Dortmund gründet eine Kinderfeuerwehr

Kampf gegen den Nachwuchsmangel

Damit der Feuerwehr auch in 15 Jahren der Nachwuchs nicht ausgeht, gründet sie eine Kinderfeuerwehr. Grundschüler sollen im Offenen Ganztag ihrer Schule oder in Jugendfreizeitstätten spielend an Feuerwehr-Themen herangeführt werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

DORTMUND

, 07.09.2017, 02:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Dortmund gründet eine Kinderfeuerwehr

Eine junge Besucherin des Stadtfeuerwehrtags im Sommer 2016 in der Innenstadt: Die Feuerwehr weiß, wie sie Kinder begeistert, und will diesen Magnetismus für die pädagogisch angeleitete Nachwuchs-Akquise nutzen.

Eine Kinderfeuerwehr für Dortmund – hallo, was ist da los?

Tatsächlich planen die Feuerwehr und der Stadtfeuerwehrverband den Aufbau einer Kinderfeuerwehr. Das Projekt startet schon im Herbst 2017. Dann soll eine Erzieherin oder Pädagogin (kann auch ein Mann sein) den Aufbau einer ersten Einheit vorantreiben. Für diese Organisations-Stelle sucht der Verband qualifiziertes Personal. Die Feuerwehr will um Nachwuchs werben.

Dafür gibt es schon die Jugendfeuerwehr. Warum jetzt ein Angebot für jüngere Jungen und Mädchen?

Die Kinderfeuerwehr verfolgt andere Ziele als die Jugendfeuerwehr, die schon für den Einsatz in Gefahrensituationen trainiert. 16-Jährige der Jugendfeuerwehr dürfen im Notfall mit ausrücken. Das gilt für die Kinderfeuerwehr nicht – aber: Die Jungen und Mädchen der Kinderfeuerwehr sollen „Risikokompetenz“ erlangen. So formuliert es Feuerwehr-Chef, Diplom-Ingenieur Dirk Aschenbrenner, der schon als 11-Jähriger bei der Freiwilligen Feuerwehr im niedersächsischen Meppen einen Aufnahmeantrag gestellt, aber erst mal nur einen Kalender erhalten hat.

Was ist drin, wo Risikokompetenz drauf steht?

Nichts Gefährliches. Die Mitglieder der Kinderfeuerwehr sind zwischen 6 und 12 Jahre alt. Ihr „Gerätehaus“ ist der Offene Ganztag einer Schule oder die Jugendfreizeitstätte im Stadtteil. Zu den Werkzeugen gehören Liederbücher, Playmobil-Figuren, Backzutaten und Malbücher. Sie sind Feuer und Flamme auch für spannende Themen wie den richtigen Notruf, Erste Hilfe für Freunde, Sicherheit im Straßenverkehr und Energie durch Hitze – „das alles nach dem Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule“, sagt der Vorsitzende des Stadtfeuerwehrverbands, Rechtsanwalt Jörg Müssig.

Das hört sich ernst an. Ist es das?

„Das ist nicht Feuerwehr knallhart“, sagt Dirk Aschenbrenner, „der Spaß im Team ist wichtig. Da wird mit Verkehrszeichen-Memory gearbeitet und auch erklärt, wofür ein Hydrant da ist. Wir wollen Kinder langsam und sicher an die Feuerwehr heranführen.“ – „Es kann auch sein, dass mal die Feuerwehrschläuche ausgerollt werden“, ergänzt Jörg Müssig.

Wie groß sind die Gruppen? Wer kümmert sich um die Kinder?

Je eine pädagogische Fachkraft und eine Feuerwehr-Fachkraft betreuen ehrenamtlich sechs Kinder.

Warum das alles?

Der Feuerwehr fehlen gute Bewerber. Sie will früher als sonst in die Nachwuchs-Akquise einsteigen. Denn bevor Jungen und Mädchen den Weg in die Jugendfeuerwehr finden, buhlen andere Freizeit-Anbieter um die Gunst der Kinder. Die Feuerwehr will sie nicht verdrängen, aber zeitgleich am Start sein.

Sehen die Kinder dann aus wie Feuerwehrmänner und -frauen, nur in kleinen Uniformen?

Nein, Uniformen und Schutzausrüstung gibt es nicht, obwohl Kinder diese gerne tragen würden. Eine reflektierende Warnweste mit dem Schriftzug „Kinderfeuerwehr“ dürfte drin sein. Die Kinderfeuerwehr will ihre Mitglieder spielend an Feuerwehr-Themen heran führen. Die Pädagogik funktioniert wie die klassische Kinder- und Jugendarbeit, nur mit einem anderen Schwerpunkt.

Wenn‘s gut läuft: Was passiert mit meinem kleinen Feuerwehrmann?

Er oder sie entwickelt kindgerecht technisches Verständnis. In der 7. Klasse, wenn die Erste Hilfe in der Schule ein Pflichtfach ist (so steht es im Koalitionsvertrag der Landesregierung), ist das Mitglied der Kinderfeuerwehr schon ganz gut dabei. Idealerweise erfolgt dann auch der Umstieg zur Jugendfeuerwehr, wo die Übungs-Nachmittage und -Wochenenden nah am Feuerwehr-Alltag sind. Später soll es heißen: „Ich gehe zur Feuerwehrmann.“

Hört sich innovativ an. Gibt es Kinderfeuerwehren denn schon?

Ja, in Hessen und Niedersachsen schon seit den 1990er-Jahren, weil die Feuerwehren in den ländlichen Bereichen schon viel länger unter dem Nachwuchs-Problem leiden als die deutschen Großstädte. In NRW gibt es bereits 30 Kinderfeuerwehren. Dortmund erfindet das Rad nicht neu, dreht aber dran und will es in eine eigene Richtung steuern.

Wer hilft?

NRW hat das „Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz so angepasst, dass die Städte mit einer Kinderfeuerwehr starten können. Für den Alltag sucht der Feuerwehr-Stadtverband noch Sponsoren.

Gibt es schon konkret Pläne für den Start in einen Stadtteil?

Es gibt gute Gespräche, aber keine konkreten Pläne. In Scharnhorst. Laut Feuerwehr-Chef Dirk Aschenbrenner sind die Kommunalpolitiker dort engagiert bei der Sache. Am vergangenen Dienstag wurde ein zweites Gespräch geführt. Praktisch: Die Feuerwache in Scharnhorst liegt direkt neben einer Jugendfreizeitstätte.

Warum richtet die Feuerwehr die Kinderfeuerwehren nicht in den eigenen Wachen ein?

Mit ihrem Alarmbetrieb sind Feuerwachen nicht für Kinder gebaut, sondern für die Fahrt zu einem Einsatz unter höchstem Zeitdruck. Da geht es nicht um kindgerechte Pädagogik, sondern um optimale Arbeitsabläufe, um Leben und Werte zu schützen.

Wann soll die erste Kinderfeuerwehr ans Netz?

Schneller, als die Jugendfeuerwehr aufgebaut wurde. Die erste Dortmunder Jugendfeuerwehr wurde 1974 gegründet. Inzwischen haben 18 von 19 Löschzügen der Freiwilligen Feuerwehr eine Jugendfeuerwehr. In Hombruch scheitert der Aufbau einer Jugend-Einheit an der Architektur des zu kleinen Gerätehauses. Dirk Aschenbrenner: „Wir wollen ab Herbst 2017 ein Konzept erarbeiten und dann einen Prototypen vorstellen. Die Kinderfeuerwehr soll dann sofort loslegen können. Niemand muss bei Null anfangen. Egal, in welchem Stadtteil.“

Ich will mein Kind bei der Kinderfeuerwehr anmelden. Wie geht das?

Noch nicht, da es noch keine Kinderfeuerwehr gibt.

Ich habe eine Frage, eine Idee oder will Geld spenden – an wen geht die Post?

Der Stadtverband der Feuerwehr hat dafür eine E-Mail-Adresse eingerichtet:kinderfeuerwehr@feuerwehr-dortmund.de

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