Dortmund hat jetzt die erste Islam-Akademie in NRW

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Katholische und evangelische Akademien sind seit Jahrzehnten in Dortmund und Schwerte aktiv. Jetzt gibt es auch ein Pendant auf islamischer Seite. Mit klaren Zielen.

Dortmund

, 10.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Islam gehöre zu Deutschland, stellte der damalige Bundespräsident Christian Wulf schon 2010 fest. Das nehmen engagierte Muslime in Dortmund wörtlich. Sie haben hier die Islamische Akademie NRW gegründet.

Und das sowohl mit dem Segen der christlichen Kirchen als auch des Staates. Denn die Gründung von islamischen Akademien wird von der Bundeszentrale für politische Bildung aktiv begleitet.

Sie unterstützt die Idee eines bundesweiten Verbunds an islamischen Akademien in Deutschland, der aber möglichst lokale Wurzeln haben soll. Nach Heidelberg und Berlin ist Dortmund eine der ersten Städte, in denen die Idee vorangetrieben wird.

Fachtagung zum Thema Heimat

Die Vorbereitungen laufen schon seit zwei bis drei Jahren, berichtet der Akademie-Vorsitzende Ali Tasbas. Im Frühjahr 2018 wurde die Akademie offiziell gegründet. Jetzt trat sie mit einer Fachtagung für Pädagogen erstmals öffentlich in Erscheinung.

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„Unter dem Titel ‚Heimat und Identität unter muslimisch-deutschen Vorzeichen‘ ging es im Reinoldinum am Schwanenwall unter anderem um die Frage, ob und wie sich vor allem muslimische Jugendliche zur deutschen Gesellschaft zugehörig fühlen - oder eben nicht.

Das Programm ist beispielhaft für die Anliegen der Akademie. Sie will politische Bildungsarbeit leisten - „von Muslimen für alle“, wie Ali Tasbas erklärt. „Wir wollen aus dem Glauben heraus etwas für die Zivilgesellschaft tun“, erläutert er.

In die übliche Integrationsschublade wollen sich die Akademie-Gründer nicht stecken lassen. Es gehe nicht um die Probleme von Zuwanderern, sondern um religiöse Fragen, betonen sie.

Gespräche auf Augenhöhe

Mit ihren Anliegen sehen sie sich in einer Reihe mit den Akademien von katholischer und evangelischer Kirche, mit denen man im Austausch ist. „Das waren Gespräche auf Augenhöhe“, freut sich Ali Tasbas über die Anerkennung.

Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche, aber auch vom Rat der muslimischen Gemeinden sind auch in einem Beirat der Akademie vertreten, der den Vorstand berät.

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Die positive Haltung der christlichen Kirchen bestätigt Pfarrer Friedrich Stiller als Islambeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises, der bei der Fachtagung ein Grußwort sprach. Die Islamische Akademie sei ein neuer wichtiger Akteur für den interreligiösen Dialog, ist er überzeugt. „Wichtig ist, dass die Akademie dabei ein Ort der offenen Debatte ist“, stellt Stiller fest.

Diese offene Debatte soll in öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen stattfinden, kündigt Tasbas an. Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat soll 2020 fortgesetzt werden. Geplant ist so für den 23. Januar eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion unter anderem mit der NRW-Staatssekretärin für Integration Serap Güler.

Austausch zwischen Jugendlichen

Im Laufe des Jahres sollen außerdem Workshops für Jugendliche stattfinden. Ganz bewusst will man dabei den Austausch zwischen muslimischen, christlichen, jüdischen und auch atheistischen Jugendlichen organisieren. Der Arbeitstitel einer geplanten Veranstaltungsreihe lautet: „Einen Muslim treffen“.

Die führenden Köpfe der Akademie haben einen entsprechenden Hintergrund. Der Vorsitzende Ali Tasbas betreibt ein privates Weiterbildungsinstitut mit Sitz an der Reinoldistraße, seine Stellvertreterin Naciye Kamcili-Yildiz ist Lehrerin und islamische Religionspädagogin und lehrt derzeit an der Universität Paderborn.

Infos zu Anliegen und Programm der Akademie gibt es im Internet unter www.islamische-akademie-nrw.de

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