Dorstfelder empört über Neonazis im offenen Vollzug

Vergleich mit Jugendherberge

In Dorstfeld herrscht Aufregung. Dort hat sich herumgesprochen, dass vier gewaltbereite Dortmunder Neonazis im offenen Vollzug in Castrop-Rauxel ihre Strafe verbüßen. Die Haftanstalt sieht aus wie eine ganz normale Wohnsiedlung. Manche sprechen von „Samthandschuhen für Nazis“ und Jugendherbergs-Atmosphäre.

Dorstfeld

, 06.07.2017, 05:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Das ist für uns Dorstfelder ein Skandal“, schreibt eine Leserin an diese Redaktion. Mit ihr seien „viele andere“ wütend und entsetzt über die Dortmunder Justiz, der es egal sei, dass Dorstfelder „von den Neonazis beschimpft, ausgelacht, bespuckt und Schlimmeres“ würden. „Dann wundert einen auch nicht mehr, dass diese Nazis machen können, was sie wollen.“

Keine Jugendherberge

Die Unterbringung im offenen Vollzug ergebe sich aus dem sogenannten Vollstreckungsplan, für den es enge gesetzliche Regeln gebe, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Henner Kruse auf Nachfrage. Zum Beispiel müsse man eine Arbeitsstelle nachweisen. Und eine Jugendherberge sei der offene Vollzug sicherlich nicht.

Das unterstreicht auch Julius Wandelt, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Castrop. Ob die Unterbringung von vier Dortmunder Neonazis im offenen Vollzug einer JVA sinnvoll sei oder nicht – „wir haben in Nordrhein-Westfalen den Vollstreckungsplan“, so Wandelt. Erst wenn die Sicherheit gefährdet sei, müsse man reagieren.

Keine Nazi-Symbole erlaubt

Im Gegensatz zum geschlossenen könne man im offenen Vollzug Gefangene nicht einfach so verlegen, schon wegen des Arbeitsplatzes draußen, erklärt der JVA-Leiter. Dass Neonazis in den Hafthäusern zusammensitzen und neue Aktionen aushecken, werde nicht geduldet. Tätowierungen, die Nazi-Symbole zeigten, müssten die Insassen mit Pflastern abkleben und Nazi-Kluft wie Lonsdale-Jacken abgeben. Ebenso wenig sei Musik mit rechtsradikalem Inhalt erlaubt. Die 100 geschulten JVA-Mitarbeiter, so Wandelt, seien „spitz darauf, diese Dinge zu unterbinden.“

Auch die Solidaritätsbekundungen in Form von Briefen oder Postkarten, die das Dortmunder Ratsmitglied Michael Brück (Die Rechte) auf Facebook für seine Gesinnungsgenossen erbeten hatte, würden die Insassen nicht erreichen, versichert der JVA-Leiter. Und Internet sei nicht erlaubt. Die aufgebrachten Dorstfelder kann das kaum beruhigen.  

Der offene Vollzug sei eine „politische Entscheidung“, die man für NRW getroffen habe, sagt Staatsanwalt Kruse. Es gibt Bundesländer, da gibt es das nicht. Um empörte Dorstfelder „von ihren Vorstellungen zu befreien“, würde JVA-Leiter Wandelt sie bei Bedarf zu einem Info-Nachmittag über die Arbeit der JVA Castrop einladen.

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