Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko in der gemeinsamen Wohnung?

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Nach einem Gerichtsbeschluss stellt die Stadt Familienmitglieder von Corona-Verdachtsfällen nicht mehr pauschal mit unter Quarantäne. Wie riskant ist das Zusammenwohnen mit einem Corona-Fall?

Dortmund

, 20.09.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einem Eilbeschluss des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) hat die Stadt Dortmund ihre Quarantäne-Regeln geändert. Sie ordnet nun nicht mehr pauschal Quarantäne für Menschen an, die mit einer gefährdeten Person in einer häuslichen Gemeinschaft leben, selbst aber keinen Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten. Aber: Wie hoch ist eigentlich das Risiko, sich in einer gemeinsamen Wohnung anzustecken?

Dr. Bernhard Schaaf ist Infektiologe und Pneumologe am Klinikum Dortmund. Er behandelt dort Patienten, die die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 durchmachen.

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Durchschnittlich erkrankt jedes fünfte Familienmitglied

„Inzwischen gibt es viele Studien weltweit, die sich mit der Situation in der Familie befassen“, erklärt Dr. Schaaf. „Eine Veröffentlichung von August fasst 40 andere Studien zusammen und ermöglicht eine gute Einschätzung des Risikos einer Übertragung in der gemeinsamen Wohnung.“

Dr. Bernhard Schaaf ist Privatdozent und Direktor der Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Dortmund.

Dr. Bernhard Schaaf ist Privatdozent und Direktor der Klinik für Pneumologie, Infektiologie und internistische Intensivmedizin am Klinikum Dortmund. Er wurde vom Focus als einer der besten Ärzte in Deutschland ausgezeichnet. © Klinikum Dortmund

Demnach seien in Familien, in denen eine Person an Covid-19 erkrankt ist, durchschnittlich 20 Prozent der übrigen Familie ebenfalls erkrankt - also durchschnittlich jedes fünfte Familienmitglied. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von Ansteckungen, die nicht zu einer Erkrankung führen.

Viele Faktoren beeinflussen Übertragungswahrscheinlichkeit

Wie wahrscheinlich es in der gemeinsamen Wohnung zu einer Übertragung des Coronavirus kommt, hängt laut Dr. Schaaf von verschiedenen Faktoren ab. So sei das Risiko einer Übertragung höher, wenn die beteiligten Personen älter sind. Auch übertragen symptomhafte Träger den Erreger mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, als symptomlose - vor allem wenn sie Husten haben. Und auch bei Lebenspartnern sei das Übertragungsrisiko höher, als zum Beispiel zwischen Kindern und Eltern.

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Generell sei die Viruslast in einer Wohnung, in der eine infizierte Person lebt, aber höher, als zum Beispiel wenn man nur auf der Straße an einer infizierten Person vorbeigeht.

Bei dem Beschluss des OVG ging es um einen Fall, bei dem zwar ein Risiko einer Ansteckung für eine Person bestand, aber niemand nachgewiesen erkrankt war.

Tipps zur Infektionsvermeidung in der Wohnung

Wer im Zweifel auch in der eigenen Wohnung auf Nummer sicher gehen will, dem rät Dr. Schaaf dazu die Wohnung stets gründlich zu lüften und wenn möglich dort auch die üblichen Hygieneregeln einzuhalten. „Abstand zu halten hilft auch bei einem Verdachtsfall in der Familie viel, ebenso wie das Tragen einer Maske und das Händewaschen.“

Zum Beschluss selbst will Dr. Schaaf nur das sagen: „Dank des Gesundheitsamtes haben wir die Lage in Dortmund ja sehr gut im Griff. Ob die Stadt dabei in Einzelfällen etwas zu viel getan hat, kann ich nicht beurteilen.“

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