Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie erschafft ein besonderes Zuhause

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Ein Garten in zehn Metern Höhe, der fließend in den Wohnraum übergeht. Zwei Dortmunder haben sich im Kreuzviertel ihr Traumhaus gebaut - auf einen alten Luftschutzbunker.

Dortmund

, 12.11.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schnettgerbrücke, Florianturm, das U und das Stadion. Problemlos könnten Isabella Skiba und Bert Bielefeld ihren Garten als Aussichtsplattform für Touristen anbieten.

Der Garten des Ehepaars liegt in zehn Metern Höhe, angelegt wurde er auf der meterdicken Betondecke eines Hochbunkers. Die beiden Architekten haben sich hier, am Rande des Tremoniaparks, ihr Traumhaus gebaut. Auf dem und an den alten Luftschutzbunker, der seit den 90er-Jahren als Probenraum von Bands genutzt wird.

Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie erschafft ein besonderes Zuhause

Das Haus auf dem Bunker während der Bauarbeiten 2015. © Felix Guth (Archiv)

Die Idee kam den beiden bei einem Spaziergang, vor vielen Jahren, als sie noch in einer Wohnung im Kreuzviertel wohnten. „Architekten sind immer auf der Suche nach Bauplätzen“, sagt Bielefeld. Und als sie an dem Bunker vorbeikamen, sahen sie einen Bauplatz: auf dem Dach des Bunkers.

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Ein Haus aus Ruhrgebietsmaterialien

Es dauerte eine Weile, bis die Stadt den Bau genehmigte, aber dann konnte das Projekt starten. Für das Haus selbst hatten Bielefeld und Skiba eine klare Vision: „Es sollte aussehen wie ein Parasit“, sagt er. „Wie etwas, das an dem Haus klebt.“

Und tatsächlich hebt sich die rostrote Fassade aus Cortenstahl deutlich vom grauen Beton des Bunkers ab. Cortenstahl ist ein Baustahl, der stark rostet, darunter aber auch eine sogenannte Sperrschicht bildet, die das Material nahezu unzerstörbar macht. „Ein echtes Ruhrgebietsmaterial“, sagt Bielefeld. Auch innen haben seine Frau und er den Stahl verwendet, hier, im Trockenen, behält er jedoch seine glänzende Oberfläche.

Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie erschafft ein besonderes Zuhause

Warmes Holz trifft auf Beton und Stahl, hohe Glasfronten treffen auf offene Räume. Der Eingangsbereich in der Wohnung auf dem Bunker. © Christoph Lison

Ob innen oder außen, die zwei haben beim Hausbau nichts dem Zufall überlassen. Zu jeder Säule, zu jeder Wand, zu jedem Material kann Bert Bielefeld eine Geschichte erzählen.

„Uns war es wichtig, authentische Materialien zu verwenden“, sagt er. Sichtbeton und Stahl an den Wänden, geschliffener Estrich auf dem Boden. Viel Holz und bunte Farben gleichen diese eher kühlen Materialien aus.

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Einrichtung aus Turnhallen und Autoreifen

Bei der Einrichtung zeigt sich die Liebe des Ehepaars zum Detail. Eine meterlange Sitzbank, wie man sie nur aus Schul-Turnhallen kennt, steht im Eingangsbereich der Wohnung. Im Garten hängt eine Schaukel, die aussieht, wie ein Pferd - gefertigt komplett aus alten Autoreifen.

Am meisten Wert legte das Architektenpaar bei der Planung ihres Hauses jedoch auf offene Räume und jede Menge natürliches Licht. Nur wenige Wände unterteilen den Wohn-, Ess- und Eingangsbereich, Türen gibt es hier keine. „Dadurch, dass überall Licht ist, wirkt das Haus größer“, erklärt Bielefeld.

Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie erschafft ein besonderes Zuhause

Der Wohn- und Essbereich im Haus auf dem Bunker. Auch hier trifft warmes Holz auf kühlen Beton. © Christoph Lison

Auch die Decke zum ersten Stockwerk ist nicht durchgezogen, von der Küche öffnet sich der Blick auf eine kleine Galerie. „Die offenen Räume sind typisch für Architekten“, sagt Bielefeld und muss schmunzeln. „Das sorgt einfach für eine gewisse Raumqualität.“

Gerade, wenn man eine gewisse Fläche zur Verfügung habe, lohne es sich, auf Wände zu verzichten. Die Grundfunktionen - Badezimmer und Schlafzimmer beispielsweise - sollten natürlich erfüllt sein, aber dann gehe es auch darum, den vorhandenen Raum genießen zu können.

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Die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen

Der Wohnraum endet nicht mit dem Wohnzimmer. Drinnen und draußen, diese Grenzen verschwimmen in diesem Haus, sobald es warm genug ist, die Türen zu öffnen. Der Garten in luftiger Höhe hat zwei Terrassen und führt um die Glasfront der Wohnung herum.

Wand an Wand mit Musikern, die hier tagein, tagaus proben, zu wohnen - das geht wohl nur, wenn diese Wand fast zwei Meter dick ist. „Wir kriegen fast nichts mit“, sagt Bielefeld, der hier vor einigen Jahren mit seiner Familie eingezogen ist.

Dieses Haus ist ein rostiger Parasit: Dortmunder Familie erschafft ein besonderes Zuhause

Eine der zwei Terrassen von Bert Bielefeld und Isabella Skiba. Genau wie ihr Garten liegen sie rund zehn Meter über dem Boden. © Christoph Lison

Von Anfang an war für das Ehepaar klar, dass eine der Wohnungen in dem Zweifamilienhaus auf dem Bunker das neue Zuhause für sich und ihre Kindern werden soll. Und auch für die zweite Wohnung waren im Nu Mieter gefunden - das Bauprojekt sprach sich schnell im Viertel rum.

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Architektur als Teil von Allgemeinbildung

Manchmal wünscht Bielefeld sich, dass sich mehr Menschen so viele Gedanken um ihr Wohnumfeld machen. Dabei gehe es gar nicht ums Geld. „Man kann mit einfachen Mitteln tolle Dinge schaffen“, sagt er. Auch, wenn es nicht den Eindruck mache: „Auch dieses Haus besteht aus einfachen Materialien, einer einfachen Struktur und einfachen Ideen“, sagt Bielefeld.

Nicht ohne Wehmut beobachte er, wie beispielsweise die Niederländer ganz anders ans Wohnen herangehen würden. Dort habe Architektur einen ganz anderen Stellenwert, ein grundlegendes Verständnis gehöre zur Allgemeinbildung wie das Wissen über Kunst und Musik. Und das spiegelt sich, so Bielefeld, auch in den Straßen und Siedlungen im Nachbarland wider.

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