Die Geschichte des Jazzclubs Domicil begann im Keller

rn50 Jahre Domicil

Für Jazz-Fans ist er eine Legende: Am 14. März 1969, also vor genau 50 Jahren, wurde der Jazzclub Domicil eröffnet – im Keller einer Kindertagesstätte an der Leopoldstraße.

Dortmund

, 14.03.2019, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein schlichter Keller an der Leopoldstraße in der Nordstadt. Aber für die Dortmunder Jazz-Fans war er das Ziel der Träume. Am 14. März 1969 schlug hier die Geburtsstunde des Jazzclubs Domicil.

„In die Kellerräume der Tagesstätte Nord an der Leopoldstraße, die lange Zeit ungenutzt blieben, zog gestern Abend Leben ein. Die Dixieland-Rhythmen der ‚Double Check Stompers‘ kündeten von der Eröffnung des ‚Domicil Dortmund‘, des neuen Dorado für Jazz und Jazzfreunde“, berichteten die Ruhr Nachrichten. Die 35 Mitglieder des Clubs hätten die Räume in wochenlanger Arbeit selbst hergerichtet, heißt es in dem Bericht. „Aber gestern Abend drängten sich weit mehr Jazzliebhaber vor der schmalen Eingangstür“.

Der „Hot Club“ als Vorgänger

In der Tat hatte Jazz in Dortmund schon Tradition. Nachdem die aus den USA importierte Musik in der NS-Zeit verfemt und verboten war, gründete sich 1949 der ‚Hot Club Dortmund‘, in dem lokale Jazzmusiker zusammenkamen. Er veranstaltete Schallplattenabende, Bildungsabende und Konzerte. Der legendäre Duke Ellington wurde nach einem Auftritt im November 1949 zum Ehrenpräsidenten des Clubs ernannt.

Die Geschichte des Jazzclubs Domicil begann im Keller

Einer von vielen Stars im alten Domicil: Bill Frisell (2.v.l.) mit Band im Jahr 1989. Am 9. Mai 2019 spielt er wieder im Domicil. © Oskar Neubauer

1962 löste sich der Hot-Club auf, bekam aber einige Jahre später mit dem Domicil einen würdigen Nachfolger. Der neue Club richtete sich mit Unterstützung des städtischen Jugendamtes in den Kellerräumen einer Kindertagesstätte ein. „Was aus dem Unternehmen wird, liegt ausschließlich an Ihnen“, gab Gründungspräsident Glen Buschmann den Besuchern des Eröffnungskonzerts mit auf den Weg.

Die Geschichte des Jazzclubs Domicil begann im Keller

Tim Berne und Band 1993 im Jazzclub Domicil. © Oskar Neubauer

Und es wurde eine Menge aus dem Unternehmen: Das Domicil bot der Öffentlichkeit schon bald ein reiches Konzertprogramm mit vielen Stars der Jazz-Szene von Alexis Korner über Jasper van’t Hof bis Albert Mangelsdorff an. In den 37 Jahren an der Leopoldstraße gastierten im Domicil auch internationale Jazz-Größen wie Dexter Gordon, Joe Zawinul, Bill Frisell oder John Abercrombie.

Die Geschichte des Jazzclubs Domicil begann im Keller

Jean Paul Bourelly spielte 1991 an der Leopoldstraße. © Oskar Neubauer

Und es sollte noch größer und schöner werden. 2005 zog das Domicil aus dem Keller an der Leopoldstraße in ein früheres Kino an der Hansastraße um. Hier kann man neben einem gut ausgestatteten Konzertsaal auch einen Clubraum und einen Barraum nutzen. Hier gibt es mehr als 300 Veranstaltungen pro Jahr. Und die Liste der Stars, die auf der Konzertbühne standen, wurde noch länger. Breiten Raum nehmen aber auch Nachwuchsförderung und Sessions ein.

Die Geschichte des Jazzclubs Domicil begann im Keller

Perfekte Bedingungen bietet der Konzertsaal des Domicil an der Hansastraße. © Stephan Schütze

Für sein Programm wurde der Verein mit inzwischen rund 130 Mitgliedern auch mehrfach ausgezeichnet – und das Domicil vom New Yorker Jazz-Magazin Down Beat mehrfach in die Liste der hundert besten Jazzclubs der Welt aufgenommen.

50 Jahre Domicil


Offene Türen zum Jubiläumswochenende

  • Sein Geburtstagsprogramm startet der Jazzclub Domicil mit einem Jubiläumswochende.
  • Am Freitag (15.3.) steigt an der Hansastraße eine Jazz-Party mit Live-Session (ab 21 Uhr, Eintritt frei).
  • Am Samstag (16.3.) kann man von 17 bis 22 Uhr das „Domicil“ bei einem „Tag der offenen Türen“ als „House of Jazz“ bei einem Rundgang durch fast alle Räume und bei vielen kleinen Konzerten erkunden.
  • Infos unter Jazzclub Domicil.
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