Dogewo wehrt sich gegen Vorwurf der Vetternwirtschaft

Unwillkommenes Erbe

Der Mietvertrag für eine Wohnung kann zu einem unwillkommenen Erbe werden. Diese Erfahrung mussten jetzt der Sohn und der Enkelsohn einer verstorbenen Mieterin der städtischen Wohnungsgesellschaft Dogewo machen. Eigentlich hatten die beiden schnell einen Nachmieter gefunden - doch dann kam alles anders.

DORTMUND

, 27.06.2017, 02:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stirbt ein Mieter, können die Erben den Vertrag auflösen und die Schlüssel an den Vermieter zurückgeben.

Stirbt ein Mieter, können die Erben den Vertrag auflösen und die Schlüssel an den Vermieter zurückgeben.

Was war passiert?

Knapp zwei Monate vor ihrem Tod im Mai zog die sterbenskranke Frau zu ihrem Sohn nach Werne. Der Sohn kündigte die Wohnung zum 1. August 2017. Sohn und Enkelsohn machten einen Termin zur Vorbesichtigung der Wohnung mit der Dogewo aus, um vor Ort abzustimmen, was noch alles – auch an kleineren Renovierungsarbeiten – zu erledigen war.

Und dann? 

Um Miete zu sparen, wollten Vater und Sohn, dass die Wohnung so schnell wie möglich neu vermietet wird. Das sei kein Problem, habe eine Dogewo-Mitarbeiterin ihnen signalisiert, erklärte der Enkelsohn Andreas Bischoff gegenüber dieser Redaktion, zumal auch die Bekannte einer Dogewo-Mitarbeiterin Interesse angemeldet habe.

Wie ging es weiter? 

Die Dogewo setzte die Wohnung zur Vermietung auf ihre Homepage. Zum Besichtigungstermin erschienen die Bekannte der Dogewo-Mitarbeiterin und weitere Interessenten, die Andreas Bischoff eingeladen hatte und die nach seiner Aussage „sofort zum 1.6. in die Wohnung eingezogen wären“. So habe sein Vater einen Tag später die Daten eines Bewerbers an die Dogewo weitergegeben.

Doch als Nachmieter hatte sich die Dogewo für die Bekannte der Mitarbeiterin entschieden – allerdings erst zum 1. August. Das heißt, bis dahin muss der Sohn der Verstorbenen noch Miete zahlen. Auch wenn das rechtlich nicht anzugreifen sei, so Bischoff, habe das einen „ganz faden Beigeschmack“. Er spricht von „Vetternwirtschaft“.

Was sagt die Dogewo? 

Dort weist man die Vorwürfe zurück. „Bekannte von Mitarbeitern behandeln wir nicht besser, aber auch nicht schlechter als andere Mieter. Der Vorgang der Vermietung ist völlig korrekt verlaufen,“ erläuterte Sprecherin Regine Stoerring auf Nachfrage.

Die Interessentin, die den Zuschlag erhalten habe, habe sich „sehr zügig“ gemeldet. Zudem sei in der Wohnung von den Erben vertragsgemäß noch einiges zu erledigen, etwa Tapeten abzureißen und Dübellöcher zuzuschmieren. Doch Bischoffs hätten Ende Mai einfach nur den Schlüssel zurückgebracht. Zwei Monatsmieten stünden aus. Mahnungen sind verschickt. Stoerring: „Wir warten ab, was wir noch von Herrn Bischoff hören.“

Der Sohn der Verstorbenen hatte aus Unwissenheit die 6-Wochen-Frist versäumt, in der man das Erbe ausschlagen kann. In so einem Fall würde die Dogewo auf den Mietaußenständen sitzenbleiben. Jetzt will der Sohn das Erbe anfechten.

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