Mann soll Kinder vergewaltigt haben - warum kam er aus der U-Haft frei?

rnStaatsanwaltschaft Dortmund

Ein Mann wird verdächtigt, innerhalb weniger Wochen zwei Mädchen (11 und 13) vergewaltigt zu haben. Nach der ersten Tat saß er bereits in Untersuchungshaft. Warum wurde er freigelassen?

Dortmund

, 29.07.2020, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenige Tage nach der Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens in der Nordstadt ist am Dienstag (28.7.) bekannt geworden, dass der Verdächtige bereits einige Wochen zuvor ein 11-jähriges Kind sexuell missbraucht haben soll - und deswegen auch in Untersuchungshaft gesessen hatte. Auch eine Straftat nach dem Betäubungsmittelgesetz wurde ihm damals vorgeworfen.

Doch dann entließ das Gericht den 23-Jährigen Anfang Juli aus der Untersuchungshaft. Dafür hatte es laut Staatsanwaltschaft zwei Gründe gegeben:

  • Zum einen bestehe keine Fluchtgefahr.
  • Zum anderen wurde „auch der Haftgrund der Wiederholungsgefahr nicht gesehen“, berichtet Börge Klepping, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Denn der junge Mann, der in der Vergangenheit wegen Drogendelikten angeklagt und verurteilt worden war, hatte einen festen Wohnsitz in Dortmund und war bisher immer zu Gerichtsterminen erschienen. Und: Die Vergewaltigung des jungen Mädchens war das erste Mal, dass er in Zusammenhang mit einem Sexualdelikt unter Verdacht geraten war.

Erschwerend hinzu kam, dass bei einem Haftprüfungstermin Umstände zutage traten, „die zum damaligen Zeitpunkt Zweifel an den Angaben des Tatopfers begründen konnten“, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei heißt.

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Deswegen wurde der Haftbefehl gegen den 23-jährigen Dortmunder am 3. Juli gegen Meldeauflagen aufgehoben.

Entlassung aus U-Haft war eine fatale Entscheidung

Genau drei Wochen später, am 24. Juli, soll derselbe junge Mann gegen 17.45 Uhr in der Nordstadt ein 13-jähriges Mädchen in einen Hausflur gelockt und vergewaltigt haben.

Nach der Tat floh der Täter, gegenüber der Polizei konnte das Mädchen jedoch eine so detaillierte Täterbeschreibung geben, dass der Tatverdächtige noch in der Nacht zu Freitag festgenommen werden konnte.

Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft wegen schweren sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Vergewaltigung. Und dort wird er diesmal wohl auch bleiben.

Staatsanwalt Börge Klepping erklärte am Mittwoch (29.7.) gegenüber der Redaktion, dass von der Staatsanwaltschaft ein Haftantrag wegen Flucht- und Wiederholungsgefahr gestellt wurde. Das Gericht hat dem zugestimmt und einen Haftbefehl erlassen.

Der 23-jährige Tatverdächtige könne somit für die Dauer der gesamten Ermittlungen in Untersuchungshaft bleiben.

Nur wenig Details zu erster Tat bekannt

Zur ersten Tat Mitte Juni wollte der Staatsanwalt mit Blick auf das Alter des Opfers keine weiteren Details nennen.

Auch zur Tat vom vergangenen Freitag konnte Staatsanwalt Klepping am Mittwoch keine neuen Erkenntnisse mitteilen, da nun die Ermittlungen gegen den 23-Jährigen laufen.

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