Mit dem Rollator durch Pfützen: Zugang zu barrierefreiem Haus lässt Bewohner verzweifeln

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Ursula Redeker (84) ist extra in ein barrierefreies Haus gezogen, weil sie Probleme beim Treppensteigen hat. Doch der Zugang zu ihrem Haus ist alles andere als barrierefrei.

Unionviertel

, 28.02.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der einzige Zugang zum Hauseingang an der Rheinischen Straße 54A ist ein privater Innenhof, der eigentlich zu dem davor liegenden Haus gehört. Und jedes Mal, wenn Ursula Redeker, eine Bewohnerin des Hauses, vom Einkaufen kommt oder eine Freundin besuchen möchte, muss sie den Innenhof überqueren.

Das ist leichter gesagt als getan: Denn Frau Redeker ist 84 Jahre alt. Seit fünf Jahren wohnt sie in dem an sich barrierefreien Mehrfamilienhaus an der Rheinischen Straße. Vorher hat sie 50 Jahre im Haus nebenan gewohnt.

Barrierefreies Haus ohne barrierefreien Zugang

Irgendwann waren ihr die Treppen im alten Haus aber einfach zu viel. Mittlerweile kann sie nur noch mit Rollator aus dem Haus gehen. Das Haus, in dem sie jetzt eine Wohnung zur Miete hat, hat zu ihrem Glück einen Aufzug. „Ich bin damals hier herübergezogen, weil das eines der barrierefreien Häuser in der Umgebung ist.“ Das Haus sei dafür extra bezuschusst worden, hat man ihr erzählt.

Die Treppen stellen jetzt also kein Problem mehr dar. Dafür aber der Weg zum Hauseingang. Der Innenhof davor ist nur mit Kies aufgeschüttet. Regnet es, entstehen da riesige, teils tiefe Pfützen. Die Autos, die auf dem Innenhof parken, verschlimmern diese „Schlammgrube“ noch zusätzlich.

„Eigentlich ist hier immer etwas: Schlamm, Pfützen. Der Hof besteht nur aus Auf und Ab. Es ist kein Zugang, es ist ein Abenteuerweg“, sagt die 84-Jährige.

So muss Frau Redeker sich immer vorsichtig einen Zugang suchen. „Meistens versuche ich, an den Wänden des Hofs einen ebenerdigen Weg zu finden oder mich an den Mülltonnen vorbeizudrücken.“

Das ginge nicht nur ihr so. „In unserem Haus wohnen mindestens drei Bewohner mit Rollator, die ich kenne, und einer hat auch einen Rollstuhl.“ Einmal sei sogar ein Nachbar mit Krücken gestürzt, da er die Tiefe der Pfützen nicht mehr einschätzen konnte. „Wir wohnen in einem barrierefreien Haus, aber scheitern schon am Weg dahin.“

Der verantwortliche Hausbesitzer unternimmt nichts

Bereits vor einigen Jahren haben Frau Redeker und ihre Nachbarn Kontakt zur Hausverwaltung aufgenommen, um die Lage endlich zu ändern. Da der Innenhof mit dem Kies aber nicht zu ihrem Haus gehöre, sondern zu dem Haus direkt davor, müsse man sich erst mit dem Hausbesitzer von gegenüber verständigen. „Mein Hausverwalter hat schon öfter versucht, Kontakt aufzunehmen, aber bisher erfolglos. Es war wohl keine Einigung möglich.“

Jetzt erst zeichnen sich erste Erfolge für die Hausverwaltung von 54A ab. Es seien vorläufige Maßnahmen beauftragt worden, die zeitnah eine provisorische Lösung bieten sollen, teilte die Hausverwaltung auf Nachfrage der Redaktion mit. Welche das konkret sind, wurde noch nicht bekannt gegeben.

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