Dortmund feiert deftig seine Rettung vor 638 Jahren

Pfefferpotthastfest ab Mittwoch

Es ist das dortmunderischste aller Feste: das Pfefferpotthastfest auf dem Alten Markt. Von Mittwoch bis Montag tischen vier Gastronomen in einem großen Festzelt das Dortmunder Leibgericht und rund 40 andere westfälische Spezialitäten auf. Seinen Ursprung verdankt das Fest einem echten Krimi aus dem Mittelalter.

DORTMUND

, 23.09.2016, 02:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Pfefferpotthast-Fest auf dem Alten Markt.

Das Pfefferpotthast-Fest auf dem Alten Markt.

Man nehme Rindfleisch, ein gutes Schmalz, Zwiebeln, Lorbeerblätter und Nelken, Pfeffer natürlich und Salz. Mehr wird nicht verraten zum Dortmunder Leibgericht. Jeder Koch beim Pfefferpotthastfest hütet sein eigenes Geheimrezept.

Ab Mittwoch (28. 9.), 13 Uhr, bis Sonntag (2. 10.) können Freunde westfälischer Deftigkost Witterung aufnehmen am Alten Markt. Im Festzelt dampfen aus Töpfen und Pfannen neben Pfefferpotthast (7 Euro kostet dieses Jahr das Schälchen) auch Grünkohl, Eintöpfe, halbe Enten und Zwiebelkuchen.

Rund 40 westfälische Spezialitäten sind es, die von vier Gastronomen serviert werden: Der Thüringer, Altes Gasthaus Grube, Ringhotel Drees und Haus Matenaar. Übrigens: Der Bierpreis steigt nicht. Ein Viertelliter „Blondes“ kostet 2,50 Euro. Am 1. Oktober (Samstag) ist dazu wieder Stoffmarkt auf dem Friedensplatz, von 11 bis 17 Uhr, dazu gibt am 2. Oktober den ersten verkaufsoffenen City-Sonntag in diesem Jahr (13 - 18 Uhr).

Adelige sollte feindliche Soldaten in die Stadt schmuggeln

Zum 23. Mal feiert die Gastronomie das Dortmunderischste Fest aller Stadtfeste. Es lockt im Übrigen auch immer mehr junge Gäste an, die deftige Küche allenfalls noch von ihrer Oma kennen. Wahrscheinlich wissen die Wenigsten unter den Jüngeren, dass dieses Fest seinen Ursprung einem richtigen Krimi zu verdanken hat.

Dazu muss man tief hinabtauchen ins mittelalterliche Dortmund: Die Holzwickeder Adelige Agnes von der Vierbecke (1341-1378) stand im Zentrum einer Verschwörung gegen die damals Freie Reichsstadt Dortmund. Agnes, die um 1360 einen Dortmunder Patrizier geheiratet hatte, sollte am 4. Oktober 1378 feindliche Soldaten aus den umliegenden Gegenden in die von dicken Mauern geschützte Reichsstadt schmuggeln und sie somit einnehmen.

Fest erinnert an die Rettung der Stadt vor 638 Jahren

Agnes sollte die Wachen überreden, die Tore für sie zu öffnen. Der Plan war, mit zwei Wagen die offenen Tore zu blockieren. Der erste Teil der List gelang: Agnes schickte den Pförtner des äußeren Tores zu den Fleischbänken, um ihr Pfefferpotthast zu kaufen. Dann stieg sie auf den Torturm und gab den im Hinterhalt wartenden märkischen Soldaten mit einem weißen Tuch das verabredete Zeichen für den Angriff.

Der Plan misslang schließlich doch, da das Innengitter nicht geöffnet wurde. Während Agnes für ihren Verrat mit ihrem Leben büßte, wurde der pfeffrige Potthast zum Dortmunder Leibgericht. Das Fest ab kommenden Mittwoch hält also die Rettung der Stadt in Erinnerung, und dies noch 638 Jahre später.

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