Dortmunder arbeitet am größten Experiment der Welt

Forschungszentrum CERN

DORTMUND Nichts geringeres als das größte Experiment der Welt zog den Dortmunder Dr. Daniel Dobos vor sieben Jahren in die Schweiz. Heute arbeitet der Absolvent der Universität Dortmund mit beim spektakulären Atlas-Projekt am Forschungszentrum CERN in Genf.

von Von Susanne Riese

, 04.11.2009, 12:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Daniel Dobos (30) wirkt bei einem der spannendsten Experimente der Welt mit.

Daniel Dobos (30) wirkt bei einem der spannendsten Experimente der Welt mit.

Wie sieht Atlas denn aus? Dobos: Atlas ist das größte Experiment der Welt. Der Detektor ist 50 Meter lang und hat einen Durchmesser von 25 Metern; er wiegt 7000 Tonnen und ist vollgestopft mit modernster Elektronik.Der Teilchenbeschleuniger LHC war nach einem Defekt monatelang abgeschaltet. Wann wird´s jetzt ernst?Dobos: Mitte November soll der Beschleuniger wieder anlaufen. Das geht aber nicht auf Knopfdruck, denn so einen Riesenmaschine braucht Zeit. Die erste Kollision im Teilchenbeschleuniger erwarten wir erst einige Wochen später.Und so lange sitzen Sie in Genf und drehen Däumchen?Dobos: Nein, wir nutzen die Zeit, die Detektoren zu verbessern. Wir untersuchen ihre Funktion mit Hilfe kosmischer Teilchen, weil sie den hochenergetischen Teilchen, die wir am LHC produzieren, sehr ähnlich sind.Was passiert, wenn es dann endlich knallt?Dobos: Wir stellen die Bedingungen des Urknalls nach in der Hoffnung, mehr darüber zu erfahren, welche Prozesse dabei abgelaufen sind und welche Kräfte wirkten. Wir wollen die wesentlichen Bausteine der Materie erkunden und neue Teilchen erzeugen. So z.B. das so genannte Higgs-Boson, eine Art Heiligen Gral in der Physik. Diese Teilchen sollen die Entstehung von Masse erklären.Das lassen wir mal so stehen. Was aber ist mit den schwarzen Löchern, vor denen viele Angst haben, wenn es um das Urknall-Experiment geht?Dobos: Es gibt einen Grund dafür, warum ich sehr ruhig schlafen kann: Wir sind als Physiker Dilettanten im Vergleich zu dem, was die Natur leisten kann. Beispielsweise werden wir permanent mit Teilchen aus dem All beschossen, die hochenergetisch sind. Hier können wir das kontrolliert nachbilden. Zudem gab es eine Expertenkomission, die die Gefahren genau untersucht hat. Unter den Wissenschaftlern sind die schwarzen Löcher nicht wirklich ein Thema.Was kann der Diamant-Detektor, an dem Sie arbeiten?Dobos: Er misst, ob die Kollisionen so ablaufen, wie wir es wollen, damit die energiereichen Vorgänge nicht die empfindlichen Detektoren beschädigen. Der neuartige Detektor aus Diamant ist sehr strahlenhart und daher gut dafür geeignet.Was erwarten Sie persönlich von den Experimenten?Dobos: Mehr Grundlagen unseres Universums zu verstehen, Antworten auf philosophische Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Aber auch interessante physikalische Erkenntnisse. Ob die direkt in praktische Anwendung münden, muss man sehen. Als vor 100 Jahren die Elektronen entdeckt wurden, hat auch niemand geahnt, dass Sie heute überall drinstecken.Gibt es einen Tag X?Dobos: Eigentlich sogar zwei: einen, an dem die Strahlen im Teilchenbeschleuniger wieder laufen und dann den Bigbang, wenn erstmals zwei Strahlen kollidieren.Sind sie aufgeregt?Dobos: Ja.

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