Dobar ist Kraft- und Ausdauertraining an der Ballettstange

rnFit in Dortmund

Aus Dortmund kommt ein Workout, mit dem man Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer trainiert: Dobar, kurz für Dortmunder Barre-Training. Wer schwitzen will, ist hier richtig.

Dortmund

, 16.09.2018, 04:27 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kerstin Bredehorn und Claudia Lau haben das Training im Jahr 2012 entwickelt. Seit 2013 bieten sie Dobar im Pilates Zentrum Dortmund an der Rosemeyerstraße an. Weil der Kurs so gut ankam, gründeten sie die Dobar-Akademie, in der sie seit dem Jahr 2014 Trainer in ihrer Methode ausbilden.

Kerstin Bredehorn eröffnete das Pilates-Zentrum vor zwölf Jahren, damals noch in der Strobelallee bei Orthomed. Mittlerweile befindet sich das Studio in dem Gebäude-Komplex gegenüber dem Theodor-Fliedner-Heim.

Die Methode

Entstanden ist die Methode nach einem Besuch in Amerika. Dort lernten die Pilates-Trainerinnen den Fitness-Trend Barre-Workout kennen: Ein Training an der Ballettstange. Dabei werden einfache Haltungen und Bewegungen des klassischen Balletttanzes mit Übungen aus Yoga und Pilates kombiniert.

Lau und Bredehorn gefiel dieser Ansatz. Was ihnen weniger gefiel, war die Tatsache, dass viele Übungen bis zu 100-mal wiederholt werden. Das trainiert zwar Muskeln und Ausdauer, macht aber keinen Spaß.

Beim Dobartraining machen sie es anders. Die meisten Übungen werden in drei Sets wiederholt: zuerst positionieren und halten, dann sehr langsam, danach etwas schneller. Das ist abwechslungsreich – immer dann, wenn man denkt, Mann, jetzt wird’s anstrengend, wechselt entweder die Geschwindigkeit oder es beginnt die nächste Übung. Hinzu kommen tänzerisch angelegte Cardio-Einheiten. Das ergibt ein herausforderndes Intervall-Training.

Zwischen den Übungen an der Stange gibt es immer wieder kleine Cardio-Einheiten.

Zwischen den Übungen an der Stange gibt es immer wieder kleine Cardio-Einheiten. © Stephan Schütze

„Das Training ist unglaublich straffend“, sagt Kerstin Bredehorn und es mache den Körper beweglicher. Es helfe den Alltag besser zu bewältigen. Wenn man einen Wasserkasten hochheben und tragen möchte, erfordere das mehr als nur einen straken Bizeps. „Wir brauchen keine isolierten Muskeln“, sagt Bredehorn. Je mehr Muskeln bei einer Übung gleichzeitig trainiert würden, desto besser.

Das Training

Beim Reinkommen ist der Trainingsraum angenehm kühl. Die lange Wand auf der rechten Seite ist verspiegelt, daran die Stange. Links noch mal zwei Stangen, ohne Spiegel. An der Stirnwand zwei Fenster. Kerstin Bredehorn sagt, sonst sei es nicht ganz so hell, sie habe mehr Licht gemacht für unseren Fotografen Stephan Schütze.

Anstrengend ist es von Anfang an. Bei der zweiten Übung bemerke ich Schweißperlen auf meiner Stirn und im Dekolleté, die bis zum Ende des Trainings auch nicht mehr verschwinden. Im Gegenteil, sie laden ihre gesamten Freunde ein. Die deutlich ältere Frau neben mir (ich bin Mitte 30) macht zwischendurch mal eine Pause. Kerstin Bredehorn ermuntert uns zu verschnaufen, wenn uns danach ist. Mich packt der Ehrgeiz, aber vier- oder fünfmal stelle ich mich auch mal locker hin und atme durch.

Die ganze Zeit über spielt eine Anlage, angenehm laut, Kerstin Bredehorn muss sich nicht anstrengen, verstanden zu werden. Zum Aufwärmen Aretha Franklin, danach chilliger House, typische Uptempo-Workout-Musik. Später blende ich die Musik automatisch aus, weil ich mich auf die Übungen konzentriere.

Beim Dobar kommen auch Hilfsmittel wie das Theraband oder der Toning Ball zum Einsatz. Die meisten können bei den Bauchübungen zum Ende der Stunde noch lächeln.

Beim Dobar kommen auch Hilfsmittel wie das Theraband oder der Toning Ball zum Einsatz. Die meisten können bei den Bauchübungen zum Ende der Stunde noch lächeln. © Stephan Schütze

Die 13 anderen Frauen sind unterschiedlich alt. Manchen von ihnen ist kaum Anstrengung anzusehen, andere powern sich offenbar richtig aus. Einer Frau, ich vermute über 60, mit schneeweißem Haar sind die Push-Ups mit den Händen an der Ballettstange offenbar nicht genug, sie dreht die Haltung um: Mit den Füßen auf der Stange und den Händen auf dem Boden macht sie ihre Liegestütze.

Kerstin Bredehorn ist fröhlich, freundlich, geht auf jede von uns ein und versprüht gute Laune.

Kerstin Bredehorn (l. hinten) versprüht gute Laune. Das motiviert, auch wenn die Übungen schwerfallen.

Kerstin Bredehorn (l. hinten) versprüht gute Laune. Das motiviert, auch wenn die Übungen schwerfallen. © Stephan Schütze

Nach dem Training fühle ich mich durchgetanzt, aber richtig gut drauf. Vielleicht wegen der körpereigenen Endorphine, vielleicht wegen Bredehorns ansteckender Fröhlichkeit.

Beim Verlassen des Studios bemerke ich ein Ziehen in den Waden. Es folgen drei schmerzhafte Tage. Jede Faser meines Rumpfes tut weh. Bei jedem Aufstehen und Hinsetzen, beim Treppenhochsteigen und, noch schlimmer, beim Treppenruntergehen.

Am vierten Tag hätte ich nichts dagegen, mich mal wieder an der Ballettstange auszupowern und am Ende richtig gute Laune zu haben.

Für wen ist Dobar geeignet?

Jeder kann mitmachen. Wer Probleme mit Knien, Füßen oder Bandscheiben hat, kann gegebenenfalls auch am Training teilnehmen. „Dann müssen die Übungen angepasst werden“, sagt Kerstin Bredehorn, das sei wichtig. Vor jedem Kurs schaut sie in die Teilnehmerliste, in die sich die Studio-Mitglieder über die Internetseite eintragen. „Ich weiß bei jedem Teilnehmer, worauf ich achten muss“, erzählt sie. Wenn jemand schlecht höre, stelle sie sich zum Beispiel bei den Ansagen in dessen Nähe. Deshalb dürfen bei jedem Kurs maximal 13 Leute teilnehmen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Diese Dobar-Übungen lassen sich in den Alltag integrieren

Die Übungen aus der Dobar-Stunde lassen sich teilweise auch zu Hause oder auf der Arbeit machen. Wer besonders motiviert ist, kann sie in den Alltag einbauen. Kerstin Bredehorn hat unsere Redakteurin Wiebke Plöger im Pilates-Zentrum angeleitet. Während der Arbeit im Pressehaus der Ruhr Nachrichten hat diese dann versucht, die Übungen in den Alltag zu übertragen. Achtung: Nur wer die Übungen kennt und keine körperlichen Beschwerden hat, sollte sie alleine praktizieren.
16.09.2018
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Trainerin Kerstin Bredehorn gibt Hilfestellung bei Dobar-Übungen, die man auch zu Hause machen kann. Zum Beispiel die Seite dehnen. Das geht auch im Bad am Waschbecken. (nächstes Bild)© Stephan Schütze
In einer Armlänge Abstand seitlich zum Waschbecken stellen. Der Fuß, der zum Raum hin steht, vorne über den anderen Fuß kreuzen. Darauf achten, dass die Fußsohlen ganz auf dem Boden aufliegen. Den Arm über den Kopf heben und Richtung Waschbecken strecken.© Stephan Schütze
Diese Übung ist eigentlich eine fließende Bewegung. Für die Bilderstrecke haben wir einmal die Startposition fotografiert: den Ausfallschritt. Die hintere Ferse in den Boden drücken, die Arme ausgestreckt auf den Ballettbarren. Aber: Die Arme nicht einfach nur ablegen oder gegen den Barren drücken, sondern lang ziehen. So dehnt man die Arme und den Rücken und zieht auch automatisch den Bauch ein.© Stephan Schütze
Dann in einer fließenden Bewegung das hintere Bein nach vorne ziehen, bis Ober- und Unterschenkel im 90-Grad-Winkel sind. Die Bewegung kann man langsam und mit etwas mehr Tempo ausführen.© Stephan Schütze
Wenn genug Platz in der Küche ist, wie hier im Pressehaus des Ruhr Nachrichten, geht die Übung auch an der Spüle.© Stephan Schütze
Der Abstand zur Spüle muss weit genug sein, um das Knie beim Anziehen nicht vor den Schrank zu donnern.© Stephan Schütze
Die Füße schließen und auf die Zehenspitzen gehen. Die Hände greifen etwas weiter als schulterbreit die Stange. Das Becken aktivieren, das Schambein leicht nach vorne bringen und dabei nicht ins Hohlkreuz kommen, also den Rücken auch anspannen. Und dann nur noch Liegestütze machen.© Stephan Schütze
Pushups gehen an jeder Kommode genauso gut wie an der Küchenzeile. Vorausgesetzt nach hinten ist genug Platz.© Stephan Schütze
Die Beine hüftbreit auseinander stellen und sich dann auf einen imaginären Stuhl setzen. Schließlich auf die Zehenspitzen gehen. Die Arme gestreckt auf der Stange ablegen, der Rücken bleibt gerade.© Stephan Schütze
An der Spüle erfordert diese Übung viel Aufmerksamkeit. Darauf sollte man achten: Steht man im richtigen Abstand? Ist der Rücken gerade und fällt nicht ins Hohlkreuz? © Stephan Schütze
"Der Stern" heißt diese Übung. Ein Arm liegt ausgestreckt auf der Stange, das Bein, das zum Raum zeigt, ausgestreckt auf Hüfthöhe anheben, die Hüfte zeigt nach vorne, dann den anderen Arm nach oben strecken. Der Oberkörper gerät automatisch in die Waagerechte. Die Arme und das ausgestreckte Bein ziehen in entgegengesetzte Richtungen - eine wohltuende Dehnung.© Stephan Schütze
Diese Küche ist zum Glück geräumig, denn auch bei dieser Haltung sollte man auf ausreichend Platz achten. Fortgeschrittene können die Übung auch ohne Festhalten machen.© Stephan Schütze

Besonders geeignet sei das Training für Menschen, die viel am Computer sitzen. Die einseitige Haltung verursache Rundschultern und Nackenprobleme. Dobar sorgt laut Kerstin Bredehorn für eine aufrechte, schöne Körperhaltung.

Was mir nicht gefallen hat

Am Training selber habe ich nichts auszusetzen. Es macht Spaß und ich kann mir gut vorstellen, dass es auf Dauer zu einer guten Haltung und einer schlanken Figur führt. Den Preis (eine Stunde 17 Euro, weitere Preise siehe unten) finde ich allerdings ein bisschen heftig. Darauf angesprochen sagt Kerstin Bredehorn: Dafür setze sie in ihrem Studio auf Qualität und nicht auf Quantität wie in Sportstudios. Was meine Probestunde angeht, kann ich das bestätigen: Die Trainerin hat nicht nur vorgeturnt, sondern hatte uns offenbar alle gut im Blick und hat immer wieder unsere Haltung und Bewegung korrigiert.

Ganz sanft korrigiert Kerstin Bredehorn die Haltung der Teilnehmerin: Rücken lang, Hüfte gerade.

Ganz sanft korrigiert Kerstin Bredehorn die Haltung der Teilnehmerin: Rücken lang, Hüfte gerade. © Stephan Schuetze

Preise

Wer Dobar ausprobieren möchte, kann das Angebot „2 für 1“ Probestunden wahrnehmen. Es kostet 15 Euro.

Eine Einzelkarte kostet 17 Euro, eine Zehnerkarte 160 Euro. Eine Drei-Monats-Karte für zehn Einheiten kostet 150 Euro.

Zudem gibt es Mitgliedschaften mit den Namen Goldkarte und Goldkarte XL. Für 53 Euro im Monat kann man mit der Goldkarte einmal in der Woche trainieren. Bei der Goldkarte XL zahlt man 97 Euro im Monat und kann an jedem Kurs teilnehmen so oft man will. Beide Varianten haben eine Laufzeit von zwölf Monaten.

Kinderfreundlichkeit

Es gibt einen Aufenthaltsraum, der aber nicht auf Kinder ausgerichtet ist. Von dort kann man in den Raum mit den Pilates-Geräten schauen. Grundsätzlich ist es möglich, seine Kinder mitzubringen. Aber: „Wir bespaßen die Kinder nicht“, sagt Bredehorn. Die Kinder müssten groß genug sein, um sich eine Stunde allein beschäftigen zu können.

Wenn der Kurs nicht zu voll sei, könnten die Kinder auch mitmachen. Voraussetzung ist, dass das die Ausnahme bleibe. Kerstin Bredehorn erklärt das so strahlend und herzlich, dass man nicht mal auf den Gedanken kommt, das als unfreundlich auszulegen. Und der Gedanke, die Zeit im Pilates Zentrum für sich allein zu haben, kann für Mütter verführerisch sein.

Anfahrt/ Parkplätze

Die offizielle Adresse des Pilates Zentrums lautet Rosemeyerstraße 2. Wer mit dem Auto kommt, sollte lieber Wittekindstraße 105 als Ziel eingeben. Für die Kunden des Pilates-Zentrums gibt es Parkplätze am Hintereingang. Der ist von der Wittekindstraße in Fahrtrichtung Hombruch gut zu erreichen, kurz nach der Ampel geht es rechts auf den Parkplatz. Der Hintereingang ist gut zu erkennen. Die Hauswand ist rot gestrichen, über der Tür steht in gold-gelber Schrift „Pilates Zentrum“.

Wer mit der U-Bahn fährt, steigt in die Linie 42 und fährt bis zum Haltepunkt Theodor-Fliedner-Heim.

Dreimal in der Woche gibt es Dobar im Pilates-Zentrum: dienstags um 18 Uhr, freitags um 9.15 Uhr, sonntags um 12 Uhr. Normale, bequeme Sportkleidung, barfuß. www.pilates-zentrum-dortmund.de Zwei Absolventinnen der Dobar-Ausbildung der Pilates-Akademie bieten ebenfalls Kurse in Dortmund an: Marina Maßner dienstags um 19.15 Uhr in ihrer Praxis Physio Beweggrund, Lütgendortmunder Straße 135. www.physiobeweggrund.de Miriam Zdora dienstags um 19.45 Uhr und sonntags um 10.30 Uhr in ihrem Pilates-Studio Mein Weg, Clarenberg 1. www.mein-weg-pilates.de Antje Schepers, Absolventin der Pilates-Akademie und Trainerin im Pilates Zentrum, hat die Methode weiterentwickelt und mit einem anderem Trend verbunden, dem Twerken. Das Training heißt „Dobar Booty Shake“.
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