Diese vier Straßen erinnern an eine schaurige Legende

rnStraßen im Dortmunder Süden

Im Jahr 693 ereignete sich in Aplerbeck eine blutige Tat. Wir reisen zurück in die Vergangenheit und erklären, was die vier Straßen in Aplerbeck damit zu tun haben.

von Marc Dominic Wernicke

Aplerbeck

, 07.08.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Östlich der Marsbruchstraße unweit des Aplerbecker Zentrums liegt ein Wohngebiet. Vier der Straßen in diesem Bereich erinnern an eine schaurige Legende, die auf das Jahr 693 zurückgeht.

Vier Straßen, eine Legende

Sie beginnt mit zwei angelsächsischen Mönche, die zu jener Zeit am Ende des 7. Jahrhunderts in der Gegend zwischen Ruhr und Lippe unterwegs waren. Beide hießen Ewald und aufgrund ihrer Haarfarben unterschied man sie als den „weißen“ und den „schwarzen“ Ewald. Während ihres Aufenthalts in Aplerbeck im damals heidnischen Altsachsen kam es zu einem Streit: Einige Männer fürchteten die Missionierung und griffen die beiden Mönche an. Der weiße Ewald wurde auf der Stelle erschlagen.

Diese vier Straßen erinnern an eine schaurige Legende

Die Schwarze-Ewald-Straße liegt ein kurzes Stück südlich von der "weißen". Sie ist nach dem anderen Mönch benannt, der vor den wütenden Männern flüchtete. © Marc D. Wernicke

Sein Namensvetter, der schwarze Ewald, ergriff die Flucht und begegnete einigen Frauen, die gerade dabei waren, Flachs zu brechen. Die Frauen versuchten, Ewald zu beschützen, doch die Männer hatten kein Erbarmen. Bevor sie auch ihn erschlugen, sprach der schwarze Ewald einen Fluch über sie aus und segnete die Frauen. Seit 1929 erinnern in Aplerbeck zwei Straßen an die ermordeten Mönche: Die längere Weiße-Ewald-Straße zwischen Neuland- und Schürbankstraße und die kürzere Schwarze-Ewald-Straße zwischen Schürbank- und Märtmannstraße.

Diese vier Straßen erinnern an eine schaurige Legende

Tilmon hieß der Mann, der die toten Mönche aus dem Rhein barg und sie nach Köln brachte. "Sein" Weg zweigt von der Straße "Im Hundeswinkel" in ein Wohngebiet ab. © Marc D. Wernicke

Nach ihrer Ermordung wurden die Mönche der Legende nach in die Emscher geworfen. Dort trieben sie bis zum Rhein hinab und von dort – gegen den Strom – bis nach Köln. Einer ihrer Begleiter, ein welterfahrener Mann namens Tilmon, der vom Kriegsdienst ins Kloster übergetreten war, hatte eine Vision: Demnach führte ihn ein Lichtstrahl aus dem Himmel an die Stelle, wo die Toten angeschwemmt worden waren. Tilmon brachte sie nach Köln und sorgte dafür, dass sie dort mit allen Ehren als Märtyrer bestattet wurden. Heute gibt es in Aplerbeck, abgehend von der Straße „Im Hundeswinkel“, den nach ihm benannten Tilmonweg.

Diese vier Straßen erinnern an eine schaurige Legende

Anno war im 11. Jahrhundert Erzbischof von Köln und Regent des deutschen Kaisers Heinrich IV. An ihn erinnert ein kurzer Weg, der östlich von der Marsbruchstraße abzweigt. © Marc D. Wernicke

In Köln wirkte einige Jahrhunderte später der vierte Mann, der mit der Legende in Verbindung steht: Der katholische Heilige Anno, geboren um das Jahr 1010 auf der Schwäbischen Alm, war ab 1056 Erzbischof von Köln. Als Kaiser Heinrich III im selben Jahr verstarb, wurde sein erst 6-jähriger Sohn als Heinrich IV deutscher Kaiser. Anno brachte den Jungen 1062 in seine Gewalt und machte sich so selbst zu dessen Regenten. 1074 ließ Anno die Gebeine der beiden Ewalde in die Kölner Kirche St. Kunibert überführen, wo sie bis heute in einem Schrein aufgebahrt sind. Der nach ihm benannte Annoweg in Aplerbeck ist eine kurze Wohnstraße östlich der Marsbruchstraße.

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