Darum will die Stadt einen Lebensmittel-Discounter im Dortmunder Westen verhindern

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Ein neuer Lebensmitteldiscounter mit Stellplätzen und separatem Café im Dortmunder Westen: Diesen Plänen zeigt die Stadt Dortmund die Rote Karte.

Lütgendortmund

, 23.10.2019, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die ansässigen Einzelhändler hätte es wohl kaum schlechtere Nachrichten geben können: Denn bereits im August 2018 gab es Pläne für ein neues Geschäftshaus mit Lebensmitteldiscounter, Stellplätzen und einem separaten Café, das nur rund 500 Meter Luftlinie vom Stadtbezirkszentrum in Lütgendortmund entfernt gebaut werden sollte.

Tatsächlich sind die Pläne längst vom Tisch, der Konsultationskreis Einzelhandel sprach für den Standort im Bereich der Provinzialstraße 100/102 eine negative Empfehlung aus, der Antrag auf Vorbescheid wurde zurückgewiesen. Trotzdem haben die Pläne die politischen Gremien erst jetzt beschäftigt.

Denn ein neuer Bebauungsplan (Lü 190 Einzelhandelssteuerung westlich Provinzialstraße) soll auch zukünftig die Ansiedlung von Einzelhandelsbetrieben in diesem Bereich verhindern. Konkret geht es um Geschäfte mit sogenannten zentren- und nahversorgungsrelevanten Sortimenten. Dazu gehören auch Getränke und Nahrungsmittel.

Einzelhandel im Lütgendortmunder Ortskern soll geschützt werden

Mit diesem Bebauungsplan soll eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, um das Stadtbezirkszentrum Lütgendortmund mit seinen Einzelhändlern dauerhaft vor weiterer Konkurrenz zu schützen und es somit zu stärken, heißt es in der Begründung der städtischen Vorlage.

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Im Norden wird dieses Plangebiet – also der Tabu-Bereich für Einzelhandel – durch das Grundstück Provinzialstraße 114 und im Süden durch die Grundstücke Provinzialstraße 90 und 92 begrenzt. Im Osten liegt es direkt an der Provinzialstraße und im Westen verläuft die Grenze über die Stellplatzanlage des Hotels, und zwar unmittelbar westlich des Gebäudes Provinzialstraße 92.

„Wir haben schon genug mit Leerständen im Ortskern zu kämpfen“

Thorsten Eustrup, Vorsitzender der örtlichen Händlergemeinschaft „Aktiv im Ort“, kannte diese Pläne nicht, atmet aber hörbar auf, als er im Gespräch mit dieser Redaktion erfährt, dass sie gescheitert sind.

„Wir haben schon genug mit Leerständen im Ortskern zu kämpfen, eine Einzelhandelansiedlung an dieser Stelle wäre natürlich nicht förderlich gewesen.“ Gold wert seien hingegen Neueröffnungen direkt im Zentrum, wie etwa Rossmann und Woolworth, die ins ehemalige Kaufhaus Konze einziehen werden.

Darum will die Stadt einen Lebensmittel-Discounter im Dortmunder Westen verhindern

Im Norden wird das neue Tabu-Gebiet für Einzelhandel durch die Nordseite des Grundstücks an der Provinzialstraße 114 begrenzt. © Beate Dönnewald

Konkrete Zahlen zu den Leerständen finden sich auch in der Vorlage: 2011 gab es acht, im Jahr 2014 bereits 14 Leerstände im Stadtbezirkszentrum. 2017 wurden 15 Leerstände verzeichnet. Das Stadtbezirkszentrum leide zudem seit Jahren unter der großen Konkurrenz durch den Indupark.

Keine Unterversorgung mit Lebensmittelgeschäften

Ihre Begründung stützt die Verwaltung vor allem auf den Masterplan Einzelhandel. Danach sollen Nahversorgungs-Standorte nicht in Konkurrenz zu zentralen Versorgungsbereichen treten. Bei einer Entfernung von rund 500 Metern Luftlinie wäre dies aber der Fall gewesen. „Das hätte negative Auswirkungen auf das Ortszentrum“, schreibt die Verwaltung.

Darum will die Stadt einen Lebensmittel-Discounter im Dortmunder Westen verhindern

Im Westen verläuft die Grenze für das Plangebiet des neuen Bebauungsplans über die Stellplatzanlage des Hotels, und zwar unmittelbar westlich des Gebäudes Provinzialstraße 92. © Beate Dönnewald

Darüber hinaus gelte der Bereich an der Provinzialstraße 100/102 in Sachen Lebensmittel nicht als unterversorgt. Schließlich gebe es allein drei Lebensmittelgeschäfte in einer Entfernung von circa 600 bis 650 Meter Luftlinie: Rewe Lütgendortmunder Straße, Aldi Bochum und Penny Provinzialstraße. In der Auflistung fehlt der Penny-Markt als direkter Rewe-Nachbar.

Der Bezirksvertretung Lütgendortmund lag die Vorlage zu diesem Bebauungsplanverfahren Lü 190 zur Empfehlung, dem Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen als Beschlussvorlage vor. Beide Gremien stimmten mehrheitlich dafür.

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