Gericht verordnet: Callboy muss ins Seniorenheim

rnSerie Dortmund vor 30 Jahren

Der besondere Fall um einen käuflichen Liebhaber und einen Staatsanwalt, der eine Angeklagte verteidigt. Das waren die Nachrichten der Dortmunder und Dortmunderinnen vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 29.08.2020, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 29. August 1990:

Ein Callboy fürs Seniorenheim

Ein 32-Jähriger, der sich selbst das Pseudonym Mark Weimann zulegte, berichtete vor Gericht, dass seine „innere Antenne“ ihm gesagt hatte, dass seine Fähigkeiten in den dunklen Tiefen Untertage verkümmerten. Was er unter seinen Fähigkeiten verstand, wurde dann vor Gericht auch geklärt: Gutsituierte, einsame Frauen zu beglücken, gegen ein entsprechendes Honorar.

Ein Honorar, das mit der Zeit auf beachtliche 1500 Mark pro Nacht angewachsen war. Aber leider reichte dem 32-Jährigen dieser durchschlagende Erfolg nicht aus. Sein Traum war eine ganze „Frauen-Beglückungs-Agentur“ aufzubauen, nach dem Vorbild seines persönlichen Erfolgs. Zu diesem Zweck luchste er einer der Frauen 10.000 Mark ab und ließ sie in dem Glauben, es mit Goldgeschäften in der Schweiz in kürzester Zeit zu verdreifachen.

Als die Frau entdeckte, dass ihr „Mann für alle Fälle“ sie betrogen hatte, zeigte sie ihn an. Die zuständige Richterin widerstand dem sonst so unwiderstehlichen Charme des Angeklagten und sagte: „Ich will Ihnen andere Arbeitsmöglichkeiten eröffnen, als die, die Sie bisher hatten.“ Anschließend schickte sie ihn in ein Seniorenheim, wo er 60 Sozialstunden ableisten sollte.

Staatsanwalt verteidigt Angeklagte

Eine Zahnärztin aus Dortmund war verwickelt in mehrere Verkehrsdelikte und stand daraufhin vor 30 Jahren vor Gericht. Sie hatte unter anderem einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt geraubt, sodass es hinter dem Fahrzeug, das abrupt halten musste, zu einem Auffahrunfall gekommen war.

Der geschädigte Motorradfahrer war nach dem Unfall 14 Tage arbeitsunfähig, zögerte aber zuerst gegen die Angeklagte vorzugehen, da er selbst auch Zahnarzt war und die Angeklagte kannte.

Allerdings war sein Beistand gar nicht nötig, denn der Staatsanwalt schwang sich auf, die Angeklagte zu verteidigen. So machte er einen Zeugen verantwortlich für die Straßenverkehrsgefährdung, nicht die Angeklagte. Der Zahnarztkollege auf dem Motorrad hätte außerdem weniger als zehn Meter Abstand gehalten, weswegen er für den Unfall selbst verantwortlich sei.

Schließlich empfahl der Staatsanwalt die Einstellung des Verfahrens. Eine Empfehlung, der das Gericht nur teilweise folgte, es verlangte immerhin, dass die angeklagte Zahnärztin 20.000 Mark an die Deutsche Krebshilfe zahlen musste.

Pfarrer gewinnt Seifenkistenrennen

Der Sommer vor 30 Jahren hatte allerhand Volksfeste zu bieten: Eine Kirmes, mehrere Gemeindefeste, Schützenfeste, Jubiläumsfeiern und ein Seifenkisten-Turnier in Mengede. 14 Vehikel, gebaut in liebevoller Kleinarbeit, fuhren in 46 ausgetragenen Rennen.

Highlight der Seifenkistenrennen war das „Promi-Rennen“. Der „Vater des Ferienspaß Dortmund“, Fritz Neuhaus, in einem Gefährt namens „Jenseits“ gegen den Pfarrer Ernst Sonntag in der „Superschnecke“. Beide fuhren um ein Preisgeld in Höhe von 270 Mark, so viel hatten die Zuschauer gespendet. Den entscheidenden Lauf konnte Pfarrer Sonntag dann für sich gewinnen, weswegen die 270 DM an ein Gemeinde-Projekt gingen.

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