Exhibitionist tötet Frau, stellt sich - und niemand glaubt ihm

rnSerie Dortmund vor 30 Jahren

Ein schrecklicher Todesfall erschüttert Dortmund und es gibt Streit um die Ruhepausen für Busfahrer: In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ lassen wir die Vergangenheit lebendig werden.

von Beat Linde

Dortmund

, 10.08.2020, 04:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 10. August 1990.


Exhibitionist tötet 36-Jährige

Zu einem schrecklichen Vorfall kam es vor 30 Jahren in der Brackeler Straße nahe dem Borsigplatz. Der 22-jährige Torsten S. tötete eine 36-jährige Mutter von zwei Kindern in ihrer Wohnung. Kennengelernt hatten sich Opfer und Täter bei einem Gesprächsabend der sozialpsychiatrischen Beratungsstelle. Torsten S. war selbst zuvor mehrmals wegen Exhibitionismus aufgefallen und mit psychischen Problemen zu der Beratungsstelle gekommen.

Am Tag der Tat wollte der 22-Jährige seinem späteren Opfer helfen, eine Waschmaschine in die Wohnung zu bringen, wenig später soll es dann zu der schrecklichen Tat gekommen sein.

Am selben Tag noch, nahm Torsten S. Kontakt mit der Beratungsstelle auf und informierte die dortigen Mitarbeiter vage über sein zuvor begangenes Verbrechen. Dort schenkte man ihm zuerst allerdings keinen Glauben. Erst, als er zwei Tage später wieder die Beratungsstelle aufsuchte und konkreter über die Tat sprach, wurden die Mitarbeiter skeptisch. Die Beratungsstelle informierte die Polizei, die dann wenig später die Leiche des Opfers fand.

In der Zwischenzeit war Torsten S. geflüchtet. Wiederum einen Tag später, nachdem die Polizei inzwischen offiziell nach ihm fahndete, stellte er sich den Beamten.

Dortmunds ältestes Hochhaus

Ein langer Streit ging der Sanierung des Westfalenhauses voran: Planungsdezernent Bernd Reiff befand die Pläne des Besitzers, der Koeferschen Verwaltungsgesellschaft aus Köln, für „städtebaulich inakzeptabel“. Ausgangspunkt des Streits war die Fassade: Die Dortmunder Stadtplaner präferierten einen klassischen Steinbau, die Inhaber eine Glasfassade.

Um die ungeliebte Sanierung zu verhindern wollten die Stadtplaner unter anderem, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden sollte, was das für Denkmalschutz zuständige Landeskonservatorium allerdings ablehnte.

Schließlich wurde klargestellt, dass es keine rechtliche Grundlage gab, die Bauvorhaben der Besitzer abzulehnen.

Ruhepausen für Busfahrer

Manche Themen klingen heute noch genauso aktuell wie vor 30 Jahren - zum Beispiel das der Ruhepausen für Busfahrer auf längeren Strecken. Wegen des hohen Zeitdrucks missachten Langstrecken-Fahrer bisweilen die vorgeschriebenen Pausen und fahren übermüdet, wodurch die Unfallwahrscheinlichkeit steigt.

Vor 30 Jahren stand aus diesen Gründen der Reiseverkehrs-Kaufmann Manfred S. vor Gericht. Er war für die Kalkulation der Reiserouten bei einem Reiseunternehmen zuständig, als ein Busfahrer seines Unternehmens wegen Übermüdung einen Unfall verursachte. Das Bußgeld von 10.000 DM, das ihm das Gewerbeaufsichtsamt abverlangte, focht er an.

Die zuständige Richterin sah den Tatbestand der Fahrlässigkeit gegeben, reduzierte aber die Strafe um 6000 DM - aufgrund des geringen Einkommens des Kaufmanns. Sie ergänzte: „In der heutigen Zeit möchte ich keine Busreise buchen müssen - egal bei welchem Unternehmen.“

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