Dieser Dortmunder jagt Sport-Schnäppchen im Internet

Prinz Sportlich

Ka-Ching. Ka-Ching. Ka-Ching. Alle paar Minuten spielt Till Schiffers Mobiltelefon das Geräusch einer klingenden Kasse ab. Ertönt es, hat der 26-jährige Dortmunder ein paar Euros verdient. Schiffer jagt Sport-Schnäppchen im Internet - das Geschäft läuft. Wir haben ihn besucht und erklären das Geschäftsmodell.

DORTMUND

, 25.07.2016, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieser Dortmunder jagt Sport-Schnäppchen im Internet

Till Schiffer (vorne) hat "Prinz Sportlich" im Mai 2014 gestartet. Inzwischen sitzen auch Mitarbeiter Nico (hinten) und eine Praktikantin täglich am Computer, um Schnäppchen aus dem Bereich Sportkleidung und Schuhe zu suchen.

So funktioniert das Geschäftsmodell:

Till Schiffer verdient Geld, wenn Nutzer über seine Internetseite Prinz-Sportlich.de in einen Online-Shop gelangen und dort kaufen. Das nennt sich Affiliate-Marketing (Empfehlungsmarketing). Schiffer erhält vier bis zwölf Prozent des Verkaufspreises als Provision.

Der Weg zur eigenen Firma:

Im Studium (Management and Economics an der Ruhr-Universität Bochum) jobbte der 26-Jährige für Urlaubsguru.de, ein von der am Flughafen ansässigen Firma Uniq betriebenes Online-Portal für Reiseschnäppchen. Dessen Mitarbeiter durchsuchen Urlaubsportale nach Schnäppchen, veröffentlichen sie in einem Artikel samt Link auf ihrer Seite und verdienen über Provisionen. Während einer Klausurphase kam Schiffer die Idee, das Prinzip auf den Sportbereich umzumünzen. Im Mai 2014 fertigte er eine Präsentation an, stellte sie den Urlaubsguru-Gründern vor – und sitzt seitdem mit Prinz-Sportlich.de mit in deren Büroräumen. Gegen eine Pauschale nimmt Schiffer Uniq-Ressourcen wie Buchhaltung und Grafik in Anspruch, wirtschaftet ansonsten auf eigene Rechnung. Sein Studium liegt auf Eis.

Morgens setzt sich Schiffer vor den PC und beginnt die Suche. Er und inzwischen ein Mitarbeiter sowie eine Praktikantin durchforsten täglich bis zu 80 Online-Shops für Sneaker, Sport-Bekleidung und Zubehör. Finden sie Schnäppchen wie Fußball-Trikots zum halben Preis oder reduzierte Sneaker, landet eine Beschreibung des Angebots samt Link zum jeweiligen Online-Shop auf Prinz-Sportlich.de. Oft sind die Beschreibungen mit der persönlichen Ansprache der Kunstfigur „Prinz Sportlich“ an die Leser gewürzt. Ein Beispiel: „Ihr seid noch auf der Suche nach einem lässigen Roshe (Sneaker, Anm. d. Red.) für den Sommer? Dann hab‘ ich genau das Richtige für euch! :-)“

15 bis 20 Angebote pro Tag präsentiert der Prinz den Lesern, die meist zwischen 16 und 26 Jahre alt und zu 60 Prozent weiblich seien. Die Seite habe zuletzt 500.000 Aufrufe im Monat gehabt, „die größte Reichweite haben wir aber über Facebook“, sagt Schiffer. Dort gibt’s bald 167.000 Fans. Prinz Sportlich verweist auf Portale wie Zalando und Amazon sowie auf Marken wie Nike und Adidas.

Brauchen Weltkonzerne solche Empfehlungen? Ja, sagt Schiffer, sie bräuchten „Influencer“ – ein Marketingbegriff für Personen, die in den sozialen Netzen Ansehen genießen. So wie Prinz Sportlich: „Die Leute finden uns cool.“ Das erste Jahr habe er sieben Tage die Woche zehn Stunden gearbeitet, erzählt Schiffer, „das war hart“. Prinz Sportlich sei aber sein „Baby“, wie er sagt, „man nimmt das irgendwann nicht mehr als Arbeit wahr“.

Zu der positiven Sicht beitragen dürfte sein Erfolg: Ohne Fremdkapital gestartet, habe er 2015 einen Umsatz im sechsstelligen Bereich gemacht, er sei „profitabel“; 2016 erwarte er einen Umsatz im hohen sechsstelligen Bereich. Noch sitzt er im Uniq-Büro, gleich neben dem Aufenthaltsraum, in dem Mitarbeiter Kicker und Darts spielen oder auf einem Sofa fläzen können.

So könnte es weitergehen:

Wenn die Kasse weiter klingelt – Schiffers Handy steht normalerweise auf lautlos – und die Firma wächst, sei aber der Umzug an einen eigenen Firmensitz möglich.

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