„Nimm das, Adolf“: Donald Duck macht an der Katharinentreppe den Hitlergruß

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Donald Duck wird Nazi und Superman trifft auf Hitler: Die Ausstellung "Nimm das, Adolf" im "schauraum comic + cartoon" zeigt Comics, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen.

Dortmund

, 15.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. September jährte sich der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Mit dem Schrecken des großen Krieges und Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigten sich über die Jahre viele Kunstschaffende. Das gilt auch für jene Autoren und Zeichner, deren Kunst- und Ausdrucksform das Medium Comic war und ist. Grund genug für die Macher des "schauraum: comic + cartoon" am Max-von-der-Grün-Platz 7 am Fuß der Katharinentreppe, dem Thema eine eigene Ausstellung zu widmen.

Sie vereint unter dem Titel "Nimm das, Adolf! Zweiter Weltkrieg im Comic“auf rund 160 Quadratmetern eine Vielzahl von Exponaten aus der Welt der Comics und zeichnet die Geschichte des Themas im Medium nach. Sie zeigt US-Superhelden wie Blue Beetle, Superman oder Captain America im Kampf gegen Hitler-Deutschland, wirft einen Blick auf Anti-Kriegs-Erzählungen und den Umgang mit der Thematik in der Postmoderne.

Erstmals ausgestellte Originale

Neben Auszügen aus Comics und Graphic-Novels zeigt die Ausstellung überdies 100 seltene, zumeist erstmals ausgestellte Originalzeichnungen und Dokumente aus aller Welt.

Doch nicht nur Strips und Storys auf geduldigem Papier werden gezeigt - auch der damalig mit dem Oscar ausgezeichnete Animationskurzfilm "Der Fuehrer's Face" ist zu sehen. Der Achtminüter, den Walt Disney 1943 produzierte, ist bis heute nicht offiziell in Deutschland erschienen. In dem Anti-Nazipropagandafilm verfällt Donald Duck zeitweise der Ideologie der Nationalsozialisten.

Nazis und Vampire

Interessante Einblicke in den Zeitgeist der Populärkultur bieten außerdem die Comics der 1970er-Jahre, in denen eine inhaltliche Enthistorisierung des Themas auffällt. Nazis bereicherten die Fantasy- und Horror-Comics als mystische Bösewichter, die in Cross-Over-Geschichten aus den USA neben Genre-Monstern wie Vampiren und Werwölfen auftauchten.

In Italien kreuzte man gar Nazi-Fantasien mit Pin-up-Kultur, und das MAD-Magazin klebte seinem Maskottchen Alfred E. Neumann kurzerhand das typische Hitler-Bärtchen an und stellte ihn neben "Größen" der Weltgeschichte wie Napoleon und Attila den Hunnenkönig.

Historisch akkurate Erzählungen

Im Rahmen von "Nimm das, Adolf" sind aber auch aktuelle Werke, wie die um historische Authentizität bemühte Graphic-Novel "Wannsee" (2018) von Fabrice Le Hénanff. Sie stehen gleichberechtigt neben actionreichen und schwarzhumorigen Nazi-Zombie-Pulp-Burlesken wie zum Beispiel der Comic-Reihe "Captain Berlin", deren Held von Regisseur Jörg Buttgereit erdacht wurde.

"Nimm das, Adolf" läuft noch bis 15. März 2020 und wird kuratiert von Dr. Alexander Braun. Zur Ausstellung ist ein 224 Seiten starker Katalog mit ca. 340 Abbildungen vor Ort erhältlich.

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