Digitalisierung eine Farce: Holthausener klagen über langsames Internet

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Wer in Holthausen im Internet unterwegs ist, muss viel Geduld mitbringen. Die Anwohner sind unzufrieden. Aus ihrer Sicht wäre eine Lösung einfach; Netzbetreiber sind aber anderer Ansicht.

Holthausen

, 23.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Familie Dolgner, die am Peddenbrink 126 im Dortmunder Ortsteil Holthausen lebt, hat ein Problem, von dem auch ihre Nachbarn betroffen sind: Ihre Internetverbindung ist so langsam, dass viele Standard-Aktivitäten schlicht nicht funktionieren.

Man könne nicht gleichzeitig telefonieren und im Internet surfen, man könne keine Websites pflegen und man könne keine Streaming-Dienste wie Netflix nutzen, sagen sie.

„Hier liegt nur ein uralter Klingeldraht“

Im genannten Bereich liege lediglich ein uralter „Klingeldraht“, wie Norbert Dolgner sagt, nicht aber ein modernes Glasfasernetz.

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Besonders bitter ist das für Jan Weiskamp, dessen Frau Anja Weiskamp am Schiffhorst 28 eine Podologie-Praxis betreibt. Er sagt: „Bei uns laufen alle Terminvereinbarungen über das Internet. Wenn das nicht richtig funktioniert, ist das für uns geschäftsschädigend.“

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Die alte Leitung schaffe allerhöchstens 7 MBit/s, sagen die Betroffenen, Standard seien heute mindestens 16 MBit/s. Das Problem vergrößere sich, je mehr Anschlüsse es gebe.

Glasfaserleitung der Brechtener Heide anzapfen

Nach Ansicht Norbert Dolgners gäbe es eine einfache Lösung für die Misere. Man müsste nur die nagelneue Glasfaserleitung anzapfen, die Dokom21 im Neubaugebiet Brechtener Heide verlegt hat.

Im Prinzip ginge das, sagt Dokom-Sprecher Markus Isenburg. Knackpunkt seien natürlich immer die Kosten. Auch ein Unternehmen wie Dokom21 müsse wirtschaftlich denken und überlegen, ob sich der Aufwand für wenige Haushalte lohne.

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Es müsste nicht nur eine Leitung ins Dorf, sondern auch zu jedem einzelnen Haushalt gelegt werden. Manchmal entscheiden sich Haushalte oder auch Firmen, solche Anschlüsse selbst zu bezahlen. Ein Meter koste rund 120 Euro. Hinzu kommen Löcher und weitere Extras für den Anschluss selbst. Einen Pauschalpreis gebe es nicht. Jede Situation sei anders.

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Dass die Kupferleitung so wenig Durchsatz erlaube, könne auch mit ihrer Länge zusammenhängen. Je länger eine Leitung werde, desto langsamer werde sie. Das Internet am Peddenbrink komme aus einer 3000 Meter langen Leitung, was schon extrem lang sei. Eine Prüfung habe ergeben, dass dort tatsächlich nur maximal 7 MBit/s ankommen. In Dorstfeld habe es sogar mal ein Gebiet gegeben, bei dem nur noch 3 Mbit/s ankamen. Dort liege aber jetzt ein Glasfaserkabel.

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Ganz anders äußert sich die Telekom: Sprecher Nico Göricke sagt: „Die Telekom hat den Bereich rund um Peddenbrink bereits im Jahr 2016 mit moderner VDSL-Technologie versorgt. In der Nähe des Multifunktionsgehäuses sind sogar Geschwindigkeiten bis 250 Mbit/s möglich.“ Aufgrund der hohen Leitungslänge und der damit verbundenen Dämpfung zwischen dem Multifunktionsgehäuse und dem Kundenanschluss seien für die Adresse Peddenbrink 126 laut den Telekom-Systemen bis zu 25 Mbit/s möglich. Dem Kunden können also geholfen werden.

Förderprogramm Breitband des Bundes

Der Dortmunder Wirtschaftsförderungssprecher Robert Litschke sagt, Gebiete wie Holthausen fallen womöglich in das Förderprogramm Breitband des Bundes, mit dem auch in ländlichen Gebieten demnächst Leitungen mit einem Durchlauf von 30 mbit/s ermöglicht werden sollen. Bis Ende 2020 sollen dazu die Planungen abgeschlossen sein. Ob und wann dann aber wirklich die schnellere Leitung komme, sei unklar.

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