Diskussion mit Islamkritiker wird vielleicht nachgeholt

Absage im Dietrich-Keuning-Haus

Es bleiben weiter die "organisatorischen Gründe", aus denen die Stadt Dortmund kurzfristig eine Diskussionsveranstaltung mit dem Islamismuskritiker Hamed Abdel-Samad im Dietrich-Keuning-Haus abgesagt hat. Aktuell wird aber wohl geprüft, ob die Veranstaltung nachgeholt werden kann - aber an einem anderen Ort.

DORTMUND

, 19.09.2016, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diskussion mit Islamkritiker wird vielleicht nachgeholt

Abdel-Samad.

Erster Bericht, 16.30 Uhr: Diskussion wird vielleicht nachgeholt

Eine Sprecherin der Stadt erläuterte am Montag, dass die „organisatorischen Gründe“ sich auf die Organisation einer sicheren Veranstaltung für alle Beteiligten beziehen würden.  Das Dietrich-Keuning-Haus mit seiner offenen Struktur sei für eine solche Veranstaltung nicht der richtige Rahmen.

„Die Sicherheit einer Person kann man gewährleisten“, so die Sprecherin weiter, man müsse allerdings auch an die Sicherheit der Zuschauer denken. Aus diesem Grund sei die Veranstaltung von Viktor Kidess, dem Leiter des Keuning-Hauses, in Absprache mit dem Kulturdezernenten Jörg Stüdemann abgesagt worden. Sie teilten offenbar die Einschätzung, dass es aufgrund der Thesen Abdel-Samads zu Auseinandersetzungen zwischen Islamisten, Rechten und Linken hätte kommen können. Aktuell, so die Stadtsprecherin weiter, würde geprüft, ob die Veranstaltung an einem anderen Ort nachgeholt werden kann.

Der Publizist Abdel-Samad vertritt unter anderen die Auffassung, der Prophet Mohammed sei ein „Massenmörder und krankhafter Tyrann“ gewesen. Auch hatte er in einer Rede erklärt, die Eroberung der Stadt Mekka durch die Anhänger des Propheten Mohammed habe die Saat gelegt, aus der später der „religiöse Faschismus“ entstanden sei. Die Meinungen von Abdel-Samad sind indes nicht neu, an der Sicherheitseinschätzung der Behörden hatte sich in den vergangenen Tagen nichts geändert. Somit ist die kurzfristige Absage im Moment nicht erklärbar, die konkreten Planungen zu der Reihe mit allen Diskussionspartnern waren im März vorgestellt worden.

Der Autor hatte am vergangenen Freitag die Stadt unter anderem als „feige und charakterlos“ bezeichnet und für die Entscheidung hart kritisiert. Er hätte, so der Deutsch-Ägypter, seine Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt, weil er die Diskussionsreihe von Prof. Aladin Mafaalani von der Universität Münster im DKH sehr schätze.

Prof. Aladin Mafaalani äußert sich nicht

Mit der Veranstaltungsreihe „Talk im DKH“, die Mafaalani moderiert und die sechs Mal in diesem Jahr stattfinden sollte, soll das Keuning-Haus seinem „gesellschaftspolitischen Auftrag“ nachkommen. Bisher waren die Veranstaltungen gut bis sehr gut besucht, rund 350 Personen kamen etwa zu einer Diskussionsrunde mit dem Psychologen und Bestsellerautor Ahmad Mansour. Auch Mansour musste Ende Mai geschützt werden.

Moderator Mafaalani wollte sich am Montag zum Thema nicht äußern, er war erst am Sonntag von einer Dienstreise nach Indien zurückgekehrt.

Aktualisierung, 17.40 Uhr: Das sagt Abdel-Samad

Hamed Abdel-Samad hat sich am späten Nachmittag auf seiner Facebook-Seite zu Wort gemeldet:

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