Giftunfall sorgt für Sperrung der A45

rnSerie Dortmund vor 30 Jahren

Ein Giftunfall führt zu einer Sperrung der A45 und 1400 Hausfrauen versammeln sich in der Westfalenhalle. Das waren die Nachrichten der Dortmunder vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 23.08.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 23. August 1990:


A45 eine Stunde lang gesperrt

In der Nähe der Abfahrt Eichlinghofen kam es an einer Steigung zu einem Auffahrunfall von zwei LKWs. Zuerst hatte es geheißen, dass einer der Fahrer in seinem Fahrerhaus eingeklemmt sei. Später meldete die Polizei jedoch, dass der Fahrer bei guter Gesundheit sei, aber aus einem der Fahrzeuge giftige Flüssigkeiten auslaufen.

Die Feuerwehr bestreute das ausgelaufene Formaldehyd und konnte es anschließend aufsaugen, genau wie den ausgelaufenen Diesel der Fahrzeuge. Für das gesamte Unterfangen musste die A45 gesperrt werden, da die Feuerwehr davon ausging, das Gift könne für andere Autofahrer gefährlich werden. Der Sachschaden der beiden LKWs belief sich auf 150.000 DM.

Absicht oder Versehen - Wirtin erschossen

Der Angeklagte Alfred D. gab vor Gericht an, dass er die Wirtin der Gaststätte Femlinde nur erschrecken, nicht aber erschießen wollte. Da er sie trotzdem erschoss, verhängte das Schwurgericht 14 Jahre Haft. Zu viel, wie der BGH befand und das Urteil auf 10 Jahre wegen räuberischer Erpressung mit Todesfolge verkürzte.

Der Angeklagte wollte Bargeld in der Gaststätte erbeuten: „Ich dachte, jetzt lässt du die mal tanzen und machst ihnen gehörig Dampf“, dass er mit der Waffe in der Hand die Wirtin töten könne, sei ihm gar nicht bewusst gewesen. Eine Argumentation, der die Richter nur schwer folgen konnten. Die leichtfertige Handlungsweise läge nahe am Vorsatz.

Austausch von Arbeitern zwischen BRD und DDR

Der Mauerfall lag schon einige Zeit zurück und die Weichen waren unwiederbringlich auf Wiedervereinigung gestellt, die wirtschaftlich gute Stimmung war jedoch in Teilen getrübt. Ostdeutsche Firmen waren nicht vorbereitet für die westdeutsche Marktwirtschaft und die Probleme schienen für alle Beteiligten größer zu werden.

Um diesem Trend vorzubeugen, wechselt ein paar Dortmunder-Arbeiter für einige Zeit mit ihren ostdeutschen Kollegen die Jobs. Sanitär-Firmenchef Friedrich Vogelsänger beschrieb die Unterschiede: Betriebswirtschaftliche Strukturen „mussten wir denen quasi von der Pike auf an vermitteln“, dafür seien seine Austauscharbeiter „handwerklich topfit“.

Auch die Zwickauer Austauscharbeiter waren angetan von den Methoden ihrer Dortmunder Kollegen „Wir haben zwar nicht dieses ‚All-Round Wissen‘ [...], können dafür aber gut improvisieren.“ Funktionierende innerdeutsche Verständigung also.


1400 Hausfrauen in der Westfalenhalle 2

Der Landesverband Deutsche Hausfrauen Bund (DHB), mittlerweile Verband der Haushaltsführenden, versammelte sich in Dortmund zur 40-Jahr-Feier. 1400 Frauen versammelten sich, beim gemeinsamen Mittagsessen blieb kein einziger Platz leer.

Dortmunds Oberbürgermeister Samtlebe erinnerte die Leistungen des Verbands, unter anderem ging die „Stiftung Warentest“ auf eine Initiative des DHBs zurück.

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