Döner darf nicht mehr Döner heißen – Imbiss-Besitzer muss tausende Speisekarten neu drucken

rnOrdnungsamt

Ein Reinheitsgebot besagt, was ein Döner ist. Die Stadt Dortmund überprüft stichprobenartig die etwa 100 Dönerläden. Für Kebab-Verkäufer können sich daraus Probleme ergeben.

Dortmund

, 25.02.2020, 06:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war im Dezember, als der Kontrolleur vom Ordnungsamt zu einer Routinekontrolle ins „Oliv 44“ an der Beurhausstraße kam und Hamdullah Coskun (36) und seiner Frau Funda (29) eröffnete, dass ihr Döner nicht mehr Döner heißen darf. Sondern als „Drehspießfleisch“ zu bezeichnen ist.

Die große Menükarte über der Theke mussten Coskuns ändern und und das Speisekarten-Faltblatt tausendfach neu drucken lassen.

Im „Oliv 44“, einfachheitshalber hier weiter Dönerbude genannt, heißt die Döner-Tasche jetzt Drehspieß-Tasche und der Döner-Teller „Drehspieß-Teller mit Hähnchen- oder Kalbfleisch“. Das türkische Wort „döner“ heißt auf Deutsch übrigens „sich drehend“.

Grund für die Zwangsumbenennung von Coskuns Döner ist ein Leitsatz für Fleischerzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuchs von 1997, eine Art bundeseinheitliches Reinheitsgebot.

Darin ist geregelt, was in welche Speise darf. Danach enthält Döner Kebab nur grob entsehntes Schaf und/oder Rindfleisch, das in dünnen Scheiben auf einen Drehspieß gesteckt wird.

Ein mitverarbeiteter Hackfleischanteil darf höchstens 60 Prozent betragen. Außerdem dürfen Gewürze, Eier, Zwiebeln, Öl, Milch und Joghurt ans Fleisch. Das war‘s.

Bitte um Gleichbehandlung

Doch viele Großhändler, bei denen Imbissbetreiber wie Coskuns ihre Fleischspieße bestellen, geben zum Beispiel Geschmacksverstärker und Bindemittel wie Paniermehl hinzu. Das sind dann laut Lebensmittelbuch keine Döner mehr.

Links die alte Speisekarte, rechts die neue.

Links die alte Speisekarte, rechts die neue. © Gaby Kolle

Funda Coskun hat nichts dagegen, dass ihre Gäste erfahren, was sich auf ihrem Fleischspieß dreht. Doch sie versteht nicht, dass die drei anderen Dönerbuden im Umfeld bisher keine Aufforderung bekommen haben, ihren Döner umzubenennen, obwohl sie ihre Fleischspieße beim selben Großhändler bestellen.

„Wir reden untereinander und wissen, was für Fleischspieße die anderen anbieten.“ Sie wolle die Mitbewerber nicht schlechtreden, sagt sie. Aber sie bestehe auf Gleichbehandlung.

„Die Kunden gucken sich die Menükarte an und fragen dann, ob wir auch einen einfachen Döner haben. Sie haben Bedenken, dass unser Fleisch schlechter ist als das von allen anderen“, berichtet Funda Coskun.

Unterschiedliche Qualitäten

Fleischspieß ist tatsächlich nicht gleich Fleischspieß. „Die Spieße gibt es in unterschiedlichsten Zusammensetzungen und Qualitäten und dementsprechend auch in unterschiedlichen Preislagen“, erläutert Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage dieser Redaktion. Döner-Gerichte, deren Inhalt von den Vorgaben abweicht, müssen auf der Speisekarte klar benannt werden.

„Wir bestellen keinesfalls die günstigsten Drehspieße“, sagt dazu Funda Coskun. Sie hätten viele Stammkunden auch von den umliegenden Kliniken. Immer wieder müsse man den Grund für die Umbenennung erklären.

Zudem sei die Neuauflage der Speisekarte kostspielig gewesen, sagt die Imbissbetreiberin. Der Grafiker habe ein Riesenproblem gehabt, alles auf der Karte unterzubringen; denn 16 Mal musste Döner durch Drehspieß und weitere Präzisierungen ersetzt werden. So heißt die Dönerpizza jetzt Pizza Drehspieß mit Hähnchen oder Kalbfleisch.

Stadt macht Stichproben

Laut Stadtsprecher Löchter überprüfe die Stadt seit Jahren bei den Plankontrollen der schätzungsweise 90 bis 100 „Dönerläden“ stichprobenartig, ob das, was auf der Speisekarte steht, sich tatsächlich auch am Spieß dreht. Coskuns seien nicht die einzigen im Umfeld gewesen, die ihre Speisekarte umschreiben mussten. Wie viele Dönerbuden insgesamt bereits dazu verdonnert wurden, kann er nicht sagen. „Dies wird nicht statistisch erfasst.“

So heißt der Seitan-Döner „Beim Ägypter“ in der Brückstraße weiter Seitan-Döner, ist aber ein veganer Fleischersatz. Seinen Imbiss gebe es seit 13, 14 Jahren, sagt Inhaber Mohsen Rabi Hamedani. Doch das Ordnungsamt habe die Bezeichnung Seitan-Döner nie beanstandet.

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