchester die großen Hits aus Hollywood am Freitagabend in die Westfalenhalle. Es war ein Abend für große Gefühle.

Dortmund

, 30.03.2019, 11:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man fühlt sich unwillkürlich erinnert an den Moment, als Hans Zimmer im Interview erzählte, wie er einst als Kind von seinem Musiklehrer mit einem Stuhl beworfen wurde, weil er den formatierten Unterricht mit eigenen Ideen aufmischte. Oder als er nach 14 Tagen seinen Klavierlehrer verabschiedete, weil er es vorzog, sich das Instrument – und nicht nur dieses – selbst beizubringen.

Jetzt also warten die Besucher in der ausverkauften Westfalenhalle auf den Moment, in dem das große Symphonieorchester auf der Bühne seine Werke spielt, mit denen er seit Jahrzehnten einige der erfolgreichsten Hollywood-Produktionen veredelt hat und es zu elf Oscar-Nominierungen gebracht hat. Einen durfte er mitnehmen.

Dreistündige Show

Dann beginnt die dreistündige Show. Dirigent Gavin Greenaway, mit dem der gebürtige Deutsche in monatelanger Arbeit seine Werke für das große Instrumenten-Besteck vorbereitet hatte, hebt den Taktstock und die Halle bebt. Drei Stunden lang wird sie das tun, denn Zimmers Musik ist meist opulent und wuchtig, immer wieder durchsetzt mit Chorälen, gemischt mit hämmernden Schlagzeug-Beats und monströsen Streichinstrument-Partien.

Greenaway und das weißrussische Bolschoi-Orchester lassen den „Gladiator“ wieder auferstehen, „King Arthur“ in die Schlacht ziehen, das Mysterium des „da Vinci-Codes“ lebendig werden oder Tom Cruise auf „Mission Impossible II“ gehen.

Drei Stunden lang verwöhnen sie das Dortmunder Oval mit einem fein abgestimmten und technisch brillant umgesetzten Klangteppich. 14 Stücke, von Zimmer persönlich ausgesucht, werden den Zuhörern serviert, zum Abschluss und als Zugabe überziehen Orchester und Solisten die Halle mit dem „Fluch der Karibik“. Man wünschte sich, Klavierlehrer und Musikpädagoge könnten zuschauen.

Erklärung von der Videowand

Können sie natürlich nicht, dafür aber blickt immer wieder der Meister selbst von den sieben riesigen Leinwänden auf sein Auditorium herab, erklärt in feinen, bescheidenen und wohlgesetzten Worten und mit Gästen wie dem ebenfalls Oscar-prämierten Star-Regisseur Ron Howard (Solo: A Star Wars Story) an seiner Seite vom Sofa des legendären Los-Angeles-Studios aus, welche Anekdoten sich um die Werke ranken, wieviel Gefühl der Meister in einzelne Passagen investierte und das nicht zuletzt manches auch der Zufall so gewollt hat.

So zum Beispiel, als Lebo M., den Zimmer in einer Waschstraße entdeckte und der das unverwechselbare Intro zum Film „König der Löwen“ anstimmt, damit um fünf Minuten vor sechs Uhr Zimmers Haus betrat, sang und siegte. Eine einzige Aufnahme reichte, um die um punkt sechs Uhr erscheinenden Disney-Produzenten davon zu überzeugen, dass es so und nicht anders geht. Der Lohn: Ein Oscar.

Gänsehaut-Momente

Die Ausschnitte aus dem Lion King gehören zu den Höhepunkten es Abends, die größten Gänsehaut-Momente aber bescherte Solistin Lisa Gerrard dem Auditorium, Als sie vor dem hinter ihr auf der Leinwand agierenden Gladiator Russel Crowe ihre Stimme zum Titelsong erhob, hielt es manchen schon zu Beginn der Darbietung nicht mehr auf dem Sitz.

Am Ende war nur noch totale Euphorie. „The World of Hans Zimmer“ ist Hollywood-Feeling vom Feinsten, inszeniert in einer geschichtsträchtigen Halle, die in diesem Moment 180 Minuten lang zur Traumfabrik wird.

Und Hans Zimmer hat erreicht, was er erst spät und vor wenigen Jahren zunächst selbst schüchtern und mit riesigem Lampenfieber auf der Bühne stehend (auch das waren geniale Auftritte) in Angriff nahm: Zu beweisen, dass ein Film ohne Musik nur selten funktioniert. Musik ohne Film aber ist abendfüllend, erhebend, empathisch und manchmal gar schwerelos. Und wird mit stehenden Ovationen belohnt.

Die nächste Show gibt es am 23.11. im Düsseldorfer ISS-Dome.

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