Digitalisierung als Retter in der Corona-Not: Küchenplanung per Skype

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Seine Geschäfte sind geschlossen, auf ihre neue Küche sollen die Kunden von Wolfgang Neuhoff aber nicht verzichten müssen. Er nutzt die Corona-Krise zur Digitalisierung seines Fachhandels.

Dortmund

, 16.04.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahrzehnten liefert die Firma Neuhoff Hausgeräte und Küchen. In diesem Jahr feiert das Dortmunder Unternehmen seinen 80. Geburtstag. Zwar sind aktuell alle drei Geschäfte geschlossen, aber eins steht fest: so digital wie heute war die Firma noch nie. „Wir nutzen die Krise und bringen die Digitalisierung gerade massiv nach vorne“, sagt Firmenchef Wolfgang Neuhoff.

Schon, wenn man die Internetseite www.neuhoff-dortmund.de aufruft, öffnet sich ein Fenster, das auf die aktuellen Kunden- und Servicedienste des Fachmarkts für Hausgeräte und Küchen hinweist. Auch, wenn die Geschäfte an der Märkischen Straße 212, in Mengede und in Schwerte geschlossen sind, muss die Küchenplanung wegen Corona nicht aufgeschoben werden. Von einer Online-Küchenplanung ist da unter der Überschrift „Wir sind für sie da!“ die Rede.

Das Skypen ist Kern des Digitalisierungsschubes

„Bequem von zu Hause aus, kann der Kunde mit uns im Video-Chat seine Küche entwerfen“, sagt Wolfgang Neuhoff. In der Regel wird dabei mit den Kunden derzeit über Skype kommuniziert. „Das geht wunderbar. Das Skypen ist der Kern unseres Digitalisierungsschubes. Dabei kann der Küchenplaner seinen Bildschirm mit dem des Kunden teilen. Beide Seiten sehen dasselbe und man kann so auch an Details planen. Der Kunde muss dafür nicht ins Geschäft kommen“, so Wolfgang Neuhoff. Und er fügt an: „Eigentlich war die Technik auch vor der Corona-Krise schon da, wir haben sie nur nicht genutzt. Jetzt lernen wir, dass man das einfach braucht – auch nach der Krise.“

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„Super“, findet Thomas Schäfer, der Geschäftsführer des Handelsverbandes in Dortmund, die Initiative von Wolfgang Neuhoff. „Der Handel muss sich digitalisieren. Die Kunden erwarten das auch“, sagt Schäfer. Weil das so sei, habe sein Verband im Rahmen eines öffentlich geförderten Projekts schon im November vier Digital-Coaches für ganz NRW bereitgestellt. Diese bieten Schulungen für alle Einzelhändler, nicht nur für Mitgliedsunternehmen des Handelsverbandes, an. „Seit Mitte März sind sie plötzlich sehr gefragt. Man merkt, jeder versucht nun, sein Geschäft ins Netz zu verlegen“, sagt Thomas Schäfer.

Die Katze wird nicht im Sack gekauft

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund beobachtet man, dass eine Digitalisierungswelle schon in den vergangenen Jahren „ganz gut in Fahrt“ gekommen ist. „Jetzt gibt es eine Beschleunigung, weil es in der Zwangspause für die Unternehmen darum geht, den Kontakt zu ihren Kunden nicht zu verlieren“, sagt Ulf Wollrath, der Handelsexperte der IHK.

Die Firma Neuhoff sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich die digitalen Möglichkeiten in der Corona-Krise nutzen lassen, um sein Unternehmen einfach breiter aufzustellen. „Jetzt erlaubt diese Digitalisierung, sich in der Krise weiter um Kunden zu kümmern. Wie es nach Corona mit solchen Video-Chats weitergeht, dazu wage ich keine Prognose. Wenn der Kunde diese goutiert, wird man sie beibehalten“, so Ulf Wollrath.

Wolfgang Neuhoff spürt, dass das Online-Angebot in Verbindung mit dem Gesamtpaket aus Radio- und Zeitungswerbung, guter Internetseite und der Präsenz auf Facebook durchaus Kunden beschert. „Natürlich nicht in dem Umfang, wie vor der Krise. Auch bei uns sind aktuell Mitarbeiter in Kurzarbeit“, sagt er.

Beim Blick in die Zukunft denkt er, dass sich Wasch- oder Spülmaschinen auch weiterhin verkaufen lassen, wenn man ihre Funktionsweisen zuvor „nur“ im Video-Chat erläutert hat. „Für Küchen aber wird mindestens ein Besuch in unserem Geschäft nötig sein. Die Kunden wollen ja nicht die Katze im Sack kaufen“, sagt er. Viele Feinabstimmungen und Detailfragen aber ließen sich auch zukünftig sicher online klären. „Dafür muss sich niemand ins Auto setzen und herkommen. Das ist ja dann auch unter ökologischen Aspekten von Vorteil“, so Neuhoff.

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Hausgeräte und Küchen Neuhoff

36 Mitarbeiter an drei Standorten

  • Die Firma Neuhoff beschäftigt an ihren drei Standorten an der Märkischen Straße 212, an der Mengeder Straße 724 in Mengede und an der Sonnenstraße 9 in Schwerte insgesamt 37 Mitarbeiter.
  • Informationen zum kostenlosen Angebot des Digitalcoachings durch den Handelsverband NRW gibt es unter www.digitalcoachnrw.de
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