Diese Straße ist plötzlich ein Busfahrer-Schreck: Anwohner wehren sich gegen das Chaos

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Seit Anwohner ihre Autos auf der Fahrbahn parken, ist in dieser Straße nichts mehr wie es war. Linienbusse bleiben stecken, es gibt Staus. Kaum zu glauben, wodurch das Chaos ausgelöst wurde.

Lütgendortmund

, 02.08.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Busse, Müllabfuhr, Krankenwagen: Seit Montag (29.7.) kommen größere Fahrzeuge kaum durch. Aber auch Pkw müssen Slalom fahren. Denn plötzlich müssen alle Autos auf der Fahrbahn parken. „Ich wohne seit mehr als 60 Jahren hier“, sagt Hans-Peter Gallisch. „Bis Montag standen die Autos auf der einen Seite vollständig auf dem Gehweg, auf der anderen mit zwei Reifen.“

Probleme habe es hier, an der Dellwiger Straße, nie gegeben, berichtet Ehefrau Christel. Schließlich sei der Gehweg 3,80 beziehungsweise zwei Meter breit. „Mit Rollatoren, Kinderwagen und sogar mit einer kleinen Kehrmaschine kam man hier noch durch“, erzählt sie. „Und das, obwohl die Autos auf dem Gehweg standen.“

Diese Beschwerde können die Anwohner nicht nachvollziehen

Eine Anwohnerbeschwerde über Geschwindigkeitsüberschreitungen sind der Grund für die neue Parkregelung. Wobei die gar nicht neu, sondern regelkonform ist. Statt Raser wurden vor Ort von der Polizei jede Menge Falschparker entdeckt. Es muss nun auf der Fahrbahn geparkt werden. „Das Parken auf dem Gehweg ist nur auf einem kurzen Teilstück durch Beschilderung angeordnet“, erklärt Stadt-Pressesprecher Christian Schön. Ansonsten sei es verboten.

Hinweiszettel, die zu Wochenbeginn verteilt wurden, sollten die Anwohner darüber informieren. Wer sich nicht daran hält, muss bei künftigen Kontrollen durch das Ordnungsamt mit einem Bußgeld rechnen. „Ich kann das einfach nicht verstehen, da hat sich doch niemand wirklich die Situation vor Ort angeschaut“, sagt Nicole Scherf, eine Nachbarin der Gallischs.

Am Volksgarten endete die Busfahrt

Und am Freitagvormittag (2.8.) ist die Lage eskaliert: Ein Bus der Linie 463 blieb stecken, an der Haltestelle Am Volksgarten endete seine Fahrt - und das, obwohl die Autos lediglich auf einer Seite vollständig auf der Fahrbahn geparkt waren. „Hier steht das Auto ja sogar unrechtmäßig halb auf dem Bürgersteig und trotzdem kommt der Bus nicht durch“, sagt Christel Gallisch, die auf der anderen Straßenseite steht.

Diese Straße ist plötzlich ein Busfahrer-Schreck: Anwohner wehren sich gegen das Chaos

Seit Montag müssen Busse, andere große Fahrzeuge und Pkw Slalom um die parkenden Autos fahren. © Carolin West

Autos, die von beiden Seiten auf den Bus zufahren, müssen drehen, ein Krankentransport zum DRK-Seniorenzentrum einen Umweg fahren. Eine Geduldsprobe für Fahrgäste und Verkehrsteilnehmer. Der Busfahrer informierte indes seine Leitstelle. „Es kommt jemand von der DSW21“, erklärt er. Die DSW21 hat sich inzwischen mit der Stadt Dortmund in Verbindung gesetzt. „Wir haben einen kurzfristigen Ortstermin angeregt, um eine Lösung für den Busverkehr zu finden“, sagt DSW21-Pressesprecherin Britta Heydenbluth. „Wir sind sicher, dass dies gemeinsam gelingen wird.“

Krankenwagen kommen nicht zum Seniorenheim durch

„Schlimm genug, dass der Bus nicht weiterkommt“, sagt Christel Gallisch und nennt das nächste Problem: „Aber hier fährt ja auch mindestens drei bis vier Mal pro Woche ein Rettungswagen zum Seniorenheim her - wie soll der jetzt durchkommen?“ Krankentransporte können einen Umweg durch die schmalen Nebenstraßen nehmen, ein Rettungswagen passt da nicht durch. Vor allem dann nicht, wenn auch noch ein Bus im Weg steht. Und der macht täglich fünf Minuten Pause am Volksgarten.

Diese Straße ist plötzlich ein Busfahrer-Schreck: Anwohner wehren sich gegen das Chaos

Der Autospiegel des Ehepaars Gallisch wurde bereits beschädigt. © Carolin West

Christel Gallisch und ihre Nachbarn wollen das nicht hinnehmen. Auch, weil Gallischs Seitenspiegel bereits beschädigt wurde und weitere Schäden an Autos aufgrund der Fahrbahnverengung vermieden werden sollen. Mit einer Unterschriftenliste soll die Stadt zum Umdenken bewegt werden. „Bis auf drei oder vier haben alle Nachbarn unterschrieben, manche unterschreiben nachher noch“, erzählt Christel Gallisch.

Ist eine Kompromisslösung möglich?

Alle Nachbarn, bis auf einen, scheinen einer Meinung zu sein. Rechtens ist die allerdings zurzeit nicht. „Die vom Gesetzgeber vorgegebene Regelung wurde augenscheinlich über die Jahre hinweg einfach nicht eingehalten und der Gehweg regelwidrig beparkt“, sagt Christian Schön. „Ein Gewohnheitsrecht gibt es nicht.“

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Christel Gallisch hat Unterschriften gesammelt - gegen die neue Parkregelung. Fast alle Nachbarn haben unterschrieben. Jetzt soll der Brief an die Stadt gehen. © Carolin West

Doch es gibt Hoffnung auf einen Kompromiss: „Das Tiefbauamt wurde informiert, damit eine mögliche Legalisierung des dortigen Gehwegparkens geprüft werden kann.“ Doch auch eine kurzfristige Lösung müsse her - nicht nur für den Bus, auch für die Anwohner, so Christel Gallisch.

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