Total digital: Der Neubau der Firma Louis Opländer auf Phoenix-West setzt bundesweit Maßstäbe. © Drahtler Architekten
Phoenix-West

Digitaler Neubau setzt Maßstäbe: „Das wird die Baubranche umwälzen“

Ein echter Blickfang wird die neue Unternehmenszentrale der Louis Opländer GmbH auf Phoenix-West. Und sie setzt bundesweit Maßstäbe - als erster Bau, der digital geplant und genehmigt wurde.

Jeder Luftschacht, jedes Versorgungskabel und jede Steckdose ist schon platziert. Im 3-D-Modell ist der neue Unternehmenssitz der Louis Opländer GmbH schon mit Leben gefüllt, obwohl für das reale Bürogebäude gerade erst der erste Spatenstich gesetzt wurde. Der digitale Zwilling begleitet das Haus das ganze Leben lang.

Als Unternehmen für Heizungs- und Klimatechnik setzt die Louis Opländer GmbH auf innovative Technik. Und das gilt auch für den Bau der eigenen Unternehmenszentrale. „BIM“ ist das Bauprinzip, das hier am Rande von Phoenix-West verwirklicht wird. Die Abkürzung steht für „Building Information Modeling“.

Digitalisierte Gebäudetechnik

Hinter dem Begriff verbirgt sich die digitale Planung eines Gebäudes mit aller Infrastruktur, die sowohl beim Bauen wie auch im späteren Betrieb genutzt werden kann. „BIM liefert detaillierte Informationen etwa für die nötigen Wartungen von Bauteilen“, erklärt Jan Opländer als Bauherr und Geschäftsführer der Louis Opländer GmbH. „Das Gebäude wird zum digitalisierten Produkt.“

In die Tat umgesetzt wurde BIM auch schon beim Bau des Bürogebäudes „Ocean 21“ am Phoenix-See mit Opländer als Bauherr. Beim Baustart an der Phoenixseestraße im Herbst 2019 entstand auch die Idee für den Neubau der Louis-Opländer-Zentrale, die dann in kurzer Zeit in die Tat umgesetzt wurde.

Und der Neubau an der Nortkirchenstraße zwischen dem alten Hoesch-Gasometer und dem neuen Wilo-Campus setzt jetzt sogar bundesweit Maßstäbe: Es ist das erste Gebäude in ganz Deutschland, das mit einer digitalen Baugenehmigung gebaut wird.

Oberbürgermeister Thomas Westphal (3.v.r.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (2.v.l.) gehörten zu den Ehrengästen, die Bauherr Jan Opländer (4.v.l.) beim symbolischen ersten Spatenstich unterstützten. © Schaper © Schaper

Entsprechend prominent waren die Gäste beim ersten Spatenstich. Neben Vertretern der Familie Opländer, des Architekturbüros Drahtler und der Baufirma Freundlieb waren auch Oberbürgermeister Thomas Westphal, IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und Dr. Thomas Wilk vom NRW-Bauministerium dabei. „Hier wird Pionierarbeit betrieben“, stellte Wilk als Leiter der Obersten Bauaufsicht in NRW fest. „Das wird die Baubranche umwälzen.“

Viele Hindernisse

Die „umwälzende“ Planung ist einem gemeinsamem Kraftakt von Bauherr, Architekturbüro und Stadt Dortmund zu verdanken. Denn die Erteilung einer digitalen Baugenehmigung „geht weit über die digitale Bauakte hinaus“, wie Oberbürgermeister Thomas Westphal feststellte.

Viele Architekturbüros planen zwar überwiegend digital und auch im Bauordnungsamt gibt es bereits digitale Bauakten. Das Problem ist bislang aber die Schnittstelle zwischen Planung und Genehmigungsbehörde. „Das fängt schon mit rechtlichen Vorgaben an, die eigentlich die dreifache Ausführung der Baupläne auf Papier fordern“, erklärt Nils Hoffmann als Experte des Bauordnungsamtes die Hindernisse.

Das 3-D-Modell umfasst auch Informationen zur Haustechnik. © Drahtler Architekten © Drahtler Architekten

Wegzukommen von der Papierflut ist dann auch für Tina und Marius Drahtler vom gleichnamigen Architekturbüro eines der Ziele der digitalisierten Planung. „Und wir haben eine sehr viel größere Planungssicherheit“, nennen sie einen weiteren Vorteil. Insgesamt werde das Bauen kostengünstiger und schneller, ergänzt Bauherr Jan Opländer.

Voraussetzung dafür ist, dass viele Hindernisse, die auf dem Weg zur digitalen Baugenehmigung für den Louis-Opländer-Neubau jetzt noch ausgemacht wurden, an die Seite geräumt werden können. Alle Beteiligten sind zwar „ziemlich begeistert“, dass und wie es am Ende funktioniert hat. Es wurde aber auch deutlich, wo es noch Probleme gibt.

Vier Monate bis zur Genehmigung

„Das Verfahren ist noch nicht serientauglich“, stellt Nils Hoffmann als Vertreter der Bauaufsicht fest. Schwierig sei etwa die Beteiligung anderer Behörden, die noch nicht im erforderlichen Maße digitalisiert arbeiten. Und auch die Honorarordnung für Architekten müsse eigentlich angepasst werden.

Trotzdem ging es am Ende schnell: „Am 27. Oktober 2020 wurde der Bauantrag digital gestellt, am 26. Februar 2021 die digitale Baugenehmigung erteilt“, bilanziert Nils Hoffmann. Vier Monate also. Keine drei Wochen später konnte jetzt der symbolische erste Spatenstich gesetzt werden.

Dafür gab es beim Spatenstich nicht nur vom Bauherrn viel Lob. Bei den Beteiligten der Stadt Dortmund habe man regelrecht Begeisterung gespürt, freute sich Jan Opländer. Und er ist überzeugt: „Wir haben hier Erfahrungen für alle Kommunen in Deutschland gesammelt, wie man mit digitalem Bauen umgeht“, sagte er.

Pünktlich zum Firmenjubiläum

„Dies ist ein Meilenstein, nicht nur in der fast 150-jährigen Firmengeschichte von Louis Opländer, sondern in der Geschichte der Digitalisierung des Bauwesens“, sagte Jan Opländer. „Wir haben einen Weg in die Zukunft des Bauens aufgezeigt.“

Jetzt wird mit Hilfe des digitalen Modells gebaut – ganz analog mit Baggern und Kränen. Im nächsten Jahr soll das rund 5 Millionen Euro teure neue Gebäude dann bezogen werden – pünktlich zum 150-jährigen Bestehen des mittlerweile in fünfter Generation geführten Familienunternehmens, das auch Keimzelle des Pumpenherstellers Wilo ist.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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