Diese Dortmunder sind die ersten Träger der Ehrennadel – und es gibt schon 100 Anträge

rnAnerkennungskultur

Sie ist silberfarben mit zwei Quadraten, eines matt und eines glänzend: Die neu eingeführte Ehrennadel ist nicht die einzige Anerkennung, die Dortmunder Ehrenamtler ab sofort erhalten.

Dortmund

, 08.09.2019, 13:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Günter Lepenies war es eine Überraschung zum Frühstück. Das nahm der 77-Jährige am Freitag, 6. September, im Vereinsheim seiner Kleingartenanlage Nord-Ost in Körne ein. Und mit ihm rund 30 Gäste der offiziellen Anlagenrundfahrt des Stadtverbands der Gartenvereine.

Günter Lepenies trank nichts ahnend seinen Kaffee, als der Stadtverbandsvorsitzende Heinrich Jordan die Überraschung ankündigte: Lepenies ist der erste Träger der neu eingeführten Ehrennadel, mit der Ehrenamtliche in Dortmund für ihr Engagement gewürdigt werden.

Mit Unterschrift vom Oberbürgermeister

„Damit habe ich nicht gerechnet“, sagte Lepenies nach der Verleihung. Aber er habe sie verdient, meinte der Stadtverband der Gartenvereine und fädelte die Ehrung ein. Überreicht hat der Vorsitzende der Freiwilligenagentur, Frank Ortmann, die Nadel in einem Kästchen und mit einem kleinen Zertifikat. „Das hat der Oberbürgermeister unterschrieben“, registrierte der Geehrte nicht ohne Stolz.

Seit 1984, mit Unterbrechung von 2002 bis 2009, war Lepenies im Vorstand, die meiste Zeit Vorsitzender. Er führt Regie über 201 Gärten. Die Namen der Kleingärtner kann er sich da nicht mehr alle merken. „Ich frage immer nach der Gartennummer. Wir sind mit neun Hektar flächenmäßig die größte Anlage in der Stadt und nach Mitgliederzahl die zweitgrößte.“

Viel habe sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert in der Kleingarten-Idylle, sagt er. Es seien viele junge Leute im Verein, viele Kinder und zahlreiche Nationalitäten seien vertreten. Da muss er auch schon mal vermitteln.

„Ich schmeiß alles hin“

Sein erster Gang morgens führt ihn in die Anlage, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist. „Gottseidank ist es zurzeit ruhig.“

Trotzdem sei immer irgendwas. So gibt es drei Gärten, „da läuft man vor die Wand“ – und der Pacht hinterher. Es habe auch schon Zeiten gegeben, in denen er gedacht habe: „Ich schmeiß alles hin.“ Die Ehrennadel, sagt er, sei Motivation, weiterzumachen: „Ich bin stolz darauf“. Außerdem mache es meist unheimlich Spaß.

„Die Ehre muss man sich erarbeiten“, sagt Freiwilligen-Agentur-Vorstand Ortmann. Und: „Das Ehrenamt braucht auch Anerkennung und Wertschätzung. Wichtig, dass man das ab und zu herausstellt.“

Deshalb hatte der Rat nach jahrelangem Hin und Her im März 2019 das „Konzept zur Förderung der Anerkennungskultur – Das Dortmunder Modell“ beschlossen. Neben der Nadel gehört dazu die Einführung der Ehrenamtskarte NRW und die Einrichtung eines Förderfonds für bürgerschaftliches Engagement.

Anfangs für die Idee der Nadel belächelt

Die Nadel können Organisationen für Menschen beantragen, die sich besonders zuverlässig, langjährig oder kreativ engagieren. Sie war Ortmanns Idee. Anfangs wurde er dafür belächelt. Das sei doch nicht zeitgemäß. Falsch. Schon vor der ersten Verleihung wurden 100 Nadeln bei der Freiwilligen-Agentur beantragt.

Diese Dortmunder sind die ersten Träger der Ehrennadel – und es gibt schon 100 Anträge

So sieht die Ehrennadel der Stadt aus, mit der Ehrenamtliche für besondere Verdienste ausgezeichnet werden können. © Gaby Kolle

Lepenies hat sich in jüngster Vergangenheit für die Sanierung des Spielplatzes, des Biotops und der Wege in der Gartenanlage engagiert und über den Gartenverein hinaus ehrenamtlich beim Stadtteilfest „Körne blüht auf“ mitgewirkt.

Seit dem Tod seiner Frau vor neun Jahren ist Günter Lepenies alleinstehend. Da würde mancher denken, „der kann sich kümmern“. „Wenn ich eine Partnerin hätte, die würde mir was anders sagen“, schmunzelt er.

Seit 40 Jahren Vereinsvorsitzender

Ebenfalls mit der Ehrennadel ausgezeichnet wurde Hans-Jürgen Droll für 40 Jahre im Amt des Vorsitzenden beim Gartenverein Winkelriedweg. Gleichzeitig ist der 70-Jährige seit acht Jahren Vizevorsitzender des Stadtverbands. Auch er wurde mit der Auszeichnung überrascht und freute sich.

Günter Lepenies weiß schon, wann er die hübsche Nadel aus dem Kästchen nehmen wird, um sie zu tragen. „Ich steck sie mir bei der nächsten Hauptversammlung ans Revers.“

Info

Nachdem das Dortmunder Modell zur Förderung der Anerkennungskultur im März vom Rat der Stadt Dortmund verabschiedet wurde, konnten neben den 100 Ehrennadeln bisher 131 Ehrenamtskarten vergeben werden. Bislang sind in Dortmund 35 Firmen und Einrichtungen eingeworben worden, die Inhabern der Ehrenamtskarten Vergünstigungen einräumen. Auch der Förderfonds zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements wurde von den Organisationen und Vereinen gut angenommen. In der ersten Förderphase wurden 12.050,00 Euro bewilligt. Viele Organisationen nutzen die Förderung, um Helferfeste für die Ehrenamtlichen in ihren Organisationen durchzuführen und zu finanzieren. Noch bis zum 15. September 2019 können gemeinnützige Träger wieder für drei unterschiedliche Förderbereiche Mittel beantragen.
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