Thomas Taeger und seine Freundin Cheyanne hielten während der Pandemie vor allem über Video-Chat Kontakt. Denn die US-Amerikanerin konnte nicht ausreisen. © Verena Schafflick
Reisebeschränkungen

Dortmunder (23) umging US-Reiseverbot für seine große Liebe

Er durfte nicht in die USA, seine Freundin nicht nach Europa. Dennoch traf Thomas (23) aus Dortmund seine Cheyanne. Für die große Liebe umging er das Einreiseverbot – und das kreativ.

Fernbeziehungen sind immer etwas schwieriger. Man sieht sich kaum, hält viel Kontakt über Telefon und WhatsApp. Noch schwieriger wird es allerdings, wenn die Liebe über zwei Kontinente existiert – und man wegen der Corona-Pandemie nicht reisen kann.

Thomas Taeger kann ein Lied davon singen. Der 23-jährige Dortmunder hat eine US-amerikanische Freundin. Ein Jahr lang mussten sie dabei Kreativität beweisen, um sich doch noch zu sehen – inklusive Einreise über ein anderes Land.

Der Student für Raumplanung an der TU Dortmund und Cheyanne lernten sich 2019 während seines Auslandsaufenthaltes im Bachelor-Studium in Wisconsin kennen. Als das Coronavirus ausbrach, war er immer noch in den USA, im Sommer 2020 reiste er für die Bachelorarbeit zurück nach Deutschland. Die 22-jährige Lehramtsstudentin wollte eigentlich mitkommen. „Sie wollte meine Familie kennenlernen und wir wollten rumreisen“, erzählt Taeger.

Strenge 14-Tage-Regel für ganz Europa

Doch daraus wurde nichts. Die US-Amerikanerin durfte nicht nach Deutschland einreisen. Im Gegenzug wollte der 23-Jährige nach seinem Abschluss im Herbst 2020 zurück nach Wisconsin – doch zu dem Zeitpunkt hatte die USA einen sogenannten „Travel Ban“, also ein Einreiseverbot, für diejenigen verhangen, die sich in den letzten 14 Tagen in einem EU-Land aufgehalten hatten. Erst am 8. November endet diese Sperre.

Doch Thomas Taeger gab nicht auf. Er umging das Reiseverbot – indem er erst für 14 Tage nach Mexico City reiste. Von Mittelamerika aus durfte man nämlich in die USA einreisen. „Dann war ich zwei Wochen nicht in einem europäischen Land und konnte somit nach Chicago fliegen“, erklärt der Student. Bis Silvester blieb er bei Cheyanne.

„Wir sind Studenten und haben nicht viel Geld“

Bis der Dortmunder und seine Freundin sich wiedersehen konnten, vergingen dann aber sechs Monate. Keine einfache Zeit, wie die US-Amerikanerin erklärte, die per Video-Anruf zugeschaltet war: „Es war traurig, weil es keinen Weg gab sich zu sehen, außer man hatte viel Geld – aber wir sind ja Studenten und haben nicht viel Geld.“

Hinzu kam dann noch der Zeitunterschied, Deutschland war den USA sieben Stunden voraus. „Wenn ich aufgewacht bin, war sein Nachmittag zu Ende“, sagt Cheyanne rückblickend.

Seit Sommer 2021 ist alles anders

Inzwischen sehen sich die beiden aber einmal im Monat – denn die 22-Jährige ist für ihren einjährigen Master im August nach Barcelona gezogen. Im Wechsel reisen sie nun einander hinterher, hinzu kommen die täglichen Anrufe über Skype und per Whatsapp. Im November fliegt Thomas Taeger wieder nach Spanien.

Den USA will Cheyanne erstmal den Rücken gekehrt haben: „Wir haben keine Pläne, erstmal in die USA zurückzugehen. Wir wollen ein paar Jahre in Europa bleiben.“ Danach könnten die beiden sich vorstellen, wieder in die USA zu ziehen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick