Wie könnte die Flughafenfläche in Wickede alternativ genutzt werden? Die Mehrheit des Rates will Vorschläge sehen. © RN
Politiker haken nach

Dortmund ohne Flughafen? Was könnte dann mit dem Gelände passieren?

Was passiert, wenn der Dortmunder Flughafen in schwere Gewitter gerät? Gibt es realistische Szenarien für eine Nachfolgenutzung der Fläche? Die Antworten lassen noch auf sich warten.

Rüdiger Schmidt (SPD), Aufsichtsrats-Vize am Dortmunder Flughafen, klang fast schon flehentlich: „Liebe Freunde der CDU, wisst ihr eigentlich, was ihr tut?“, fragte Schmidt – und hätte damit im Rat bei der jüngsten Sitzung beinahe die nächste Grundsatzdebatte zum Airport ausgelöst. Grüne, CDU und Linke hatten die Sitzung genutzt, um an ihren Antrag aus Februar 2021 zu erinnern.

Damals hatte der Rat auf Vorstoß der drei Fraktionen beschlossen, die Verwaltung mit einem Gutachten zu beauftragen. Das Papier soll „Nachfolgenutzungen“ für die Airportfläche aufzeigen, falls wichtige Airlines verlorengehen oder es dem Flughafen nicht gelingt, die EU-Auflagen zu erfüllen und Ende 2023 ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu schreiben.

Alle Flughäfen hätten coronabedingt große finanzielle Probleme, sagte Schmidt. Er gehe davon aus, dass die EU ihre Frist, die sie den Flughäfen zur Konsolidierung der Finanzen gesetzt hat, verlängern werde. „Sonst müssten rund 70 Prozent der Flughäfen in Europa schließen“, sagte Schmidt. Zumal es am Dortmund Ariport „wieder steil bergauf“ gehe.

OB: „Nicht so trivial, wie es im ersten Moment scheint“

Ingrid Reuter, Fraktionssprecherin der Grünen, hielt dagegen. „Es gibt keinen anderen Sachstand bei den EU-Vorgaben“, sagte Reuter. Der Flughafen habe die Beihilfe-Vorgaben der EU also zu erfüllen. „Wir als Politik sind gut beraten, wenn wir uns präventiv mit der Situation auseinandersetzen“, so die Grünen-Fraktionsvorsitzende.

Das Gutachten müsse nun in Angriff genommen werden. „Es bringt nichts, wenn wir das am 1. Dezember 2023 vorliegen haben.“ Ähnlich CDU-Fraktionsvize Sascha Mader: Es sei legitim, „nach einem halben Jahr zu fragen, wo wir stehen“.

Es dürfte noch einige Zeit vergehen, bis die gewünschte Expertise da ist. Noch gibt es nicht einmal den Ausschreibungstext zur Vergabe der Studie. Auch über den möchten die Fraktionen in den Fachausschüssen vor der Veröffentlichung drübergucken. Die Verwaltung sei dabei, „alle Themen zu sortieren“, sagte Oberbürgermeister Thomas Westphal. Und wies darauf hin, dass die Sachlage „nicht so trivial ist, wie es im ersten Moment scheint“.

„Es fächern sich eine Reihe von Möglichkeiten auf“

Es gehe nicht nur darum, einen Gutachter zu finden, der die Parameter der Fläche bewerte und sage, was grundsätzlich drauf kommen könne. Westphal: „Das könnte die Verwaltung auch selber machen.“ Es gehe um Nutzungskonzepte, die auch Beschäftigungsffekte und regionale Auswirkungen betrachteten. „Dabei fächern sich eine Reihe von Möglichkeiten auf“, so Westphal. „Da ist es nicht so einfach zu sagen, das macht ein Gutachter.“

Eigentlich seien es je nach Nutzungsform mehrere Expertisen. Man überlege aber, ob das eine gute Vorgehensweise sei, meinte Westphal. „Deshalb sind wir auch noch nicht fertig.“ Wann der Ausschreibungstext und erst recht das eigentlich gewünschte Papier vorliegen würden – das ließ er offen.

Airport will wieder auf 2,3 Millionen Passagiere kommen

Offen ist auch, wo der Flughafen am Jahresende landet. 2020 waren es insgesamt 1,2 Millionen Passagiere. (2019: 2,72 Millionen). Laut Plan sollen in diesem Jahr wieder 2,3 Millionen Fluggäste durchs Terminal strömen. Mut machen die Sommerferien: In denen konnte der Airport eigenen Angaben zufolge mit 98 Prozent fast an das Niveau aus dem Rekordjahr 2019 anknüpfen.

Auch finanziell soll es bergauf gehen: 2020 verbuchte der Airport beim wichtigen EU-Betriebsergebnis coronabedingt ein Minus von zwölf Millionen Euro. (Gesamtergebnis: minus 21,8 Millionen Euro). Ende des laufenden Jahres sollen die roten Zahlen im EU-Ergebnis auf ein Minus von 5,6 Millionen Euro sinken. (Geplantes Gesamtergebnis: minus 15,8 Millionen Euro). Gemäß den Vorgaben aus Brüssel muss das EU-Ergebnis Ende 2023 auf „Null“ zurückgeführt sein.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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