Eine revolutionäre Technologie breitet sich in Dortmund aus

rnSerie „Dortmund vor 30 Jahren“

Über den Retter des alten Rathauses, die Anfänge des Mobiltelefons und das Glück im Unglück eines kleinen Mädchens: In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ blicken wir zurück auf den 30. Juli 1990.

von Beat Linde

Dortmund

, 30.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 30. Juli 1990.

Nicht aufzuhaltender Trend

Eine revolutionäre Technologie erobert Dortmund: 9142 Dortmunder hatten bereits das schnurlose Telefonieren für sich entdeckt. Das entsprach einem Wachstum von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Startschuss eines nicht aufzuhaltenden Trends, wie sich zeigen sollte, blieb auch der Deutschen Bundespost Telekom nicht verborgen. Die wollte das so genannte C-Netz in Dortmund mit 35 Millionen Mark weiter ausbauen. 1990 waren im Bezirk der Oberpostdirektion rund 35 Funkfeststationen mit insgesamt 300 Sprechkanälen aktiv, nachdem Ausbau sollten es dann 45 Funkfeststationen werden und 450 Sprechkanäle.

Neue Modelle wie das Mobiltelefon „Pocky“, wogen „nur noch“ 700g und lösten das Mobiltelefon von dem Verdacht, ein unpraktischer Luxusgegenstand zu sein. Interessenten gingen nicht, wie heute, zu einem Elektronik-Fachgeschäft (oder bestellten gar im Internet), sondern konnten sich noch in den Fernmeldeämtern beraten lassen.


Der Retter des alten Rathauses

750 Jahre alt wäre das alte Dortmunder Rathaus 1990 geworden, wenn man den Abriss und den anschließenden Wiederaufbau von 1955 nicht ganz berücksichtigt. Dabei stand das Gebäude schon Ende des 19ten Jahrhunderts vor dem Aus: Vollkommen verlassen und heruntergekommen, war es vielen Dortmundern mehr ein Dorn im Auge als ein Stück Stadtgeschichte, das erhalten werden sollte. Ein Stadtbauinspektor brachte 1894 mit seinem Gutachten glücklicherweise die Wende. Friedrich Kullrich, an den die Kullrichstraße im Süd-Osten der Stadt noch heute erinnert, entdeckte den alten Charme des Gebäudes und rief ihn den Dortmundern wieder in Erinnerung. Noch Jahre später erinnerte sich Kullrich: „Die Ansichten über den baulichen Wert unseres alten Rathauses haben sich durch die im Herbst 1894 gemachten Funde vollkommen geändert; galt dasselbe bisher als ein Bau, der wegen des Fehlens erhaltener Kunstformen von geringer künstlerischer Bedeutung war, so haben die gemachten Funde reichsten Schmuckes [...] unser Rathaus mit einem Schlage zu einem der wichtigsten Denkmale profaner Baukunst aus den ersten Jahrzehnten des 13ten Jahrhunderts gemacht.“

Dank dieses Gutachtens und von großzügigen Spenden der Dortmunder Bürger wurde das alte Rathaus von Grund auf saniert.


Fenstersturz überlebt

Großes Glück hatte ein dreijähriges Mädchen aus der Kuntzstraße in Hombruch. Bemi Spielen war das Kind aus einem offenen Fenster gefallen. Der Sturz aus dem zweiten Stock wäre wohl tödlich gewesen, allerdings stürzte das Mädchen glücklicherweise auf den Balkon der Nachbarn aus dem ersten Stock. Die riefen sofort den Rettungsdienst - und das Mädchen überlebte.


Besucherrekord

130.000 Kinder und Jugendliche nahmen während der Sommerferien 1990 an den Dortmunder Ferienspielen teil - ein Rekord. Das Programm erstreckte sich auf rund 70 Veranstaltungsorte mit 2500 freiwilligen Helfern. Der Schwerpunkt der Angebote lag bei projektorientierten Arbeiten und kulturpädagogischen Aktionen. „Unser Ziel, den oftmals eintönigen Alltagstrott der Kinder mit spannenden Angeboten zu unterbrechen ist uns gelungen“, frohlockte Dr. Gerd Bollermann, Vorsitzender des Jugendwohlfahrtausschusses.

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