Dieser Brief eines Soldaten aus Deusen ist noch heute zutiefst bewegend

rnFeldpost eines Deuseners

Heinz Lorang starb als Soldat an der Ostfront. Sein letzter Brief erreichte nie seine Familie. Bis ein Heimatforscher einen verstaubten Karton im Dortmunder Stadtarchiv öffnete.

Deusen

, 20.07.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für einen Dortmunder Heimatforscher dürfte es zu den Höhepunkten des Hobbys gehören, im Stadtarchiv auf ein Dokument zu stoßen, die für die Nachfahren eines im 2. Weltkrieg gefallenen Soldaten durch tragische Umstände bisher verborgen waren. Andreas Müller, Vorsitzender der Dortmunder Geschichtswerkstatt, fand im Jahr 1997 bei seiner Recherche zur Deusener Geschichte in dem Nachlassbestand der damaligen Leiterin des Stadtarchivs, Luise Winterfeld, einen Feldpostbrief von Heinz Lorang aus Deusen an seine Eltern. Der junge Mann starb am selben Tag, an dem er diesen Brief an seine Eltern verschickt hatte: Am 15. August 1943.

Dieser Brief hat die Angehörigen zwar erreicht, aber sie mussten ihn später wieder an Luise Winterfeld abgeben: Die damals überzeugte Nationalsozialisten wollte ein Heldengedenk-Buch aller Dortmunder Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, veröffentlichen und forderte daher von den Familien Briefe und persönliche Unterlagen der Gefallenen. „Diese Unterlagen wurden häufig von den Familien mit großem Druck gefordert“, sagt Müller. Das Buch sei aber aufgrund des Kriegsendes nie erschienen.

Hoffnung auf baldiges Kriegsende

„Liebe Mutter und Geschwister! Komme heute mal wieder dazu, Euch einen

kurzen Brief zu schreiben. (...) Wir wollen hoffen, dass bald Schluss ist. Ich habe auch keine Lust mehr. Das ist hier nämlich eine ganz trostlose Gegend. Alles nur

Dörfer mit alten Holzbuden und Strohdächern. Zu kaufen gibt es überhaupt nichts. (...) Also wollen wir hoffen, dass der Krieg bald aus ist und man wieder in Urlaub fahren kann. Und nun will ich schließen. Seid herzlich gegrüsst von

Eurem Heinz.“

Der Brief ist mit dem 15.8.1943 datiert, dem gleichen Datum wie auf seiner Gefallenenmeldung. Heinz Lorang starb an dem gleichen Tag, an dem er den Brief abschickte. Andreas Müller fand heraus, warum der Brief zwar Dortmund aber nicht die Familie in Deusen erreichte. Eine glühende Nazionalsozialistin fing Feldpost ab, wie ist nicht bekannt, um mit den Briefen ein „Heldenbuch“ zu gestalten.

Heeresdienst zuerst im Westen

Heinz Lorang wurde am 18.11.1920 geboren. Nach seiner Entlassung aus der Volksschule erlernte er den Maler- und Anstreicherberuf. Nach Beendigung seiner Lehrzeit wurde sein Chef zum Heeresdienst eingezogen und musste

sein Geschäft schließen. Heinz Lorang arbeitete dann bis zu seiner Einberufung zum Militär am 3.10.1940 im Baufach.

Er machte den Feldzug im Westen mit. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion kam er in den Osten, wo er dann am 15.8.1943 vor Welkije-Luki fiel.

Der liebevolle Brief mit der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende rührte Andreas Müller und so schaffte es der Brief in das Deusener Geschichtsheftchen „Deusener Bote“. Womit niemand gerechnet hatte: Angehörige von Heinz Lorang lebten noch immer in Deusen. Erst durch den „Deusener Boten“ erfuhren sie von dem letzten Brief Lorangs. „Eine Tragödie“, sagt Susanne Meyer, Schwester und Koautorin von Andreas Müller, über diese Geschichte.

„Ein tragisches Geschick“

Die Liste der im Weltkrieg gefallenen Deusener ist lang: Alfred Snelling war der erste Deusener, der am 25. April 1940 für „Führer und Volk“ sein Leben ließ. Ihm sollten noch 113 weitere folgen. Das erste Bombenopfer in Deusen war

der Ortsbauernführer Rudolf Gerdes-Emschermann. Er starb am 16. April 1942

„durch ein tragisches Geschick“, wie es verschlüsselt in der Todesanzeige der Familienangehörigen heißt.

Noch am 8. und 9. April 1945 wurden August Lohrmann und Heinrich Schmidt bei der sinnlosen Verteidigung der völlig zerstörten Stadt getötet.

Insgesamt 18 Bombenopfer hatte Deusen zu beklagen.

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