Beim Glasfaserausbau hat Dortmund noch viel Nachholbedarf. © dpa
Studien

Digitalstadt-Rankings: So smart hat Dortmund abgeschnitten

Bei der Digitalisierung hat Dortmund wieder Boden gutgemacht. Zwei aktuelle Rankings zum Thema Smart City sehen Dortmund im oberen Bereich der bundesdeutschen Städte – aber mit deutlichen Schwächen.

Für eine Stadt, die etwas auf sich hält, gehört Smart City mittlerweile als geflügeltes Wort in den Stadtentwicklungsplan. So auch in Dortmund. Hinter dem Begriff verbirgt sich die Vorstellung von Politikern, Unternehmen, Planern und Bürgern, was eine moderne, fortschrittliche und zukunftsfähige Metropole ausmacht.

Der Weg dorthin ist eine intelligente Stadtentwicklung, die moderne Technologien aus den Bereichen Energie, Mobilität und Infrastruktur, Umwelt- und Ressourcen-Schonung, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation miteinander vernetzt. Das soll die Lebensqualität der Bürger steigern und die Nachhaltigkeit der Stadt verbessern.

Als Erfolgsfaktoren für eine Smart City gelten ein engagiertes Rathaus, eine Digitalstrategie, klare Strukturen, ein gut geknüpftes lokales Netzwerk und die Teilhabe der Bevölkerung.

Studien fast zeitgleich erschienen

Dortmund liegt in zwei fast zeitgleich erschienenen Smart-City-Studien, die die Städte in Deutschland miteinander vergleichen, im oberen Bereich, allerdings nicht auf allen Teilgebieten.

Im Städtevergleich der bayerischen Unternehmensberatung Haselhorst, dem „Smart-City-Ranking 2021“, kommt Dortmund unter 403 Städten ab 30.000 Einwohnern auf Rang 19 – ein Platz besser als im Vorjahr. Dennoch: Legt man eine „ideale“ Smart City mit einem Digitalisierungsgrad von 100 Prozent als Maßstab zugrunde, erreicht Dortmund gerade mal 28 Prozent.

Dabei kommt keine der deutschen Städte auf 50 Prozent. München als Sieger des Rankings mit rund 48 Prozent liegt knapp vor Hamburg und Köln.

Dortmund hat sich um zehn Plätze verbessert

Beim „Smart-City-Index 2021“ des Digitalverbandes Bitkom, der Hamburg vorne sieht vor Köln und Karlsruhe, hat sich Dortmund gleich um 10 Plätze von Platz 32 auf Platz 22 verbessert, erreichte von 100 Punkten 61,5 Punkte. Untersucht wurden bei dieser Studie 81 Städte ab 100.000 Einwohnern. Allerdings ist die Westfalenmetropole bei diesem Ranking 2019 noch mit Platz 9 unter den Top 10 gewesen.

Daraus lässt sich nicht schließen, dass Dortmund bei der Digitalisierung im Vergleich zu 2019 nachgelassen hat. Vielmehr haben andere Städte in der Vergangenheit aufgeholt bei der Digitalisierung der Verwaltung, dem Einsatz von Software zur Verkehrssteuerung und für mehr Energieeffizienz oder auch beim Breitband-Ausbau.

Die Autoren des „Smart-City-Rankings“ haben den Digitalisierungsgrad der 403 deutschen Städte betrachtet und dafür statistische Daten sowie die vor allem über das Internet publizierten Aktivitäten der Kommunen anhand von 62 Kriterien ausgewertet. Dabei wurde nicht nur der Digitalisierungsstand der einzelnen Kommune berücksichtigt, sondern auch das jeweilige Digitalisierungspotenzial.

Bester Wert in der Kategorie Verwaltung

Den besten Wert erreicht Dortmund in der Kategorie Verwaltung, landet hierbei bundesweit auf Platz 3 hinter Iserlohn und Neustadt an der Weinstraße. Auch in der Rubrik „Gebäude und Quartiere“ schaffte es Dortmund auf Platz 3 hinter Darmstadt und Heidelberg. Dabei geht es um CO2-Emissionen, den Einsatz erneuerbarer Energien für die Stromversorgung sowie nachhaltiges Bauen und Sanieren.

Auch die Bitkom-Studie, der „Smart-City-Index 2021“, sieht die Stadtverwaltung als eine der digitalen Stärken Dortmunds. In diesem Teilbereich konnte sich Dortmund um 17 Plätze verbessern und kam unter den 81 Städten auf Platz 24. Wie Haselhorst gibt der Digitalverband an, als Datengrundlage die Internetauftritte der Kommunen, amtliche Statistiken und verschiedene Studien herangezogen zu haben. Praktische Erfahrungen etwa mit Behörden spielen in beiden Studien keine Rolle.

Den größten Sprung nach oben machte Dortmund beim „Smart-City-Index“ allerdings in der Rubrik „Energie und Umwelt“ und verbesserte sich um 25 Plätze auf Platz 31. Punkten konnte Dortmund da vor allem mit seiner intelligenten Straßenbeleuchtung. Nachholbedarf hat die Stadt dagegen bei emissionsarmen Bussen.

Glasfaserkabel fehlen in Dortmund

Um vier Plätze nach unten auf Platz 20 ging es für den Bereich „IT und Kommunikation“. Zwar schneidet Dortmund nach wie vor beim Internet der Dinge (Gegenstände, die über das Internet vernetzt sind) super ab, hat aber nur wenig Glasfaserkabel, die bis in private Haushalte führen.

Beim Thema Mobilität hat Dortmund drei Plätze gut gemacht und liegt auf Platz 20. Für das Parken gibt die Bitkom-Studie Dortmund Bestnoten, doch um die Multimodalität, die kombinierte Nutzung verschiedener Verkehrsmittel für eine Fahrt, ist es in der Westfalenmetropole eher schlecht bestellt. Auch das Verkehrsmanagement hat noch viel Luft nach oben.

Stadt misst Bitkom-Studie mehr Relevanz zu

In der Kategorie Gesellschaft schiebt sich Dortmund um zehn Plätze auf Rang 25 vor. Sehr gute Noten gibt es für den lokalen Handel. Ähnlich gut werden auch das Open-Data-Portal und das Geo-Datenportal der Stadtverwaltung bewertet, auf das alle Bürger zurückgreifen können. Bei der Öffentlichkeitsbeteiligung, auf die die Stadt mit ihren Bürgerdialogen so stolz ist, landet sie unter ferner liefen.

Die Stadt Dortmund kommentiert das „Smart-City-Ranking“ aus Bayern nicht. Der „Smart-City-Index“ der Bitkom-Studie dagegen sei für die Stadt „eher von Relevanz“, erklärt Stadtsprecher Michael Meinders auf Nachfrage. Dieses Ranking werde derzeit ausgewertet und im zuständigen Ratsausschuss erörtert.

Mit Blick auf die Verbesserung um 10 Plätze sagte Meinders: „Ziel ist, dauerhaft in den Top 10 zu sein.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle