Säugling stirbt nach falscher Behandlung in Dortmunder Klinik

rnSerie Dortmund vor 30 Jahren

Ein Säugling stirbt wegen falscher medizinischer Behandlung und eine beinamputierte Dortmunderin durchschwimmt den Ärmelkanal. Das waren die Nachrichten der Dortmunder vor 30 Jahren.

von Beat Linde

Dortmund

, 28.08.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv – und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute der 28. August 1990:

Rückenmark-Spritze tötet Säugling

Tugba G. war noch ein Säugling, als sie 1988 wegen eines bösartigen Tumors in die Kinderklinik an der Beurhausstraße eingewiesen werden musste. Ein Jahr später ordneten die Ärzte an, Vorbereitungen für eine Punktuation zu treffen. Das Medikament Vincristin, das während Chemotherapien eingesetzt wird, sollte in das Rückenmark des Säuglings gespritzt werden.

Kurz nach dem Eingriff fiel auf, dass das Medikament falsch gespritzt wurde, sämtliche Gegenmaßnahmen, wie das Spritzen einer Kochsalzlösung schlugen nicht an.

Es bedurfte der Gutachten eines Kindertumor-Spezialisten aus Kiel, des Instituts für Rechtsmedizin Dortmund und eines namhaften Pharmakologen aus Friedrichsdorf, um zu klären, inwieweit die falsche Verabreichung des Medikaments verantwortlich war für den Tod des Mädchens und inwieweit die Krankheit selbst. Vor 30 Jahren stellte die Staatsanwaltschaft dann Anklage gegen die behandelnde Ärztin des Kindes wegen fahrlässiger Tötung.

Beinamputierte Dortmunderin durchschwimmt den Ärmelkanal

Die 28-jährige Lucia Krajewska aus Huckarde hatte nach einem Unfall auf einem Bauernhof beide Unterschenkel verloren. Die Amputation hielt sie allerdings nicht davon ab einen Weltrekord aufzustellen. Die Dortmunderin schwamm von Dover nach Calais.

„Sie ist die erste Frau mit einem solchen Handicap, die es jemals geschafft hat“, bestätigte Roy Scott von der britischen Kanalschwimmer-Vereinigung. Für die rund 40 Kilometer lange Überquerung brauchte Krajewska 12 Stunden und 29 Minuten. Dabei waren die Bedingungen nicht einmal ideal, so Scott: „Es war die ganze Zeit neblig und die See zeitweilig etwas grob.“

„Einer schöner als der Andere“

„Es ist so, als wenn man sich verliebt“, so beschrieb Heinz-Berndt Michalski das Fahren in einem Mini. Er sollte es wissen, denn Michalski war Vorsitzender des Dortmunder Mini-Clubs. Der hatte Mini-Freunde aus ganz NRW zu einem Treffen auf dem Parkplatz des damaligen Möbelhaues Tacke in Butendorf eingeladen.

126 Autos reihten sich Stoßstange an Stoßstange, „einer schöner als der andere“, wie Michalski sagte. Einige der kleinen Autos waren ältere Modelle. Noch Ersatzteile für diese Wagen zu bekommen, war bisweilen schwierig, weswegen die Teilnehmer einen kleinen Ersatzteilmarkt eröffneten. Sich ein anderes Auto zu kaufen kam für die Minibesitzer nicht infrage, denn wie einer von ihnen sagte: „Wer einmal Mini fährt, bleibt dabei.“

Justiz ratlos bei Angeklagter mit Persönlichkeitsstörung

17 Verfahren gegen Anita M. wurden bereits wegen Schuldunfähigkeit eingestellt, denn die Persönlichkeitsstörung der Angeklagten ließ nichts anderes zu. Eine Haftstrafe wäre sinnlos gewesen, denn ihr Verhalten war bedingt durch ihre Krankheit.

Die 44-Jährige war durch unkontrollierbare Wutausbrüche bereits häufig auffällig geworden. Einer davon hatte dazu geführt, dass sie im Beisein der Polizei eine Frau erschlug.

Ein Bewährungshelfer sollte die Frau letztlich vermitteln. Eine große Aufgabe, denn eigentlich sei sie, so sagte das Gericht, nur lästig für die Gesellschaft. Glücklicherweise hat sich der Umgang mit psychisch kranken Menschen in den letzten 30 Jahren deutlich weiterentwickelt.

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