Mallorca-DJ aus Dortmund ist jetzt Wachmann: „Wird nie mehr so sein wie früher“

rnEigeninitiative in der Corona-Krise

Was macht jemand, der seit über 30 Jahren als Selbständiger in der Musikbranche tätig und plötzlich ohne Auftrag ist? Entweder, sich seinem Schicksal ergeben – oder sein Leben umkrempeln.

Aplerbeck

, 05.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es werde einfach zu viel rum gestöhnt. Man könne an der aktuellen Situation eben nichts ändern. Also müsse man sich etwas anderes überlegen. „Wir können nicht immer auf fremde Hilfe hoffen“, sagt Diego Janke.

Den selbständigen Künstlern hat Corona aber mal so richtig die Beine weggezogen. Wie viele seiner Kollegen in der Unterhaltungsbranche arbeitete der Aplerbecker Diego Janke dort, wo Spaß gefragt war. Proppenvolle Tanzflächen, durchgetanzte Nächte und Party bis der Arzt kommt.

Seit März 2020 geht gar nichts mehr

Das alles ist seit März 2020 Geschichte. Die Corona-Pandemie hatte Europa erreicht und die Spaßindustrie lahmgelegt – bis heute. Im März 2020 hatte DJ Diego noch im Ratskeller in Aplerbeck aufgelegt. Eine Woche später wurde der Auftritt im Fox schon abgesagt.

DJ Diego an seinem Pult im Aplerbecker Ratskeller: Da war die Welt noch in Ordnung.

DJ Diego an seinem Pult im Aplerbecker Ratskeller: Da war die Welt noch in Ordnung. © Jörg Bauerfeld

Dann war nichts mehr so wie früher. „Ich hatte im letzten halben Jahr noch einen Geburtstag, auf dem ich hinter dem DJ-Pult stand, das war alles.“ Und auch da wollte keine Stimmung aufkommen. „Corona sitzt den Menschen im Nacken. Sie haben Angst.“

Aber was macht ein Mensch, der praktisch sein ganzes Berufsleben hinter dem DJ-Pult verbracht hat, ohne Auftritte? Ein Mensch, der auf Mallorca ganze Saisons durchgemacht und Stars wie Jürgen Drews nach Brackel zum Feiern geholt hat?

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„Ich habe kurz abgewartet, Soforthilfe beantragt und dann schnell gemerkt, dass erst einmal in Sachen Unterhaltung nichts mehr geht“, sagt Diego Janke. Der 58-Jährige, der in grauer Vorzeit einmal Bürokaufmann gelernt hatte, nahm die Sache in die eigenen Hände.

Mit 58 Jahren noch einmal auf die Schulbank

„Ein Bekannter von mir ist Einsatzleiter in einer Sicherheitsfirma und dann habe ich dort angefragt.“ Diego Janke musste dafür noch einmal auf die Schulbank, er brauchte einen Unterrichtungsnachweis für Objektschützer.

So ging es damals in der Alten Post ab, die Diego Janke betrieb.

So ging es damals in der Alten Post ab, die Diego Janke betrieb. © Diego Janke

Seit Juni ist der Mallorca-DJ fest angestellt. Aus dem selbständigen Mann hinter dem DJ-Pult ist ein „normaler“ Arbeiternehmer geworden. Eine gewaltige Umstellung für einen, der meistens an den Wochenenden ran musste. „Jetzt sind es auch schon mal neun Tage am Stück. Und man muss sich viel mehr bewegen. 20 Kilo habe ich schon abgenommen.“

Hoffen auf einen Abend im Aplerbecker Ratskeller

Und wie ist es mit der Musik? Mit seinem neuen Arbeitgeber hat er schon gesprochen. „Ich hoffe, dass ich auch bald wieder im Ratskeller auflegen kann“, so Janke. „Aber ich glaube, es wird nie wieder so wie früher. Das Ungezwungene, die Partys, es wird anders werden. Auch mit einem Impfstoff.“

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Mallorca zum Beispiel sei tot. Und Diego ist nicht der Einzige, der sich schon beruflich umorientiert hat. So weiß er von einigen Künstlern, die wieder in ihre alten Berufe zurückgekehrt sind. „Es hilft ja nichts. Man muss Eigeninitiative entwickeln. Nur mit meckern und demonstrieren kann es ja nicht weitergehen.“

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