Dortmund bekommt seine eigene Corona-Quarantäne-App

Entwicklung von Materna

Dortmunds jüngste Waffe gegen das Coronavirus heißt „Gesa“. Die App soll von Corona-Infizierten in der Quarantäne genutzt werden - und das Gesundheitsamt der Stadt entscheidend entlasten.

Dortmund

, 28.05.2020, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Dortmunder IT-Firma Materna hat die neue Corona-Quarantäne-App „Gesa“ entwickelt. Sie hilft den Verdachtsfällen, ihren Gesundheitszustand zu dokumentieren.

Die Dortmunder IT-Firma Materna hat die neue Corona-Quarantäne-App „Gesa“ entwickelt. Sie hilft den Verdachtsfällen, ihren Gesundheitszustand zu dokumentieren. © Oliver Schaper

Vor Wochen hatte es eine Mitarbeiterin von Materna in Frankfurt erwischt: Die Frau musste in zweiwöchige Quarantäne. Anfangs hörte das Gesundheitsamt jeden Tag telefonisch bei ihr nach, fragte nach ihrem Befinden. Dann kamen die Anrufe nur noch unregelmäßig.

„Da ist uns klar geworden: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes schaffen das nicht mehr“, sagt Rainer Feinen, Abteilungsleiter in der Dortmunder Softwareschmiede Materna.

Eine App ausschließlich für Menschen in Quarantäne

Es war die Geburtsstunde von „Gesa“ - einer neuen Quarantäne-App, aktuell produziert vom IT-Unternehmen „Materna Information & Communications SE“. Die App nimmt dem Gesundheitsamt eine Menge Arbeit ab – und kommt auch den Nutzern zugute.

Wichtig dabei: „Gesa“ steht allein Menschen zur Verfügung, die vom Gesundheitsamt in zweiwöchige Quarantäne geschickt werden. Sie erhalten, so ist das bislang gelaufen, regelmäßige Kontrollanrufe des Amtes, das sich nach ihrem aktuellen Gesundheitszustand erkundigt. „Haben Sie Symptome?“ „Haben Sie Fieber oder Husten?“ Das Problem dabei: Eigentlich müssten diese Kontrollanrufe sogar täglich kommen.

84.000 Telefonate innerhalb von zwei Wochen

Genau das ist laut Amtsleiter Dr. Frank Renken de facto nicht mehr zu leisten. „Bei 7000 Bürgern, die wegen Corona zwischenzeitlich zwei Wochen in Quarantäne waren, wären das insgesamt 84.000 Anrufe“, rechnet Renken vor. Einen Großteil dieser Telefonate soll sich das Amt künftig sparen können: Die App „Gesa“ übernimmt ihren Job. Sie soll in Kürze scharf geschaltet werden, in der ersten Juni-Woche.

Wie „Gesa“ funktioniert? Ganz einfach: Wer in Quarantäne muss, wird vom Gesundheitsamt für die App freigeschaltet. Er bekommt neben seiner Quarantäne-Verfügung eine ID und ein Pin-Nummer zugesandt, mit der er sich in die App auf seinem Smartphone einloggt. Entwickelt für die Betriebssysteme Android und iOS, findet der Nutzer in der App einen virtuellen Fragebogen.

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Der enthält genau die Fragen zum Gesundheitszustand, die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ansonsten telefonisch gestellt hätten. Heißt: Die Nutzer liefern dem Amt nun selbst ihren täglichen Statusbericht – nur eben digital. „Die Daten werden verschlüsselt ans Gesundheitsamt übertragen“, verspricht Materna-Mitarbeiter Feinen. „Sie können nicht an Dritte gelangen.“

Nicht nur das: „Gesa“ enthält auch wichtige Warnfunktionen, auf die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes reagieren. Das erledigt eine dreistufige Farbskala: Meldet beispielsweise ein Bürger in häuslicher Quarantäne, dass er Fieber hat, leuchtet für die Mitarbeiter im Gesundheitsamt die Farbe „gelb“ auf.

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Ist das Fieber auch am nächsten Tag nicht gesunken, springt die „Gesundheitsampel“ auf die Gefahrenstufe „rot“. Folge: Die Mitarbeiter im Gesundheitsamt wissen, dass der Krankheitsverlauf ernster werden könnte. Sie kümmern sich – und rufen bei dem Betroffenen an.

Digitales Quarantäne-Tagebuch

Die Quarantäne-App hat also nichts mit jener Tracking-App zu tun, die Kontaktpersonen ausfindig machen soll. „Gesa“ (der Begriff steht für Gesundheits-Status App) ist, wenn man so will, ein digitales Quarantäne-Tagebuch.

Und: „Gesa“ ist freiwillig. Einen Zwang, die App zu nutzen, gibt es nicht. Wer darauf verzichten will, der muss sich eben doch wieder auf Kontrollanrufe aus dem Gesundheitsamt einstellen. Weshalb sich Amtsleiter Renken natürlich möglichst viele Nutzer wünscht.

Das Software-Haus Materna wünscht sich derweil, dass möglichst viele Gesundheitsämter auf die App aus Dortmund zurückgreifen. Für das Dortmunder Amt, Heimvorteil, ist sie kostenlos. Auch OB Ulrich Sierau zeigt sich „sehr, sehr froh“ über diese digitale Neuerung made in Dortmund. „Das unterstreicht einmal mehr, warum wir in Sachen Digitalisierung eine Spitzenposition haben.“

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