Ermordete die Stasi eine Schauspielerin in Dortmund?

Serie Dortmund vor 30 Jahren

Ein ungeklärtes Unglück, in das die Stasi verwickelt sein könnte und Käfer, die ein Ehepaar um dessen Existenz bringen. Das waren die Nachrichten der Ruhr Nachrichten Dortmund vor 30 Jahren.

von Beate Linde

, 16.08.2020, 12:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ausriss aus den Ruhr Nachrichten vom 16. August 1990.

Ausriss aus den Ruhr Nachrichten vom 16. August 1990. © Ruhr Nachrichten

Was war heute vor 30 Jahren in Dortmund los? Worüber haben die Menschen gesprochen, was war aktuell? In unserer Serie „Dortmund vor 30 Jahren“ werfen wir für Sie täglich einen Blick in unser Zeitungsarchiv - und lassen die Vergangenheit wieder lebendig werden. Heute: der 16. August 1990.

Stasi-Mord in Dortmund?

Ein 19 Jahre altes, ungeklärtes Unglück beschäftigte die Dortmunder Staatsanwaltschaft im August 1990.

Die Schauspielerin Brigitt Petry spielte 1971 eine der Hauptrollen am Dortmunder Schauspielhaus, als sie in einen tödlichen Unfall auf der Bundestraße 1 verwickelt war. Mit großer Geschwindigkeit fuhr ihr Wagen gegen einen Betonmast, die damals 28-jährige Petry, ein gleichaltriger Mitfahrer und eine 20-Jährige erlagen den Verletzungen.

Es blieb ungeklärt wie es zu dem Unfall kam, allerdings stand die Stasi unter dem Verdacht, Brigitt Petry ermordet zu haben, denn sie war „Republikflüchtling“: 1965 reiste sie über Jugoslawien und Österreich in die Bundesrepublik, um sich später in Dortmund ein neues Leben aufbauen zu können. 1990 prüfte die Staatsanwaltschaft Dortmund, ob eine Exhumierung und Obduktion 19 Jahre nach dem möglichen Mord noch Aufschlüsse geben könnte.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte einige Jahre zuvor einen ähnlichen Fall, als der aus der DDR emigrierte Fußballprofi Lutz Eigendorf zu Tode kam. Dieser Fall beschäftigte die Gerichte noch bis 2010. Im Falle Petrys konnte der Verdacht gegen die Stasi nicht erhärtet werden.

“Das Ungeziefer tanzte auf den Schränken“

Unglücklicher konnte ein Einzug kaum sein: Das Ehepaar Sabine und Mario Rösnick kämpfte, ab dem Moment als sie die Schlüssel zu ihrer neuen Wohnung bekamen, mit Ungeziefer. Sabine Rösnick klagte: „Diese Käfer haben uns um unser ganzes Hab und Gut gebracht, und auch unsere Gesundheit ruiniert“. Schon vor dem Einzug entdeckte die vermietende Hoesch-Wohnungsgesellschaft die Schädlinge und verständigte einen Betrieb, um die Käfer zu bekämpfen. Zum Zeitpunkt des Einzugs waren sie dann aber immer noch da.

Sabine Rösnick erinnerte sich: „Das Ungeziefer tanzte auf den Schränken“. Nachdem das Schädlingsbekämpfungsunternehmen zum zweiten Mal die Wohnung desinfizierte, klagte das Ehepaar über starke Kopf- und Magenschmerzen. Ein Arzt bescheinigte ihnen eine Schädigung der Bronchien.

Das Unternehmen, das die Wohnung desinfizierte, bestritt allerdings, Mittel verwendet zu haben, die in irgendeiner Form schädlich für den Menschen sein könnten. Weil das Ehepaar Rösnick der Firma allerdings keinen Glauben schenkte, ließen sie ihre gesamte verseuchte Einrichtung zurück, zogen mit nichts weiter als einer kurzen Hose, T-Shirt und einem Paar Schuhe aus und verklagten die Hoesch-Wohnungsgesellschaft.

Frösche oder Kinder, wer darf die Straße nutzen?

Die Straße am Silberknapp sollte ganzjährig gesperrt werden, um die Überlebenschancen von Kröten auf ihren Streifzügen zu erhöhen. Ein Beschluss der Hombrucher Bezirksvertretung, auf den Ärger und Proteste der Anwohner folgten. Auch das Schulverwaltungsamt konnte nicht einsehen, dass ausgerechnet der Silberknapp zur Kröten-Trasse werden sollte: „Eine Sperrung wäre für die Schülerbeförderung fatal“, erklärte Thomas Fischer, verantwortlich für den Schülertransport im öffentlichen Personennahverkehr.

Schließlich beugten sich die Hombrucher Bezirksvertreter dem Druck und hoben die ganzjährige Sperrung auf, die Straße sollte nur noch an zwei Tagen im Jahr für die Kröten gesperrt werden und die Verwaltung sollte die Mittel bereit stellen für einen adäquaten Kröten-Tunnel. Unklar blieb, wie die Kröten von ihrem Glück erfuhren.

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