Tritt OB Sierau 2020 noch mal an? 5 Indizien dafür – und 5 dagegen

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In Dortmund wird zurzeit spekuliert: Tritt OB Sierau (63) bei der Kommunalwahl 2020 noch mal an? Er selbst will sich später äußern, aber es gibt Anzeichen. Was dafür spricht und was dagegen.

Dortmund

, 17.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Selbst enge Parteifreunde wissen nicht, wie Oberbürgermeister Ullrich Sierau sich entscheiden wird (oder vermutlich schon entschieden hat). Oder ob er seine Meinung noch mal ändert. Wird der 63-Jährige im September zum vierten Mal (inklusive Wiederholungswahl) seinen Hut für die Kommunalwahl 2020 in den Ring werfen? Oder einem Nachfolge-Kandidaten den Vortritt lassen bei der Bewerbung um den Posten des Dortmunder Oberbürgermeisters?

Seit Oktober 2009 steht Sierau als OB an der Spitze Dortmunds. Amtsmüde wirkt er nicht, doch es gibt trotzdem Hinweise, dass er im Herbst 2020 die Amtskette ablegen will. Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass er weitermacht. Wir haben uns seine Amtsführung genauer angeschaut - und uns in der politischen Landschaft Dortmunds umgehört.

Das spricht dafür, dass Ullrich Sierau weitermacht:

1) Ullrich Sierau ist sehr engagiert, in seiner Arbeit fokussiert, bienenfleißig – und hält sich als OB für unersetzlich.

2) Manche in seinem Umfeld bestärken ihn darin und beknien ihn, noch mal zu kandidieren „Der muss noch mal weitermachen“, heißt es; denn nach der Europawahl am 26. Mai mit dem Absturz der SPD haben sich die Vorzeichen geändert. Die Wahl zum Oberbürgermeister ist auch für einen SPD-Kandidaten kein Selbstläufer mehr. Ein Bewerber, der aus dem Amt heraus kandidieren kann, hätte es vermutlich leichter. Zumal sich selbst bei den Genossen an der Basis die Begeisterung für den als Nachfolger gehandelten SPD-Kandidaten und Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung, Thomas Westphal, in Grenzen hält. Zu spröde, nicht volksnah und nicht bekannt genug, lautet die Kritik.

3) Weil es bei der Kommunalwahl 2020 die Stichwahl nicht mehr gibt, bedarf es eines starken Kandidaten, der das Potenzial hat, sich beim ersten Wahlgang klar durchzusetzen. Das Potenzial hat in der Dortmunder SPD nur Sierau.

4) Ullrich Sierau blickt über 2020 hinaus. Er denkt an solche Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft 2024. Statt nur ein bestelltes Feld zu hinterlassen, könnte er noch die Früchte seiner Arbeit und seines Engagements einfahren.

5) Nicht zuletzt: Es dürfte ihm auch schwerfallen, Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten abzugeben.

Das dagegen, dass Ullrich Sierau 2020 nochmal antritt:

1) Schon vor drei Jahren, erzählt man sich, soll Sierau im internen Kreis verkündet haben, dass er in der ersten Sitzung des Verwaltungsvorstands im September 2019 kundtun wolle, dass er nicht mehr antritt.

2) Zudem haben Verwaltungsmitarbeiter wiederholt den Spruch von ihm gehört: „Das könnt ihr alles machen, wenn ich nicht mehr da bin.“

3) Sieraus Alter: Wenn er das Kräfte zehrende Amt neu antreten würde, wäre Sierau 64 Jahre und am Ende der fünfjährigen Amtszeit 69 Jahre alt.

4) Der Niedergang der SPD bei den Europawahlen und der aktuelle Grünen-Hype bergen selbst für Sierau das große Risiko zu unterliegen. Auch die großpolitische Wetterlage mit möglichen neuen Flüchtlingswellen gehört zu den Unwägbarkeiten. Und als Verlierer will Ullrich Sierau sicherlich nicht abtreten.

5) Als Oberbürgermeister verdient Sierau nicht so viel, wie er in anderen Funktionen verdienen könnte. Und wäre er nicht mehr OB, könnte er Nebeneinkünfte wie die Tantiemen als Mitglied im RWE-Aufsichtsrat behalten, statt sie an die Stadt abführen zu müssen. Allerdings ist nicht gesichert, ob er angesichts der Umstrukturierungen bei RWE im Aufsichtsrat bleiben kann. Personen aus seinem Umfeld halten es auch für denkbar, dass eine neue Aufgabe als Lobbyist und kommunaler Türöffner für das Dortmunder Vorzeigeunternehmen Wilo auf ihn wartet.

Das Fazit:

Vor ein paar Monaten war für viele klar: Ullrich Sierau hört auf. Im Moment überwiegt die Meinung: „Die Messe ist noch nicht gelesen.“ So richtig wollen wird Sierau wohl nicht, aber wenn er wieder kandidiert, wird die SPD ihn aufs Schild heben – auch aus Mangel an Alternativen.

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