Dieser Mann wird fürs Tricksen bezahlt

Sascha Lange

Sascha Langes Leben ist ein einziger Zauber. Denn als Berufszauberer lebt er von Tricks. Er ist ziemlich gut in dem, was er tut: 200 Auftritte hat er pro Jahr, darunter einige bei großen Aktienunternehmen oder dem Bundesfamilienministerium. Ein Hausbesuch bei dem 29-Jährigen, der aus der kindlichen Faszination einen Beruf gemacht hat.

DORTMUND

, 27.03.2016, 01:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Berufszauberer Sascha Lange ist Dortmunder durch und durch – und posiert deshalb für unser Foto nur allzu gerne vor dem Signal-Iduna-Park.

Der Berufszauberer Sascha Lange ist Dortmunder durch und durch – und posiert deshalb für unser Foto nur allzu gerne vor dem Signal-Iduna-Park.

Wie lebt so ein Zauberkünstler? Diese erste Frage ist einfach da – und zwar bei allen, die ihn besuchen, so erzählt Lange. Die Antwort ist fast etwas enttäuschend: Er sitzt nicht im Kinderzimmer und züchtet weiße Kaninchen, er lebt auch nicht in mystischen Waldhöhlen. Sondern ganz bürgerlich im Stadtteil Hacheney, mit Frau, zwei kleinen Kindern, Tür an Tür mit seinen Eltern.

Am Anfang seiner Zauberkarriere steht David Copperfield. Jener US-amerikanische Zauberkünstler, der Anfang der 1990er-Jahre eine unglaublich große Nummer in Deutschland war. 200 000 Besucher kommen zu Copperfields 30 Shows in der Dortmunder Westfalenhalle – ein Allzeitrekord.  Zwei dieser 200 000 sind Sascha Lange und sein Großvater. Seit diesem Tag im Jahr 1993 ist der Dortmunder begeistert von der Welt der Illusion.

Lange tritt mit Close-Up-Zauberei auf

In einem Zaubergeschäft, das es damals noch in Hörde gibt, besorgt er sich Zubehör, probiert die ersten Tricks. „Die Leidenschaft war entfacht.“ Nach und nach wird sie zum Beruf, aus Kindergeburtstagen werden Firmenfeiern, aus Gelegenheitsauftritten ein Alltag. Sascha Lange tritt mit Close-Up-Zauberei auf, bei der er als Comedy-Kellner André Dejavu dem Publikum auf die Pelle rückt. Er hat aber auch ein Bühnenprogramm, außerdem eine spezielle Kinder-Show.

Nur Details deuten in seiner Wohnung darauf hin, dass hier jemand mit einem ungewöhnlichen Beruf lebt. Dickbauchige Flaschen, in die stapelweise Kartenspiele eingearbeitet sind. Stabile Alu-Koffer, darin das Zauberer-Kleinzeug: Karten-Stapel, Seile, kleine Klämmerchen, Stifte, Münzen. „Ich hatte gestern einen Probeabend für Freunde“, sagt Lange mit Blick auf die dezente Unordnung. Solche Testabende vor Vertrauten seien wichtig, damit er das Selbstbewusstsein für neue Tricks gewinnt. „Die Psychologie dahinter ist die Arbeit“, sagt er.

Spielen, zocken, ausprobieren

Durch das Gespräch mit Lange zu kommen, ohne ausgetrickst zu werden – das gelingt nicht. Erst wird die Herz-Neun zur Herz-Sechs, obwohl man sich sicher ist, eine Neun gesehen zu haben. Dann versucht er sich an Mentalzauberei, kennt auf einmal die gezogene Karte, die er gar nicht kennen kann, indem er geschickt die Mimik seines Gegenübers deutet. „Dieser Moment ist doch für jeden ein Erlebnis. Jeder versucht eine Erklärung zu finden“, sagt er. So fesselt er selbst Skeptiker. Seine Erfahrung: „Die Leute wollen spielen, zocken, ausprobieren.“ Sie wollen ausgetrickst werden. 

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