Angebote zur Krisenhilfe für Familien und Frauen gewinnen an Bedeutung

rnHilfe in der Corona-Krise

Die Ausgangsbeschränkungen bringen Familien in besondere Situationen. Viele Menschen sind mehr zu Hause als sonst. Die Krisenberatung für Gewaltopfer geht weiter - und wird noch wichtiger.

Dortmund

, 28.03.2020, 04:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schulen und Kitas sind geschlossen, die Spielplätze gesperrt, zudem arbeiten viele Eltern derzeit im Homeoffice. Keine Frage: Den ganzen Tag gemeinsam in einer - teilweise kleinen - Wohnung zu verbringen, kann für eine Familie zur Belastungsprobe werden. Da scheinen Streitigkeiten geradezu vorprogrammiert.

Ein Anstieg an Fällen häuslicher Gewalt sei in Dortmund bislang aber noch nicht zu verzeichnen, sagt Cornelia Weigandt, Pressesprecherin der Dortmunder Polizei. „In so einem kurzen Zeitraum kann es auch noch gar keine validen Daten geben“, geht Weigandt davon aus, dass es schlichtweg zu früh sei, um Genaueres zu sagen.

“Wir haben keine Ausgangssperre“

Zudem laufe das Leben für viele einigermaßen normal weiter, „denn wir haben ja keine Ausgangssperre.“ Und nicht zuletzt spiele das Wetter derzeit auch mit: „Wenn die momentane Situation noch länger andauert und das Wetter sich ändern sollte, dann spürt man möglicherweise eine merkbare Veränderung. Aber das ist noch graue Theorie.“

Auch wenn persönliche Kontakte eingeschränkt würden, halte das Dortmunder Kinderschutz-Zentrum gerade jetzt sein Beratungsangebot aufrecht, erläutert die Sozialarbeiterin Silvia Tinner. Denn das Leben vieler Kinder weise momentan wenig Struktur auf und nicht jede Familie verfüge über einen großen Garten, in dem sich der Nachwuchs austoben könne: „Da kann es schon mal passieren, dass es im Karton rappelt.“

Beim Kinderschutz-Zentrum laufe aufgrund der Hygienevorschriften momentan viel über Videochat und Telefon, erläutert die Sozialarbeiterin: „Allerdings können technische Hilfsmittel den persönlichen Kontakt auf Dauer nicht ersetzen.“ Nichtsdestotrotz sei die Fortführung sämtlicher Beratungen immens wichtig: „Denn wenn es in guten Zeiten in einer Familie schon schlecht läuft, dann braucht sie in schlechten Zeiten noch mehr Unterstützung.“

Lehrer und Erzieher melden sich

Bei der Telefonberatung, die das Kinderschutz-Zentrum als Fachberatungsstelle gegen Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch auch für den Nachwuchs anbietet, verzeichnet Tinner bisher aber nicht mehr Anrufe als sonst.

“Verstärkt melden sich momentan aber Lehrer und Erzieher bei uns, die die Kinder aufgrund der Schließungen von Schulen und Kitas nicht mehr sehen“, sagt die Sozialarbeiterin.

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Bei einigen Familien würden sich die Pädagogen deshalb Gedanken machen, ob dort alles problemlos laufe: „Wir werden dann gefragt, ob sie die Telefonnummer des Kinderschutz-Zentrums an diese Eltern weitergeben dürften. Aber das dürfen sie natürlich.“

Sonnenschein ist gut fürs Gemüt

Beim Frauenzentrum Huckarde gilt momentan ebenfalls: körperlich Distanz halten, viel telefonieren. Dass dort von einem Anstieg der häuslichen Gewalt bislang noch nichts zu spüren ist, „liegt auch daran, dass wir mit den Familien arbeiten“, sagt Christina Düllmann, Abteilungsleiterin des mobilen sozialen Dienstes.

Denn Angebote wie Familienpflege oder -hilfe liefen ja auch zu Corona-Zeiten weiter - und die Notfallbetreuung in Kitas sei ebenfalls gesichert. Dem Wetter kann übrigens auch Düllmann einiges abgewinnen: „Sonnenschein ist fürs Gemüt nun mal besser als trübe Regentage.“

Die Situation nicht eskalieren lassen

Das Kinderschutz-Zentrum und der Kinderschutzbund raten dringend, die Situation nicht eskalieren zu lassen, sondern Hilfe und Unterstützung zu suchen. Die Beratungsstelle des Kinderschutz-Zentrums ist montags von 9 bis 16 Uhr, dienstags bis donnerstags von 9 bis 13 und von 14 bis 16 Uhr sowie freitags von 10 bis 13 Uhr unter der Rufnummer 0231/2 06 45 80 erreichbar (www.kinderschutzzentrum-dortmund.de). Der Kinderschutzbund Dortmund ist telefonisch unter 0231/8 47 97 80 montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung zu erreichen (www. dksb-do.eu).
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